(Album) Aidan: Le Grand Discours

Zuletzt hatten wir das Glück, in unserer kleinen Vier-Ohren-Rubrik mit “The Clearing” von den Bowerbirds, “Birdsongs = Warsounds” von Hello Piedpiper und “The Lows & The Highs” von Koria Kitten Riot gleich drei gute bis sehr gute Alben anhören zu dürfen. Spätestens seit Hans Meyer wissen wir allerdings, dass das Ende einer Serie umso wahrscheinlicher ist, je länger sie dauert. Und siehe da: Mit “Le Grand Discours” (erscheint am 23. März bei Hazelwood Vinyl Plastics), dem Debüt des irischen Songschreibers Aidan, kam uns jüngst eine Platte auf den Teller, die uns nicht so recht überzeugen wollte.

Obwohl wir mit ihm nicht wirklich warm wurden, ist Aidan zweifellos nicht nur optisch ein sehr interessanter Typ. Die Songs auf “Le Grand Discours” entstanden nicht etwa ganz unspektakulär im heimischen Wohnzimmer, sondern in einem Zeitraum von zehn Jahren, während derer der mittlerweile in Brüssel lebende Ire auf seinem Fahrrad durch die Weltgeschichte strampelte und sich als Straßenmusiker und mit diversen Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Viel zu erzählen hat Aidan also auf jeden Fall und gerade live könnte das ziemlich spannend sein. Schaut doch einfach mal vorbei, wenn er bei Euch in der Nähe auftritt (die Termine finden sich ganz unten) – und berichtet uns davon, wenn Ihr wollt!

So haben uns die einzelnen Lieder gefallen:

1) Into The Future

Ch: Ich mag die Stimme. Die Musik dazu aber gerade nicht so sehr.
Jn: Mir gefällt beides. Nach dem Lesen der Presseinfo hatte ich nämlich so ein Ethno-Zeug erwartet…

2) Nunca Màis

Jn: Jetzt kommt das Ethno-Zeug!
Ch: Spanien. Aussteiger-Bar irgendwo am Strand…
Jn: …und lauter Leute mit Wursthaaren… (Pause) …die jetzt alle mitsingen beziehungsweise Flöte spielen!
Ch: Magst du keine Flöten?
Jn: Am Ende noch Panflöten in der Fußgängerzone!

3) For The Love Of The Lord

Jn: Das wurde wohl von Bobby McFerrin inspiriert.
Ch: Mir fällt da gerade nix ein dazu. Wollen wir mal weiter machen?

4) Someday Tonight

Ch: Abwechslungsreich ist es ja, das Album. Bis zu diesem scheußlichen Effekt mit dem Synthesizer oder Stimmenverzerrer hatte der Song hier was von Damien Rice.
Jn: Ich finde das einfach nur total langweilig. Da passiert überhaupt nichts.

5) West Cork Song

Jn: Das ist wieder recht schön. Kann er sich nicht einmal auf eine Richtung festlegen?
Ch: Wenn er das Experimentieren sein lässt, wird es gleich wesentlich besser. Vielleicht waren die vielen Reisen keine gute Idee. Wenn man eh schon in Irland wohnt, hat man es sowieso gut getroffen.
Jn: Hat man? Nebel, Regen…
Ch: …und Wind. Aber auch viel Grün.
Jn: Weils so viel regnet! Nicht zu vergessen die gute irische Butter.

6) Bells Of The Morning

Textzeile: “Don´t sleep with chocolate on your pillow”
Jn: Da hätte ich kein Problem mit.
Ch: Da braut sich gerade was zusammen, was sich gleich entlädt. (Pause) Warte nur! (Pause) Eventuell gehts auch einfach immer nur so weiter. (Pause) Aber jetzt! (Pause) Nee.
Jn: Der perfekte Soundtrack zum Reiten in den Sonnenuntergang. Nicht so super.
Ch: Geht. Eben gabs schon Songs, die mir weniger gefallen haben.

7) Rue De Charlotte

Ch: Das wurde offenbar in Frankreich geschrieben.
Jn: Aber er singt Englisch. Das sind immer die Besten: “Ich war voll lang in Frankreich, hab aber gar nichts gelernt.” (Pause) Ah, jetzt wirds doch Französisch. Ich nehme alles zurück.
Ch: Geht es jetzt um eine Straße oder um eine Frau?
Jn: Bei Männern geht es doch immer um Frauen, oder?
Ch: Chanson.
Jn: Aber hallo! Und im Hintergrund das Amelie-Glockenspiel. (Pause) Jetzt auch noch eine spanische Gitarre!
Ch: Ziemlich lang der Song. Ich sehe gerade, das das Lied wider Erwarten in Dublin geschrieben wurde. Hmmm.

8) Song For Rainer

Ch: Von Charlotte zu Rainer. Krasser Übergang!
Jn: Klingt ähnlich, gefällt mir insgesamt aber besser. Schon wieder eine Flöte.

9) Pill Song

Ch: Oha, Hard Rock! Nun ja…
Jn: Ist schon wieder ganz was anderes. Ich mach mal weiter.

10) Someone Elses Problem

Ch: Zwei Songs noch, dann haben wirs geschafft. Das gefällt mir auch wieder nicht. Ich finde, man merkt, dass die Stücke über eine langen Zeitraum entstanden sind. Das wirkt alles so…
Jn: …zusammengeschustert. Leuten, die Prog-Rock hören, würde das hier aber wahrscheinlich gefallen. Wenn er eine oder zwei Oktaven höher singen würde, klänge er wie Cedric Bixler.

11) That Night

Ch: Vielleicht noch was Versöhnliches zum Ende.
Jn verzieht das Gesicht
Ch: Ist dir das zu schmalzig?
Jn: Ein bisschen. Sehr. “I dream that we become one” – Autsch!
Jn & Ch gleichzeitig: “Good night, je t’aime!”

FAZIT
Ch: Ganz schwer zu sagen, wo ich die Platte einordnen soll. Wirklich schlecht fand ichs nicht, aber unbedingt noch einmal anhören möchte ich eigentlich keinen der Songs.
Jn: Da kann ich mich nur anschließen.
Ch: Am 20. April also nicht in den MUZclub? Wallis Bird ist da ja auch mit dabei.
Jn: Du kannst gerne hingehen. Ich mach derweil dann was anderes.

Tour (alle Termine mit Wallis Bird):
22.03.12 München – 59:1
23.03.12 Mannheim – Capitol
26.03.12 Kassel – Schlachthof
27.03.12 Köln – Kulturkirche
28.03.12 Hamburg – Knust
29.03.12 Berlin – Lido
11.04.12 Magdeburg – Projekt 7
12.04.12 Bielefeld – Forum
13.04.12 Bremen – Tower
14.04.12 Münster – Gleis 22
15.05.12 Duisburg – High 5 Club
17.04.12 Leipzig – Moritzbastei
18.04.12 Würzburg – Posthalle
20.04.12 Nürnberg – MUZclub
21.04.12 Stuttgart – Club Zentral
23.04.12 Freiburg – Jazzhaus
24.04.12 (CH) Basel – Kaserne
25.04.12 Konstanz – Kulturladen
26.04.12 (CH) Luzern – Schüür
27.04.12 Karlsruhe – Substage

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