Neu im Plattenladen: The Pastels, I Am Oak

The PastelsThe Pastels – Slow Summits // Die Älteren (aber nur die) werden sich vielleicht noch an “Illuminations” erinnern, das bisher letzte Album der schottischen Indiepop-Institution The Pastels. 16 Jahre sind seitdem ins Land gezogen, in denen sich Katrina Mitchell und Stephen McRobbie dem Theater widmeten, Filmmusiken schrieben und mit der japanischen Band Tenniscoats gemeinsame Sache machten. Weg waren The Pastels also nie – aber wirklich da waren sie eben auch nicht. Das ändert sich nun mit “Slow Summits”, das weder altersmüdes Spätwerk noch überambitioniertes Comeback-Album geworden ist, sondern einfach eine Sammlung von leichtgängigen, pastellfarbenen Indiepop-Stücken mit Wechselgesang, lässigen Gitarren und Flöten. Willkommen zurück! // Domino Records, 24. Mai

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I Am OakI Am Oak – On Claws // Mit seinem zweiten Album “Oasem”, dem Nachfolger “Nowhere Or Tammensaari” und einer Reihe von Konzerten erspielte sich Thijs Kuijken alias I Am Oak auch bei uns ein Publikum. Vorher hatte der Niederländer allerdings bereits ein Debüt namens “On Claws” veröffentlicht, das mit seinem minimalistischen Folk-Pop und hervorragendem Harmoniegesang den beiden anderen Platten in keiner Weise nachsteht – im Gegenteil: “Don´t I Know Enough” und “Trumpets” gehören zu den schönsten I Am Oak-Liedern überhaupt. Da Snowstar Records dem Album nun eine um zwei Songs erweiterte Neuauflage gönnt, wird es höchste Zeit, dieses Kleinod nun endlich einmal zu entdecken (falls das nicht eh schon längst passiert ist). // Snowstar Records, 1. Juni

Neu im Plattenladen: Jet Flower

Jet FlowerJet Flower – We Walk Alike (Für Records) // Gutes findet immer seinen Weg. Manchmal dauert es eben eine Weile, bis es soweit ist – “We Walk Alike”, das Debütalbum des dänischen Quartetts Jet Flower, wurde ursprünglich bereits im Sommer 2012 veröffentlicht, ist aber erst seit ein paar Tagen auch bei uns zu haben. Ein Glück, denn beim gemeinsamen Reinhören haben wir schnell festgestellt, dass die Band eine echte Entdeckung ist, von der wir in Zukunft sicher noch Einiges erwarten dürfen.

Hier unsere Eindrücke:

1) Something To Someone / The World Is Mine
Jn: Konnten die sich da nicht auf einen Titel einigen oder sind das zwei Lieder in einem? Aber ich mag das – das ist schön.
Ch: Mir gefällts auch. Klingt ein wenig wie Keane mit Gitarre. Und in besser.

2) Rainbow Hill
Ch: Bisher hält die Platte zum Glück nicht das, was das etwas sehr seltsame Cover befürchten lässt…
Jn: Ich finde die Instrumentierung toll – das dezente Klavier und die Geigen.

3) Jacob´s Ladder
Ch: Das ist nun deutlich ruhiger als die beiden bisherigen Songs, aber den mehrstimmigen Gesang finde ich sehr gut.
Jn (zitiert aus dem Pressetext): Es gibt ja auch nicht nur einen Sänger in der Band, sondern – wie “in der Abwehrkette eines Fußballteams” – gleich vier.

4) Snow Report
Ch: Wenn im Snow Report viel Schneefall vorhergesagt wird, muss die Snow Patrol ausrücken.
Jn: Ui, der war aber schlecht!
Ch: Ich hätte da nun echt ein Lied wie von Snow Patrol erwartet, aber mehr als ein kurzes Zwischenspiel wars ja jetzt nicht.

5) The Last Broadcast
Jn:
Jetzt kommen die angesprochenen Postrock-Elemente!
Ch: Mag ich auch. Ich würde mir auch gerne ein Konzert von denen ansehen – das wäre bestimmt ziemlich kurzweilig und abwechslungsreich.
Jn: Das ist wirklich sehr schön. Ein perfekter Song für einen Tag wie heute, an dem die Sonne einfach nicht rauskommen will.

6) We Walk Alike
Jn: Als ich den Albumtitel zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich, das hieße “We WalkieTalkie”.
Ch: Das ist nun die ergreifende Ballade dieser Platte. Gefällt mir schon wieder.

7) Springtime
Jn:
Für ein Frühlingslied ist das aber schon recht verhalten.
Ch: Durch die Bläser wirds allerdings gleich etwas erhaben.
Jn (schüttelt den Kopf): Ergreifend! Erhaben! Der feine Herr wieder. Gegen Ende wirds aber doch etwas frühlingshafter. Man sieht förmlich die Blumen aufblühen.

8) Driftwood
Jn: Ob das ein Cover des gleichnamigen Travis-Songs ist?
Ch: Eher nicht. Wobei ich mich an den Travis-Song gerade gar nicht erinnern kann. Arg viel besser als dieser hier ist er aber sicher auch nicht.

9) It´s Gonna Rain
Ch: Der passende Titel zur momentanen Wetterlage.
Jn: Wobei es hier nicht erst regnen wird, sondern aktuell schon regnet.
Ch: Ich glaube, da ist Regen eine Metapher für Traurigkeit. Das ist übrigens Tina Dico, die da im Hintergrund zu hören ist.
Jn: Die ständig mit Helgi Jonsson im E-Werk auftritt.

10) Odyssey
Ch: Das könnte – zumindest ganz am Anfang – auch ein neues Lied von Pearl Jam sein.
Jn: Nichts gegen Eddie Vedder!
Ch: Das war jetzt das einzige Stück auf dem Album, das ich etwas langweilig fand.

Fazit
Ch: Schön, dass es die Platte nun endlich auch zu uns geschafft hat – kann ich nämlich nur wärmstens weiterempfehlen!
Jn: Dem kann ich mich nur anschließen, wobei mir die lauteren Stücke besser gefallen als die etwas leiseren. Aber das ist bei mir ja immer so.

Neu im Plattenladen: Eva & Manu, She & Him

Eva & ManuEva & Manu – s/t (Warner Music) // Ein Mädchen und ein Junge, sie aus Finnland, er aus Frankreich, treffen sich auf dem Campus einer Uni an der US-Ostküste, verlieben sich, brennen durch und reisen in einem Wohnmobil kreuz und quer durch Europa. Was nach dem allzu konstruierten Plot eines Romantik-Filmchens (gerne mit Zooey Deschanel) klingt, ist tatsächlich die Geschichte von Eva (Louhivouri) & Manu (Laudic). Die Erlebnisse der gemeinsamen Reise wurden anschließend in folkpoppige Songs gegossen und fertig war ein Debütalbum, das zwar hin und wieder ein wenig arg gefällig daherkommt, insgesamt aber ein sehr angenehmer Begleiter für laue Sommerabende ist. In den allerbesten Momenten erinnern Eva & Manu sogar etwas an Rue Royale – mehr Lob geht eigentlich nicht.

Live:
08.05.13 München – Milla
10.05.13 Frankfurt – Brotfabrik
11.05.13 Köln – Yard Club
13.05.13 Hamburg – Prinzenbar
14.05.13 Bremen – Nordwest Radio
15.05.13 Berlin – Grüner Salon

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She & HimShe & Him – Volume 3 (Domino) // Duo Nummer zwei, diesmal mit Zooey Deschanel höchstpersönlich in der Hauptrolle. Gemeinsam mit M. Ward, der wie bereits auf den zwei bisherigen She & Him-Platten natürlich auch diesmal wieder deutlich unter seinen eigentlichen Möglichkeiten agiert, hat die rehäugige Schauspielerin ein weiteres ebenso putziges wie harmloses Retropop-Album aufgenommen, das eine Vergangenheit zum Leben heraufbeschwört, die es in dieser Form wahrscheinlich nie gegeben hat. Sei’s drum: Zu den vierzehn Songs auf “Volume 3″ lässt sich ganz wunderbar das neue Vintage-Kleidchen in die nächstgelegene Cupcake-Bäckerei spazieren führen. (Das geht zum Beispiel mit dem kommenden The National-Album auf den Ohren voraussichtlich nicht so gut.)

Wax Mannequin: “No Safe Home”

Wax MannequinObwohl Chris Adeney alias Wax Mannequin aus Kanada stammt, scheint er irgendwie auch in Fürth zu Hause zu sein. Zumindest tritt der Songwriter gefühlt mindestens ein Mal im Jahr in der Kellerbühne des Babylon Kinos auf – morgen ist es wieder soweit. Just an diesem Tag erscheint auch das mittlerweile sechste Wax Mannequin-Album “No Safe Home”, das einmal mehr Folk-Songs mit einem mehr oder weniger hohen Anteil an avantgardistischen Elementen präsentiert. Die Krux an der Sache ist, dass mir gerade die etwas experimentelleren Stücke, die ich ganz gerne in die Schubladen “Folk Noir” oder “Cabaret Songwriting” stecken möchte, nicht ganz so sehr zusagen, was allerdings keineswegs an ihrer Qualität, sondern schlichtweg an meinen persönlichen Präferenzen liegt.

Deutlich besser gefallen mir die nicht ganz so düsteren, eher konventionellen Songs wie “Black Bell”, “Body White / Body Black” und “Don´t Want To Go”, die mit ruhiger Akustikgitarre, Country-Fiedel und Chris Adeneys angenehmer, wandlungsfähiger Stimme punkten. Auch nicht schlecht ist das das Album beschließende “PB”, das mit sechseinhalb Minuten (die anderen Stücke sind größtenteils eher kurz ausgefallen) Dauer und seinen rumpligen 90er-Jahre-Indierock-Anleihen komplett aus dem Rahmen fällt.

Eine recht spannende Platte also – der Besuch der beiden noch anstehenden Konzerte könnte sich durchaus lohnen (und sei es nur, um herauszufinden, ob der Herr tatsächlich immer eine brennende Kerze auf dem Kopf trägt).

Konzerte:
03.05. Fürth – Babylon Kellerbühne
04.05. Gera – Songtage

Vier Ohren: The Moth & The Mirror

The Moth & The Mirror

Längere Zeit haben wir es jetzt nicht geschafft, uns ein Album gemeinsam und in aller Ruhe anzuhören. Letztens war es aber zum Glück wieder einmal soweit – der Anlass: Die Deutschland-Veröffentlichung von “Honestly, this world.”, der in Großbritannien bereits im Herbst 2011 erschienenen Debüt-LP von The Moth & The Mirror. Treibende Kräfte hinter dem schottischen Sextett sind neben Stacey Sievwright (Arab Strap) Louis Abbott von Admiral Fallow und Gordon Skene von Frightened Rabbit – zwei Bands, die wir sehr schätzen. Dementsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an die Platte. Hier unsere Eindrücke:

1) Everyone I Know
Ch: Mir gefällt das – obwohl ich die Stimme etwas gewöhnungsbedürftig finde. Musikalisch ist das aber sehr gut.
Jn: Ich finde die Stimme gar nicht so gewöhnungsbedürftig, sondern vielmehr recht angenehm. Für mehr Frauen in dieser Art von Musik!

2) Soft Insides
Jn: Ich mag Glockenspiel.
Ch: Ich auch. Der Song ist mir nun allerdings etwas zu sehr wie eine Rockballade. Das mag ich nicht ganz so gerne.

3) Fire
Ch: Bisher ist das mein Lieblingslied auf dem Album. Admiral Fallow sind ja auch sehr okay. Der Sänger von denen, der jetzt hier singt, würde ohne Bart wahrscheinlich so aussehen, als wäre er erst 14.
Jn: So wie Du also.

4) Boxes
Ch: Das hier ist ein echtes Schlechtwetterlied – wobei es nun ein wenig dissonant wird.
Jn: Oder komisch.
Ch: Als der Song noch traurig vor sich hinplätscherte, mochte ich ihn lieber.

5) Beautiful Creature
Jn: Langsam wirds etwas langweiliger.
Ch: Huch, jetzt sind wir ja schon ein Lied weiter. Das war aber kurz…

6) Honestly, this world.
Ch: …trotzdem muss ich Dir leider zustimmen. Nach dem vielversprechenden Auftakt ging es etwas bergab.
Jn: Nun wirds aber ganz absurd. Fast ein Disco-Kracher!
Ch: Das erinnert mich an eine Band aus den 90ern, auf deren Namen ich beim besten Willen nicht mehr komme. Ist vielleicht besser so.

7) Germany
Ch: Bei dem Titel hätte ich jetzt Blasmusik erwartet.
Jn: Kommt noch. Immerhin im Walzertakt – wobei das eher Österreich ist. Aber Klarinette und Akkordeon passen schon.
Ch: Fürs zünftige German Beerfest eignet sich das trotzdem nur bedingt.

8) Hope is an anchor.
Ch: Das Sphärische jetzt ist sicher der im Pressetext angesprochene Dream Pop.
Jn: Ist allerdings gut zum Kopfnicken (nickt mit dem Kopf). Das meine ich positiv. Schau, mein Fuß zuckt auch schon.

9) Closing Doors
Ch: Ich traue der Ruhe da nicht. Bestimmt kommen gleich verzerrte Gitarren und elektronische Effekte.
Jn: Ich glaube, das bleibt so ruhig.
Ch: Gut, Du hattest Recht. So gefiels mir aber auch wesentlich besser.

10) Oceans & Waves
Ch: Und nun bleibts auch weiter so ruhig.
Jn: Ich mochte den lauten Anfang der Platte allerdings lieber…
Ch: Ganz am Ende wirds doch noch einmal etwas lauter. Verrückt, diese Tempowechsel!
Jn: Das gefällt mir jetzt sehr gut. Wenn die das das ganze Album über so durchgezogen hätten…

Fazit
Ch: Ich bin ein wenig ratlos, weil ich finde, dass die besten Songs meilenweit entfernt sind von den schwächeren Stücken. So fällt es mir schwer, mir eine allgemeingültige Meinung zum gesamten Album zu bilden. Insgesamt würde ich aber sagen: Passt schon.
Jn: Du nimmst mir die Worte aus dem Mund! Vor allem das “passt schon”.

  • The Moth & The Mirror: “Honestly, this world.” (Stargazer Records, 26. April 2013).

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Übrigens: Frightened Rabbit haben vor Kurzem die “Backyard Skulls”-EP veröffentlicht, die neben dem Titelsong und dem neuen “Norland Wind” auch zwei alternative Versionen der Album-Stücke “The Woodpile” und “Holy” enthält. Hier anhören:

Tourdaten:
18.06. Köln – Live Music Hall (Support für Modest Mouse)
19.06. Berlin – Lido
20.06. (AT) Wien – Full Hit of Summer
22.06. Scheeßel – Hurricane Festival
23.06. Neuhausen ob Eck – Southside Festival

Lauren Mann & The Fairly Odd Folk – “Over Land and Sea”

Foto: Cheryl Dawn

Foto: Cheryl Dawn

Den idealen Wohnort stelle ich mir in etwa so vor wie das von Joni Mitchell auf ihrer immer noch grandiosen LP “Ladies of the Canyon” besungene Morgantown: Ruhig, immer sonnig, voller freundlicher Menschen und insgesamt ein wenig hippiesk. Dass mir das gerade jetzt einfällt, hat zweierlei Gründe: Zum einen dauert es nur noch wenige Wochen, bis ich in mein eigenes Morgantown umziehe, zum anderen hat mich “Over Land and Sea”, das neue Album von Lauren Mann & The Fairly Odd Folk aus Calgary, jüngst nachdrücklich daran erinnert, “Ladies of the Canyon” wieder einmal aus dem Plattenschrank zu kramen.

In den ruhigeren Momenten klingen die ausnahmslos hervorragend arrangierten und liebevoll instrumentierten Songs der jungen Kanadierin und ihrer vier (und manchmal deutlich mehr) Mitstreiter nämlich in sehr angenehmer Weise wie die Stücke der Hippie-Ikone, die in diesem Jahr tatsächlich schon ihren 70. Geburtstag feiert. An anderer Stelle – etwa im Titelstück oder dem sehr tollen “I Lost Myself” – werden dagegen eher Erinnerungen an Folk-Bands jüngeren Datums, vor allem The Lumineers oder Edward Sharpe & The Magnetic Zeros (noch mehr Hippies!), wach. Nicht die schlechtesten Referenzen also…

Obendrauf gibts im hinreißenden “Lullaby” wertvolle Lebenshilfe (“Always remember these three things: Faith, hope and brushing your teeth. But most importantly: Do everything lovingly!”) und das schönste Artwork, das ich in den letzten mindestens eineinhalb Jahren gesehen habe.

PS: Noch bis zum 24. April gibt es “Over Land and Sea” bei Noisetrade als kostenlosen Download. Schnell zugreifen!

  • Lauren Mann & The Fairly Odd Folk – “Over Land and Sea” (Wanderer Records)

Folly & The Hunter – “Tragic Care”

Folly and the Hunter

Offenbar verstehen sich Folly & The Hunter ganz blendend darauf, ihre Platten genau dann zu veröffentlichen, wenn sich in meinem Leben größere Veränderungen ankündigen. Das war 2011 mit dem Debüt “Residents” so und ist nun auch mit “Tragic Care”, dem Zweitwerk der Kanadier, wieder der Fall.

In den letzten Tagen habe ich kaum etwas anderes angehört und schon nach diesen gut fünf Hördurchgängen bin ich mir sicher, dass mich “Tragic Care” noch sehr lange begleiten wird. Ausführlicheres zu den einzelnen Songs möchte ich hier allerdings gar nicht schreiben, weil das schlicht und ergreifend jeden Rahmen sprengen würde. Nur so viel: Die neuen Stücke machen einen etwas ausgefeilteren Eindruck und insgesamt wirkt die Platte ein wenig runder als ihr (natürlich ebenfalls sehr gut gelungener) Vorgänger. Ich bin schwer begeistert davon, wie hervorragend “Watch for Deer at Dawn” und “Tragic Care” aufgebaut sind. Außerdem liebe ich diese schwebenden Background-Chöre in “Vultures”, die mich sehr an “The Washington D.C.” von Mexican Elvis erinnern, und die Art und Weise, wie “How It Came Down” das Tempo des Albums ein ganz klein wenig anzieht. Das wunderschöne Finale von “Whatever We Can Make” hat mich beim ersten Hören fast zu Tränen gerührt und selten zuvor konnte ich mich mit einer Textzeile so sehr identifizieren wie mit “by the time that I met you, I was far behind where I thought I´d be” (“Masks”).

Schwieriges zweites Album? Von wegen! Folly & The Hunter sind nun noch besser als bisher – LP Nummer drei wünsche ich mir dann im kommenden Frühjahr, pünktlich zur nächsten größeren Veränderung…

  • Folly & The Hunter – “Tragic Care” (Outside Music, 16. April 2013)

Petula

Don´t Forget Me, Petula! Don´t Forget Everything, Petula! (Dia Records, 18.1.13)

Petula

Zwei Mal haben wir Petula bisher live gesehen – beide Male im Jahr 2011 im Vorprogramm von ClickClickDecker. Beide Male beeindruckte uns Sebastian Cleemann damals mit seiner Bühnenpräsenz und seinen Loop-Qualitäten, aber beide Male hatte er leider Schwierigkeiten, sich mit seiner Musik, die doch recht viel Aufmerksamkeit braucht, gegen das hemmungslos plaudernde Publikum durchzusetzen. Das ist sehr schade, denn Petula, der letztes Jahr mit “Say Yes” einen kleinen Geniestreich landete, ist zweifelsohne einer von den Guten. Das beweist auch sein zweites Album “Don´t Forget Me, Petula! Don´t Forget Everything, Petula!”, in das wir einmal reingehört haben:

SLLR
Jn: Ganz am Anfang klingt das nach Bloc Party.
Ch: Auch noch ein wenig, wenn der Gesang einsetzt.
Jn: Gefällts dir denn?
Ch: Live würde mir das sicher besser gefallen als von Platte…
Jn: …weil es da dann auch viel zu gucken gäbe.

Marry Me 1
Jn: Das gefällt dir jetzt besser, oder?
Ch: Ja, mehr Gitarren sind immer gut.
Jn: Recht stressig ist es aber.
Ch: Stimmt. Beim ersten Lied mochte ich das Ruhige, hier die Gitarren. Eine Mischung aus beidem wäre sehr fein.

A Circle Is A Lover’s Straight
Jn: Jetzt ist es ruhig und mit Gitarren.
Ch: Deshalb ist das bisher auch mein Lieblingslied.

Laika
Ch: Ob das ein Song über den Weltraumhund Laika ist?
Jn: Vielleicht ja auch über die Kneipe in Berlin-Neukölln, in der ich meinen ersten Abend als “Berlinerin” verbracht habe. Aber die Geräusche deuten eher auf Weltraum hin.
Ch: Ich persönlich würde den Weltraum ja Berlin jederzeit als Wohnort vorziehen.
Jn: Ich mittlerweile auch.

Dog
Ch: Dass das Lied nach “Laika” so heißt, stützt die Weltraumtheorie ja noch ein wenig mehr.
Jn: Mir plätschert das bisher alles ein wenig arg vor sich hin.

Talking In Landslides
Ch: Den Song mag ich jetzt sehr gerne. Wahrscheinlich, weil er mein konservatives Bedürfnis nach klassischen Songstrukturen befriedigt…
Jn kichert vor sich hin

November 4
Jn: “Calendar says: Kiss the calendar girl” – sehr toll!

Sing!
Ch: Abgesehen vom Gesang könnte das ja glatt von der Mediengruppe Telekommander sein.
Jn: Ich finde das recht gut. Aber an die Konzerte kommt das nicht ran – da singt er vorher noch fünf Minuten die ganzen Loops ein, was viel toller ist. Der Schluss war jetzt aber großartig…
Ch: …mit diesem “düüü-dümm”, das Nino de Angelo auch gerne verwendet hat.
Jn: Ich möchte nicht genauer nachfragen, warum du dich so gut mit Nino de Angelo auskennst.
Ch: Früher habe ich mir immer die ZDF-Hitparade angeschaut. Mit Uwe Hübner. Da habe ich viel gelernt.

Juri
Ch: Noch mehr vom sowjetischen Weltraumprogramm.

Ik Kan Niet Meer Het Is Teveel
Ch: Schade, dass nicht der komplette Text auf Niederländisch ist.
Jn: Das würdest du doch dann gar nicht verstehen!

All We Ever Want Is Time Out Alone, All We Ever Want Is To Forget This
Jn: Die beiden letzten Songtitel klingen sehr nach Burn-Out.
Ch: Die Trendkrankheit der letzten beiden Jahre. Burn-Out, das neue Cholesterin.
Jn: Aber das gefällt mir jetzt gut – auch das Glockenspiel.
Ch: Ich hab nun schon zwei Mal gedacht, dass der Song zu Ende ist, aber er geht immer noch weiter. Eine echte Wundertüte…

Fazit
Jn: Ich glaube, ich mag Petula live lieber als von CD. Wobei das Album natürlich auch gut ist.
Ch: Dem kann ich mich nur anschließen.

Tourdaten:
27.01.13 Fulda – 35 – Alternatives Kino
30.01.13 Hildesheim – Kulurfabrik Löseke
31.01.13 Chemnitz – Lokomov
01.02.13 Rostock – Artquarium
07.02.13 Hamburg – Astra Stube

Yasmine Tourist

Yasmine Tourist (Goldrausch Records, 8.2.13)

Yasmine Tourist

Den Bandnamen Yasmine Tourist darf man gerne etwas seltsam finden und auch das Cover des Debütalbums der sechs Schwaben muss man sich nicht unbedingt an die Wand hängen wollen. Abgesehen davon gibt es aber nicht viel zu bemängeln an den Herren um Sänger Dominik Gerwald, gehören die elf Stücke auf “Yasmine Tourist” doch sicher mit zum Stärksten, was wir seit einer ganzen Weile aus hiesigen Gefilden in Sachen Americana zu hören bekommen haben.

Schweden, wo ein Christian Kjellvander schon seit Jahren auf hohem Niveau leidet und Bands wie Holmes einen ziemlich einzigartigen Sound pflegen, mag in Sachen Eigenständigkeit schon einen Schritt weiter sein, aber der Umstand, dass man scheinbar stets deutlich zu erkennen glaubt, wer bei den einzelnen Songs von Yasmine Tourist Pate stand, tut der hohen Qualität keinen Abbruch. Schon der hervorragende, eingängige Opener “Blue Moon” gewinnt die Herzen, später hören wir nahezu akustisch gehaltene Country-Balladen (“Dollar Sin York”), an die Fleet Foxes Erinnerndes mit Harmoniegesängen und Softrock-Anleihen (“Of Fly And Bird”), ausladenden Wüstenrock (“A Thousand”) und immer wieder Grüße von Calexico (“Neon Coloured”) und Iron & Wine, denen schließlich auch im sehr erfreulich ausgefallenen Cover des Meisterstücks “He Lays In The Reins” gehuldigt wird.

Was will man da noch mehr? Richtig, ein paar Konzerte! Schon vor der Veröffentlichung des Albums können Yasmine Tourist live begutachtet werden (unter anderem bei der Plattentaufe in Stuttgart), ab Ende Februar folgt dann eine kleine Tournee.

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Tourdaten:
19.01.13 Ludwigsburg – Scala (Dominik Gerwald solo)
26.01.13 Stuttgart – Wagenhallen (Release-Konzert)
31.01.13 Mannheim – Alte Feuerwache (Dominik Gerwald solo)
01.02.13 Karlsruhe – Tempel (Dominik Gerwald solo)
23.02.13 Erfurt – Museumskeller
24.01.13 Berlin – Privatclub
25.02.13 Hamburg – Grüner Jäger
27.02.13 Köln – Studio 672
02.03.13 Zwickau – Alter Gasometer
06.03.13 Osnabrück – Glanz & Gloria
08.03.13 Saarburg – Synagoge (+ Nicolas Sturm)

Folly and the Hunter

Neues Album “Tragic Care” im April

Folly and the Hunter

Erst heute Nachmittag habe ich mir in der Bahn “Residents”, das vor knapp zwei Jahren erschienene, immer noch sehr tolle Debüt-Album von Folly and the Hunter, angehört und mich gefragt, wann die Band aus Montreal wohl eine neue Platte veröffentlicht.

Jetzt, nur ein paar Stunden später, kenne ich schon die Antwort: Outside Music hat das sympathische Trio unter Vertrag genommen und bringt das von Dave Smith und Jace Lasek produzierte Zweitwerk “Tragic Care” am 16. April (in Kanada) heraus. Um die Wartezeit bis dahin ein wenig erträglicher zu gestalten, darf die wunderbare erste Single “Moth in the Porchlight” schon jetzt angehört werden. Hurra!