Archiv der Kategorie: album

I Am Oak: Oasem

In den Niederlanden ist “Oasem”, der zweite Longplayer von I Am Oak, bereits seit Mitte Mai erhältlich und nun kommen wir dank Midsummer Records auch hierzulande in den Genuss der sehr entspannten Folk-Songs der Band um Frontmann Thijs Kuijken. Eine ausführlichere Besprechung von „Oasem“ findet ihr drüben bei der Roten Raupe, unten könnt ihr die komplette Platte anhören:

Termine:
11.08. Berlin – Schokoladen
12.08. Hamburg – Hasenschaukel
13.08. Halver – Midsummer Open Air
22.09. Hamburg – Reeperbahn Festival

Album: Puzzle Muteson – “En Garde”

Vor knapp zwei Wochen wurde hier die damals gerade frisch erschienene Puzzle Muteson-Single “En Garde” wärmstens empfohlen. Mittlerweile ist auch das gleichnamige Debütalbum des jungen Musikers von der Isle of Wight draußen und auch hierfür kann ich nur eine Empfehlung aussprechen – wenngleich sie nicht ganz so euphorisch ausfällt wie bei der wunderbaren Single, da über die lange Strecke doch ein klein wenig die Abwechslung fehlt.

An sich macht Puzzle Muteson auf seinem ersten Longplayer aber alles richtig. Kein Wunder eigentlich bei der tatkräftigen Mithilfe seiner Bedroom Community-Kollegen Valgeir Sigurðsson, der die Platte produzierte, und Nico Muhly, der sich um die schwelgerischen, aber niemals zu opulenten Piano- und Streicherarrangements kümmerte. Zusammen mit der folkigen, von sanft gezupften Akustikgitarren getragenen Basis, klug eingesetzter Elektronik und Puzzle Mutesons charakteristischer, immer leicht wehmütiger Stimme entstehen so schimmernde kleine Symphonien, die sich bestens als Untermalung für ein Sommergewitter eignen (was ich gestern selbst überprüft habe) – oder einfach dazu, sich auf allerschönste Weise in den Schlaf singen zu lassen. Spätestens nach dem sachte gehauchten “sleep tight” in “Glover” sind süße Träume garantiert…

“En Garde” kaufen? Am besten direkt bei der Bedroom Community…

Album: Captain´s Diary – “Niemals jedem recht”

Foto: Matthias Schreyer

Mp3: Captain´s Diary – “Augen auf” (Demo)

Immer länger wird seit einigen Jahren die Liste von mit Punkrock und Hardcore sozialisierten Musikern, die die Lautstärke mittlerweile drosseln und sich dem Songwritertum zuwenden. Sebastian Müller alias Captain´s Diary könnte man allzu leichtfertig auch mit auf die Liste schreiben, was dem Oberhausener aber nicht gerecht werden würde, denn immerhin ist er schon seit fast zehn Jahren mit Akustikgitarre und ruhigeren Stücken unterwegs – campfire punkrock nennt er selbst das.

Zwei Alben hat Captain´s Diary seit 2004 in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht, kommenden Freitag erscheint mit “Niemals jedem recht” bei Retter des Rock Records das im Studio von Sven Peks eingespielte Labeldebüt, das gleichzeitig auch die erste deutschsprachige Platte des Songschreibers ist. Die ganz großen Originalitätspreise lassen sich damit – ähnlich wie bei Senore Matze Rossi – zwar nicht unbedingt gewinnen, aber “Niemals jedem recht” ist trotzdem ein Album, das einem schon beim ersten Hören ans Herz wächst. Vor allem, weil Sebastian Müller eine sympathische Sicht aufs Leben hat und “Authentizität” für ihn viel mehr ist als nur eine hohle, überstrapazierte Phrase.

O´Death: “Outside” vorab im Stream

Am 29. April erscheint bei City Slang das neue Album der Folk-Hipster O´Death aus Brooklyn. Schon jetzt gibt es die Scheibe komplett im Stream und zumindest im ersten Hördurchgang macht “Outside” einen ziemlich guten Eindruck…

O´Death: “Bugs”

Live:
08.05. Schorndorf – Manufaktur
09.05. München – Feierwerk
12.05. Dresden – Beatpol
13.05. Leipzig – Conne Island (La Familia y Amigos Festival)
14.05. Berlin – Privat Club
16.05. Hamburg – Molotow
17.05. Nürnberg – MUZ Club
18.05. Köln – Studio 672

Samba gibts auch noch

Mit Samba verbinde ich längst vergangene Zeiten: “Zuckerkick” mit dem wegweisenden “Flach und aus Milch” und natürlich das “Komm küssen”-Fanzine. Zuletzt allerdings war es ziemlich ruhig um die Band – das letzte Album “Himmel für alle” hat auch schon wieder mehr als vier Jahre auf dem Buckel.

Gestern erschien jedoch bei Tapete mal wieder ein neuer Longplayer von Samba: “Die Ekstase der Möwen”, produziert von Tobias Siebert (Klez.e, Delbo), Knut Stenert und Gregor Schenk, kommt recht elektronisch daher und versetzt mich zumindest im ersten Hördurchgang trotz einiger sehr guter Songs noch nicht in Ekstase.

Vielleicht stellt sich die ganz große Begeisterung später ein. Trotzdem schön, dass Samba wieder da sind…

Samba: “Hinter der Kurve”

Album // Spaceman Spiff: “…und im Fenster immer noch Wetter”

Am nächsten Freitag erscheint “…und im Fenster immer noch Wetter”, das zweite Album von Spaceman Spiff, und ich bin etwas fassungslos, weil sich der Weltraummann damit selbst übertroffen hat.

Ich erinnere mich noch, als vor etwas mehr als zwei Jahren eine selbstgebrannte Promo-CD in meinem Briefkasten lag: “Bodenangst”, eine kleine Platte mit Songs über große Zweifel und noch größere Hoffnungen, aufgenommen von einem Musiker, der gerade auf dem Sprung von Würzburg nach Hamburg war, um dort etwas auf die Beine zu stellen.

Das war schon damals ganz hervorragend, aber trotzdem kann ich es kaum glauben, wie weit Hannes Wittmer – so heißt Spaceman Spiff im echten Leben – in diesen knapp zwei Jahren gekommen ist. Schritt für Schritt, immer ein wenig besser, ohne sich dabei jemals zu verbiegen. Auf der Demo-CD, mit der er wenig später ein Label suchte und schließlich jenseits der Musikindustrie (ihr hattet eure Chance!) beim kleinen Hamburger Literatur- und Hörspielverlag mairisch eine neue künstlerische Heimat fand, gab es dann erstmals neben Stimme und Akustikgitarre ein paar andere Instrumente zu hören. Fordernder und dringlicher machte das die Lieder, aber im Vordergrund stand eben immer noch die Botschaft, das Lyrische.

Kein Wunder, dass Hannes auf der Compilation “Bookends” einen Platz zwischen ClickClickDecker und Gisbert zu Knyphausen bekam und mit Finn-Ole Heinrich das großartige Audiobook “Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf” aufnehmen durfte. Das Talent dazu hatte er ja schon immer – aber Talent allein reicht eben nicht aus, man muss auch die Chance bekommen, es zu entfalten.

Foto: Dylan E. Thompson

Spaceman Spiff hat seine Chance bekommen und er hat sie genutzt. Beziehungsweise: Er nutzt sie immer noch. “…und im Fenster immer noch Wetter” ist ein weiterer großer Schritt in die richtige Richtung. Die Platte ist musikalisch abwechslungsreicher und aufwändiger produziert als der Vorgänger, gönnt sich eine üppigere Instrumentierung bis hin zum satten Bandsound (“Straßen”) und schlägt auch schon einmal eine ganz neue Richtung ein (“Elefanten”), lässt aber trotzdem nichts von den Qualitäten vermissen, die ich schon an “Bodenangst” so sehr schätzte.

Die Süddeutsche Zeitung nannte die Songs von Spaceman Spiff jüngst lobend “Musik für NEON-Leser”. Eine Einschätzung, der ich mich beim besten Willen nicht anschließen möchte, weil ich mich dagegen wehre, alles immer nur auf ein stumpfes “die sind eben so” zu reduzieren. Es gibt nun einmal Dinge, die einfach zu wertvoll sind, um ihnen ein billiges Generationen-Label anzupappen – The National attestiert ja schließlich auch niemand, Musik für mittelalte depressive Whiskytrinker zu machen.

Anstatt also jetzt klemmende Schubladen zu öffnen, spreche ich einfach mal die dringende Empfehlung aus, das Album selbst anzuhören und freue mich, dass es so gut geworden ist…

Live:
11.03. Hammelburg – Wasserhaus
14.03. Hannover – Sing Sing
15.03. Berlin – NBI (Kulturbrauerei)
16.03. Erfurt – Radio f.r.e.i.
17.03. Leipzig – Wärmehalle Süd
18.03. Dresden – Blaue Fabrik
22.03. Hamburg – Prinzenbar (Release Party mit Band)
24.03. Coburg – Sonderbar
25.03. Saarbrücken – Sparte 4
26.03. Köln – Aetherblissement
11.04. Hannover – Loge 13
27.04. Kiel – Prinz Willy
06.05. Helmstedt – Street Poetry Abend
13.05. Husum – Speicher (+ ClickClickDecker)

Review // Christian Kjellvander

Christian Kjellvander – “The Rough and Rynge”

So bastelt man an seinem eigenen Legendenstatus: Man nimmt ein ungemein erfolgreiches Album wie “I Saw Her From Here / I Saw Here From Her” auf, präsentiert dem nach Nachschub geifernden Publikum aber nicht etwa einen schnell hingeschluderten Nachfolger, sondern zieht sich erst einmal für lange Zeit komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Was bei anderen Songschreibern schnell wie eine allzu durchschaubare Pose wirken könnte, ist bei Christian Kjellvander nur konsequent. Schließlich ist der Schwede seit jeher so etwas wie der Prototyp des scheuen Eigenbrötlers mit einem Hang zur ausgewachsenen Depression. Fast zwei Jahre war der ewig Rastlose vornehmlich in Nordamerika unterwegs, um neue Eindrücke und Geschichten am Wegesrand aufzulesen und vielleicht auch sich selbst zu suchen, wie er im famosen “Transatlantic” singt:

I will cleanse my soul with mid-atlantic swells
and one can get addicted to this pace
sometimes it seems like it’s all about getting away

So lange sich Christian Kjellvander treiben ließ, so schnell ging es nach seiner Rückkunft mit der Aufnahme der neuen Platte. Fünf Tage lang zog er sich mit seiner Band in ein Haus auf dem Land zurück und fertig war “The Rough and Rynge”, ein Album voller gelassener, breitwandiger Americana-Songs, die oft mit einem Minimum an Instrumentierung auskommen und von Christian Kjellvanders tröstlicher Stimme getragen werden. Stück für Stück erobert “The Rough and Rynge” die Langsamkeit, eine in unser immer hektischer werdenden Zeit sträflich vernachlässigte Tugend, zurück, bis am Ende nur noch ein Wunsch bleibt: “Weg!”

Mp3: Christian Kjellvander – “Transatlantic”

“The Rough and Rynge” erscheint am 11. Februar bei Startracks. Am 27. Mai ist Christian Kjellvander außerdem der erste Gast von “Songs”, der neuen Konzertreihe in der Kellerbühne des Erlanger E-Werks.

Review // Loch Lomond

Loch Lomond – “Little Me Will Start A Storm”

Liebe Leserin, lieber Leser,

falls du auf der Suche nach dem schottischen See Loch Lomond oder dem beliebten Volkslied “The Bonnie Banks o´ Loch Lomond” auf diesen Eintrag gestoßen bist, muss ich dich leider enttäuschen. Es geht hier nämlich weder um Gewässer noch um Schottland, sondern um “Little Me Will Start A Storm”, das zweite Album der Band Loch Lomond aus Portland, Orgeon. Falls du nach “The Bonnie Banks o´ Loch Lomond” gesucht hast, bist du allerdings gar nicht so verkehrt, denn die sechs Amerikaner widmen sich auch dem Folk. Zumindest im weitesten Sinne. Irgendein kluger Mensch hat für diese Art von Musik – wahrscheinlich, während er eine Platte von The Miserable Rich hörte – den etwas irreführenden, aber doch recht treffenden Begriff “Kammerfolk” erfunden. Loch Lomond jedenfalls machen genau das: Mit Hilfe einer Wagenladung an Instrumenten (Ukulele, Klarinette, Vibraphon, Theremin, Banjo, Flöten, singende Säge usw.) beglücken sie uns auf “Little Me Will Start A Storm” mit neun liebevoll und äußerst klug arrangierten Songs, die zuweilen leichtfüßig und verspielt daherkommen, an anderer Stelle jedoch auch auf düstere Dramatik und Anleihen an Sufjan Stevens (diese Backgroundchöre!) setzen. Als wäre das nicht schon genug des Guten, verfügt Sänger Ritchie Young, der Loch Lomond vor einigen Jahren als Soloprojekt ins Leben rief, über eine extrem wandlungsfähige Stimme, die – manchmal sogar innerhalb eines Songs – von einer voluminösen Vollmundigkeit in ein fragiles Falsett kippt. Ziemlich beeindruckend.

Bist du noch da, liebe Leserin oder lieber Leser? Wenn ja, habe ich noch einen letzten Rat: Höre dir “Little Me Will Start A Storm” unbedingt einmal selbst an. Es gibt so viel Aufregendes zu entdecken auf dieser Platte, dass ich es kaum in Worte fassen kann (zumindest nicht, ohne völlig den Rahmen zu sprengen). Das Album erscheint am 22. Februar bei Tender Loving Empire und kann jetzt schon als CD oder auf Vinyl (inkl. Download) vorbestellt werden.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und schöne Grüße,
C.

P.S. Den Song “Elephants & Little Girls” gibt es als kostenlose Mp3.

For Folk´s Sake It´s Christmas

An Weihnachten sollte man in erster Linie an die Menschen denken, mit denen es das Leben gerade nicht so gut meint. Deshalb haben sich die enthusiastischen, geschmackssicheren und liebenswerten Macher des exzellenten Londoner Musikblogs For Folk´s Sake etwas ganz Besonderes ausgedacht, nämlich das Album “For Folk´s Sake It´s Christmas”, das zwölf wirklich ganz wunderbare, völlig kitschfreie Weihnachtslieder enthält. Alle Einnahmen aus dem Verkauf kommen dem Integrated Cancer Centre des King’s College in London zu Gute – die Einrichtung betreut Menschen, die an Krebs erkrankt sind und ist außerdem eine der Top-Adressen in Sachen Krebsforschung.

Herunterladen könnt ihr euch das Album gegen eine kleine (oder gerne auch große) Spende bei Bandcamp:

 

Bitte entdecken: Pascal Pinon

Der echte Pascal Pinon, ein Typ mit – angeblich – zwei Köpfen, war im frühen 20. Jahrhundert ein Freakshow-Star. Parallelen zur isländischen Band gleichen Namens sind durchaus vorhanden, da auch diese zwei Köpfe hat, nämlich die der Zwillingsschwestern Jófríður und Ásthildur, die im zarten Alter von 14 Jahren anfingen, zusammen mit ihren Freundinnen Halla und Kristín Musik zu machen.

Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen, ein gefeierter Auftritt beim lokalen Über-Festival Iceland Airwaves 2009 steht in den Band-Annalen und morgen erscheint bei Morr Music endlich auch das selbstbetitelte Debütalbum der Folk-Pop-Elfen. Klingt wie First Aid Kit auf Isländisch mit einer Extraportion Kulleräugigkeit.

Reinhören und direkt kaufen geht bei Morr Music.