(EP) Jacob Furr: Farther Shores

Manchmal kommt die richtige Musik genau zum richtigen Zeitpunkt. In ein paar Tagen lichtet you sound great nämlich den Anker und macht sich für eine kurze Weile auf an fremde Gestade. Auf dem hoffentlich nicht zu Hause vergessenen Mp3-Spieler ist dann unter Garantie auch “Farther Shores”, die Ende Januar erschienene neue EP des texanischen Songwriters Jacob Furr, der selbst Folgendes über die fünf Songs starke Scheibe sagt, die hier zu einem frei wählbaren Preis zu haben ist: “This album is a tribute to shorelines, leaving and discovery”. Und siehe da, bereits nach dem ersten Hördurchgang macht sich tatsächlich ein wenig Fernweh nebst einer ordentlichen Portion Wehmut (das muss wohl der leaving-Teil sein) breit.

Dringende Empfehlung für alle Reisenden und natürlich auch für die Daheimgebliebenen!

(Kritik) Amos Lee: As The Crow Flies

Amos Lee war eigentlich schon festgelegt auf die Rolle der männlichen Variante von Norah Jones, als Calexico-Mastermind Joey Burns die Produktion seines vierten Albums “Mission Bell” übernahm und dem Songwriter aus Philadelphia einen erdigeren, dunkleren Sound verpasste, der sowohl bei den Hörern als auch bei den Kritikern bestens ankam.

Die aktuelle EP “As The Crow Flies” (Blue Note, 10. Februar) enthält nun sechs weitere Stücke aus den Sessions zum im vergangenen Januar auf Platz 1 der Billboard Top 200 eingestiegenen “Mission Bell” und bietet dementsprechend wenig grundlegend Neues , aber allerlei Hörenswertes zwischen Country, Folk und von Herzen kommendem Soul. Joey Burns war auch diesmal für die Produktion verantwortlich und tritt ebenso wie Calexico-Drummer John Convertino auf nahezu allen Songs als Gastmusiker in Erscheinung. Amos Lees Nähe zu den Herren aus Tucson lässt sich vor allem im hervorragenden, üppig mit Streichern instrumentierten “The Darkness” erkennen. Zweites Glanzlicht der feinen, manchmal allerdings etwas allzu sehr auf Radiotauglichkeit getrimmten EP ist “Say Goodbye”, eine archetypische Country-Nummer mit den herrlich archetypischen Country-Refrainzeilen “You don´t have to speak / I can see it in your eyes / Say no more / Say goodbye”.

Am Ende also doch eher The Little Willies als Norah Jones.- 6,5/10

EP: Stylusboy – “Whole Picture”

Foto: Rachel Grisedale

Zugegeben, ich habe schon tollere Künstlernamen gehört als Stylusboy (was mich sehr an eine beliebte Produktlinie eines Druckerherstellers erinnert), aber letzten Endes sind Namen eh Schall und Rauch. Was zählt, ist die Musik und die kann sich bei Steve Jones, dem sehr sympathischen Herrn, der sich hinter dem Moniker Stylusboy verbirgt, durchaus hören lassen.

Auf seiner aktuellen EP “Whole Picture”, die ab sofort zu einem frei wählbaren Preis als Download erhältlich ist, serviert der Songschreiber aus dem englischen Coventry eine fein abgestimmte Mischung aus sonnigem Folk-Pop mit grandiosen Glockenspiel-Einlagen und sanften, gelegentlich von Streichern untermalten Balladen. Keine Revolution zwar, aber über weite Strecken schon sehr, sehr schön.

Äußerst empfehlenswert sind übrigens auch Stylusboys Coverversionen beliebter Songs von Katy Perry, Ellie Goulding, Idlewild und anderen, die es allesamt als Videos und kostenlose Mp3s gibt.

EP: Marie Fisker – “Mirror Mirror Mirror Mirror”

Marie Fisker, deren feines Debüt “Ghost of Love” erst knapp ein Jahr nach dem Release in ihrer dänischen Heimat auch bei uns veröffentlicht wurde und trotz einiger sehr guter Kritiken leider ein wenig unter den Tisch fiel, arbeitet zur Zeit fleißig an ihrem zweiten Album, das im kommenden Frühling erscheinen soll.

Einen ersten Vorgeschmack in Form des düsteren, ziemlich verstörenden “Mirror Mirror”, gibt es bereits jetzt zu hören – auf der EP “Mirror Mirror Mirror Mirror”, die am 10. Juni bei R.D.S. erscheint und neben dem Titelstück drei Coverversionen von Sune Rose Wagner (The Raveonettes), Chimes & Bells und Anders Mathiasen (Murder) enthält.

Sune Rose Wagner: “Ghost of Love” (Marie Fisker-Cover)

Chimes & Bells: “City Lies” (Marie Fisker-Cover)

Anders Mathiasen: “Hold On To This For A While” (Marie Fisker-Cover)

EP: Le Man Avec Les Lunettes – “Sparkles”

Der Mann mit der Brille ist wieder da! Wobei der Name Le Man Avec Les Lunettes ja schon ein wenig irreführend ist, zumal es sich schließlich nicht um eine einzelne Person handelt, sondern um ein Sextett aus dem norditalienischen Brescia. Solche Spitzfindigkeiten sollen allerdings die Freude über die neue Veröffentlichung nicht trüben: “Sparkles” (We Were Never Being Boring), die aktuelle EP von Le Man Avec Les Lunettes und gleichzeitig ein erster Vorbote des kommenden Albums, ist nämlich bestens gelungen. Lupenreine, sonnendurchflutete Pop-Arrangements treffen auf sachte Elektronik und mehrstimmigen Gesang, ein Cello verleiht dem Ganzen noch einen warmherzigen Charakter und weckt entfernte Erinnerungen an die Stars. Äußerst empfehlenswert!

Trackliste:
Crawling Down the Stairs
Fall on the Snow
Often Times
Notes

EP: Alden Penner – “Odes to the House”

An einem stillen Feiertag wie dem heutigen Karfreitag kommen die ruhigen, aber trotzdem äußerst eindringlichen Akustiksongs des Kanadiers Alden Penner, einigen vielleicht noch bekannt als Mitglied der Unicorns und Clues, wie gerufen.

“Odes to the House”, die neue, sehr empfehlenswerte EP des Musikers aus Montreal, ist vor ein paar Tagen bei Beep! Beep! Back Up the Truck erschienen und kann eben dort für schmale sieben Euro in einer Deluxe-Version, bestehend aus CD, Download-Code und Siebdruck-Poster, käuflich erworben werden. Es lohnt sich…

EP // Benjamin Francis Leftwich: “Pictures”

Dass Benjamin Francis Leftwich bei uns bisher noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt ist, wundert mich angesichts der Tatsache, dass zur Zeit scheinbar jeder junge Engländer, der eine akustische Gitarre halten kann, zur neuen Songwriter- bzw. Folk-Hoffnung hochgejazzt wird, schon ein wenig. Aber egal, Ruhm geht ja nicht immer Hand in Hand mit Qualität – oft ist sogar eher das Gegenteil der Fall.

Allerdings ist Benjamin Francis Leftwich aus York (eine Stadt, die ich dank der Green Line-Lehrbücher seit meiner Schulzeit sehr schätze) mittlerweile  über den Status des hoffnungsvollen Talents schon weit hinaus. Bereits mit seiner ersten EP “A Million Miles Out” legte der Brite die Messlatte ordentlich hoch und auch “Pictures”, der jüngst erschienene Nachfolger, ist mehr als gut gelungen.

Abgesehen vom herausragenden Titetrack sind die vier neuen Songs beinahe noch ein wenig ruhiger und gelassener als die Stücke von “A Million Miles Out” und bestechen mit sanftem Fingerpicking, sachte eingesetzten Streichern (“Sophie”) und dezent in den Hintergrund gemischtem Gesang.

Kurzum: Eine sehr schöne EP – und zwar nicht nur für das derzeit herrschende Schmuddelwetter!

Benjamin Francis Leftwich – “Pictures”

Review // A Forest

A Forest – “A Square” (EP)

“Konsequente Weiterentwicklung” – noch so ein überstrapazierter Begriff, der einem schon so oft um die Ohren gehauen wurde, dass er fast komplett seine Bedeutung verloren hat. Im Falle von “A Square” trifft er allerdings zu – immerhin baut die EP auf dem Fundament auf, das A Forest im vergangenen Jahr mit ihrem hervorragenden Album “leaves leaves fall fall rain fall” gelegt haben. Ähnlich wie damals bedient sich das Trio auch für seine neuen Songs wieder an diversen Stilen und präsentiert eine zurückgelehnte, aber niemals nachlässige Mischung aus Electronica, Jazz und Pop. In seiner Gesamtheit ist “A Square” beinahe noch eindringlicher als die Vorgänger-LP: Die Stimmen von Franziska Benkert und Fabian Schütze harmonieren perfekt, während die Drumparts von Florian Wieczny noch pointierter als zuletzt gesetzt sind.

A Forest – “A Listener”

“A Square” erscheint am 25. März 2011 bei Analogsoul. Bis zum 5. März besteht außerdem die Möglichkeit, die Band bei VisionBakery mit einer Spende zu unterstützen und die EP in einer exklusiven, handsignierten Version noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin zu bekommen.

EP // Heart-Sick Groans

Auch wenn es angesichts grauer Tristesse momentan kaum vorstellbar ist, wird es doch irgendwann wieder einen Sommer geben. Eventuell sogar in diesem Jahr. Spätestens dann schlägt die große Stunde des unbeschwerten, hin und wieder ein wenig an Vampire Weekend erinnernden Indie-Pop auf “Look!!! Those Three Painters of Hits Have Done It Again!”. Verantwortlich für diese sensationell betitelte, sechs Songs starke EP zeichnet das schwedische Trio  Heart-Sick Groans, dessen Frontmann Johan Brännström in diesem Blog bereits mehrmals für seine folkigen Solowerke lobend erwähnt wurde.

Höhepunkt und unbedingter Anspieltipp der EP, die bei Bandcamp zu einem frei wählbaren Preis heruntergeladen werden kann, ist “Man on the Rocks” – dank des wundervollen Gesangs von Elsa Sjögren ist der Song schon jetzt ein erster kleiner Sommerhit.

xrFarflight: Producing Dust EP

Hamburglastiges Wochenende bei You Sound Great: Gestern der Hinweis auf die Tour von Tusq, heute die jüngst erschienene neue EP von xrFarflight, die ebenso wie Tusq aus Hamburg stammen und darüberhinaus ein ähnliches – wenn auch psychedelischeres – musikalisches Feld beackern. Auch hier darf wieder Motorpsycho als Referenz herangezogen werden – laut Expertin Jana ein nicht zu hoch gegriffener Vergleich:

“Bands, die Ihre Musik mit den Helden von Motorpsycho vergleichen, haben bei mir ja einen ziemlich schweren Stand, da bislang noch niemand diesem Vergleich standhalten konnte. xrfarflight überzeugen mich da allerdings – die Harmonien, der Gesang, das zum Teil vertrackte Schlagzeug erinnern stellenweise deutlich an die Trondheimer, wenngleich xrfarflight dabei nie aus den Augen verlieren, ihr eigenes Ding zu machen. Mit einem Wort: Top!”

“Producing Dust” ist als freier Download bei Bandcamp erhältlich und ein kleiner Vorbote auf das zweite Album der 2003 gegründeten Band um Karsten Genz und Daniel Gädicke (live kommt noch Nadja Rüdebusch dazu):

“Under the Spell of the Cyclop´s View”, der Nachfolger des 2008 veröffentlichten Debüts “The Early Bird Catches the Worm, so the Clever Worms Get Up Late…” (!!) erscheint dann im März in Kooperation mit Hafenschlammrekords. Eine Tour folgt ebenfalls im Frühjahr…

Termine:
05.03. Kassel, Haus (+ Binoculers)
06.03. Göttingen, Pools (+ Binoculers)
08.03. Magdeburg, Riff (+ Binoculers)
09.03. Leipzig, detektor.fm Radiokonzert (+ Binoculers)
10.03. (CH) Chur, Werkstatt (+ Yakari)
11.03. (CH) Künten, Atelier (+ Yakari)
14.03. (CH) Zürich, Boschbar (+ Yakari)
16.03. Trier, Café Lübke Sounds (+ Binoculers)
17.03. Düsseldorf, Brause (+ Binoculers)
18.03. Aachen, Raststätte (+ Binoculers)
19.03. Freudenberg, Festival
20.03. Hamburg, AstraStube (+ Binoculers)