Vielleicht hat es ja auch sein Gutes, dass sich der Frühling momentan überhaupt nicht zeigen will. Immerhin passen das ewige Grau des ständig wolkenverhangenen Himmels und die seltsame Mischung aus Schnee und Regen ganz gut zu “Blindspot”, dem neuen Album von Dan Michaelson und seiner Band The Coastguards – besser jedenfalls als strahlender Sonnenschein und blühende Wiesen. Der Engländer, früher Kopf der hervorragenden Formation Absentee, gibt nämlich auch auf seinem mittlerweile vierten Solowerk wieder den Schmerzensmann, der am allerliebsten bittere Liebesgeschichten erzählt. Nur acht Stücke finden sich auf dem Album, aber angesichts der zeitlupenhaften Arrangements mit Streichern, Bläsern, Piano und Lap Steel – ein Relikt aus der Zeit in Texas, wo Dan Michaelsons letzte Platte “Sudden Fiction” entstand, die ihm Vergleiche mit dem großen Bill Callahan einbrachte – reicht das aus, um sich in einer Welt voller Melancholie und gebrochener Herzen zu verlieren, die trotz allem auch ihre freundlichen und liebenswerten Ecken hat.
“How many times have I kissed you and said ‘honey, you leave me in ruins’”, klagt Dan Michaelson in einem der Songs und spätestens da hofft man, dass es nicht auch in Wirklichkeit so trist bestellt ist um das Seelenleben des 36jährigen. Aber egal, ob das alles nur Fiktion ist oder Realität: Ein besseres Mumblecore-Album als “Blindspot” wird uns in diesem Jahr wohl nicht mehr unterkommen.
The Green Apple Sea veröffentlichen am 5. April (leider nur in digitaler Form) eine neue Single. “One of a Million” dürfte einigen von Euch bereits bekannt vorkommen, wurde der Song doch im vergangenen Jahr für den Trailer des gleichnamigen Festivals in der Schweiz verwendet. Das ebenso gut gelungene “Please Slow Down” ist allerdings brandneu und ein mehr als vielversprechender Vorgeschmack auf das vierte Album der Nürnberger (bzw. Fürther), das voraussichtlich 2014 erscheint.
Rund um den Veröffentlichungstermin der Single spielt die Band außerdem ein paar Konzerte – unter anderem in London und Paris, aber auch in heimischen Gefilden.
Vor mittlerweile fünf Jahren erregte Adam Arcuragi, Songwriter aus Philadelphia und Erfinder des “death gospel”, mit seiner EP “Soldiers For Feet” erstmals die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums. Seither hat sich viel getan und Adam Arcuragi ist – nicht zuletzt dank seiner mitreißenden Konzerte – längst in die erste Liga der Americana-Troubadoure aufgestiegen, aber die fünf Songs auf “Soldiers For Feet” haben noch immer nichts von ihrem urwüchsigen Reiz verloren.
Anlässlich des Jubiläums darf diese frühe EP bei Noisetrade nun kostenlos heruntergeladen werden. Unbedingt zugreifen, bitte!
Josh Ritter, Songwriter aus Idaho und zeitweise in Irland zu Hause, gehört seit jeher zu den Favoriten von you sound great – vor allem wegen seines 2006 erschienenen Albums “The Animal Years”. Umso erfreulicher kommt da natürlich die Nachricht, dass der Amerikaner im März mit “The Beast In Its Tracks” eine neue LP veröffentlicht.
Nicht ganz so erfreulich sind allerdings die Umstände, unter denen die neuen Songs zustande gekommen sind:
I wrote and recorded this record in the 18 months after my marriage had fallen apart. All heartbreak is awful – my broken heart wasn’t unique. But writing these songs was helping me get through the night and I didn’t have the strength to care or question.
Trotzdem scheint “The Beast In Its Tracks” kein allzu trauriges Album zu werden – zumindest das bereits jetzt zu hörende “Joy To You Baby” schlägt nämlich durchaus versöhnliche Töne an:
Matthew Houck alias Phosphorescent ist spätestens seit seinem feinen, 2010 erschienenen Album “Here´s To Taking It Easy” auch hierzulande kein Unbekannter mehr. Mitte März veröffentlicht der Musiker aus Brooklyn mit “Muchacho” (Dead Oceans) eine neue Platte, die sich offenbar ein wenig vom Seventies-Sound des Vorgängers zu entfernen scheint. Zumindest legt die Vorab-Single “Song For Zula” mit ihrer lässigen Grundhaltung und den wunderbaren Streichern diese Vermutung nahe:
///
Ebenfalls gegen Ende des Winters (also Ende Februar / Anfang März) veröffentlichen die Americana-Rocker Mount Moriah aus North Carolina auf ihrer neuen Labelheimat Merge Records ihren zweiten Langspieler “Miracle Temple”. Das recht countrylastige “Younger Days” gibts vorab als Mp3 zum kostenlosen Download – hört sich ziemlich vielversprechend an!
Ezra Furman – The Year Of No Returning Schoenwetter Schallplatten, 02.11.2012 Für Freunde von: Jonathan Richman, Tom Petty, Ezra Furman & The Harpoons
Ezra Furman kennen einige von Euch sicher als Frontmann von Ezra Furman & The Harpoons, die vor einer Weile mit “Take Off Your Sunglasses” einen veritablen Semi-Hit landeten. Mittlerweile ist der Songschreiber aus Chicago vorwiegend alleine unterwegs und mit “The Year Of No Returning” erscheint sein erstes Solo-Album, das er demnächst als Support von Nada Surf live präsentieren wird, nun auch bei uns.
1) Dr. Jekyll & Mr. Hyde Jn: Klingt, als wäre er den Siebzigern entsprungen. Ch: Allerdings mag ich die Instrumentierung mit Cello und so sehr gerne.
2) American Soil Ch: Der Song hat – wie der erste auch – einen leichten Mystery-Touch. Besser kann ich das nicht beschreiben. Jn: Er sitzt schon irgendwo in der Wüste und erzählt da seine Western-Geschichten, oder? Aber gut, das Lied heißt ja auch “American Soil”. Ch: Mystery-Western-Rock!
3) Lay In The Sun Jn (schaut skeptisch): Kevin Devine war damals in Aschaffenburg als Vorband von Nada Surf super. Fällt Dir mehr ein zu dem Lied? Ch: Hmmm, ist halt so eine recht nette Ballade. Aber auch nichts besonderes.
4) Sinking Slow Jn: Beginnt so, wie der Titel erwarten lässt. Ch: Gehauchter Gesang zum Piano – das gefällt mir nicht so. Ich befürchte, dass das bis zum Ende so weitergeht. (Pause) Vielleicht setzen aber doch auch noch weitere Instrumente und ein Chor ein.
5) That´s When It Hit Me Jn: Ich stelle mir bei dem Song Frauen in Petticoats vor, die von Männern durch die Luft gewirbelt werden. Ch: In einem Milchshake-Laden in den späten Fünfzigern. Bisher mein Lieblingslied des Albums. Jn: Meines auch. Popowackeln ist immer gut.
6) Down Jn: Insgesamt ist die Platte schon recht abwechslungsreich – teilweise sogar innerhalb der einzelnen Songs. Ch: Wobei mir die ruhigeren Stellen nicht ganz so gut gefallen.
7) Cruel Cruel World Ch: Das ist fast ein klassisches Tom Petty-Lied. Jn: Bestimmt mag mein Vater das – das ist auch schön radiotauglich. Ch: Stimmt schon, das ist sehr eingängig. Jetzt kommt dafür aber bestimmt gleich wieder eine eher langweilige Ballade…
8) Are You Gonna Break My Heart? Jn: Die besten Lieder sind ja immer die, in denen jemand leidet. Das wird ja in “Vincent” ausführlich erklärt. Ch: In seinem Verlauf hat sich das Album insgesamt schon deutlich gesteigert. Jn: Es wird. Wahrscheinlich wird es auch nach mehreren Hördurchgängen noch besser.
9) Bad Man Ch: Der Gesang erinnert mich jetzt schon ein wenig an Krusty, den Clown. Da überschlägt sich die Stimme auch immer so, wenn er sich ans Piano setzt und singt. Aber abgesehen davon ist der Song nicht übel. Jn nickt
10) The Queen Of Hearts Ch: Endlich auch noch ein Saxophon! Jn: Unser Lieblingsinstrument. Ch: Hier quäkt es aber wenigstens nicht allzu sehr herum… Jn: …wobei es in dem an sich schönen Lied schon recht überflüssig ist.
Fazit Ch: Insgesamt ist das jetzt nicht unbedingt meine Lieblingsmusik, aber sonst kann man sich das Album schon recht gut anhören.- 6 Punkte Jn: Für mich hat das Album eben Höhen und Tiefen. Die besseren Songs höre ich mir gerne noch öfter an, auf die anderen kann ich allerdings gut verzichten.- 5 Punkte
Tourdaten (Support von Nada Surf):
05.11.12 (AT) Feldkirch – Saumarkt Theater (nur Ezra Furman)
06.11.12 (AT) Innsbruck – Weekender
07.11.12 (AT) Wien – Flex
08.11.12 (AT) Graz – Postgarage
09.11.12 (AT) Linz – Ann & Pat (nur Ezra Furman)
10.11.12 Heidelberg – Karlstorbahnhof
11.11.12 Friedrichshafen – Bahnhof Fischbach 12.11.12 Nürnberg – Hirsch
13.11.12 Osnabrück – Rosenhof
14.11.12 Berlin – C-Club
15.11.12 Braunschweig – Meier Music Hall
16.11.12 Freiburg – Jazzhaus
17.11.12 Bochum – Zeche
“Mr. N”? Aber das aktuelle Lambchop-Album heißt doch “Mr. M”! Das stimmt natürlich, aber hier soll es heute um “Mr. N” gehen, eine dieser Tage ausschließlich in digitaler Form erschienene, 22 Minuten und vier Songs dauernde EP, die der Produzent Mark Nevers aus den Stücken von “Mr. M” zusammengeschnipselt hat. Das Ergebnis klingt – wen wunderts – recht abstrakt, steht aber an Qualität diversen Vertretern der Neoklassik wie Valgeir Sigurðsson in nichts nach.
Wer doch lieber aufs klassische Lambchop-Erlebnis setzt, kann die Band aus Nashville demnächst noch ein paar Mal live bewundern.
Bring The Mourning On – Ukiah Stargazer Records, 26.10.2012 Für Freunde von: Christian Kjellvander, Golden Kanine, Kristofer Aström
Ein minimalistisch gehaltenes Klappcover, sepiafarbene Fotos von einem Herbstwald, eine gezeichnete Feder und eine CD im Baumstamm-Look: Allein aus optischen Gesichtspunkten macht “Ukiah”, das zweite Album der Schweden Bring The Mourning On, einen sehr ansprechenden Eindruck. Doch nicht nur die visuellen Reize sind geschickt gewählt, sondern auch das Musikalische. Hier dominieren nämlich ebenfalls Minimalismus (schon zu erahnen an den Songtiteln, von denen nur zwei aus mehr als einem Wort bestehen) und Geschmackssicherheit. Bring The Mourning On reihen sich damit nahtlos ein in die immer größer werdende Riege melancholiegetränkter Americana-Bands aus Skandinavien und erschaffen mit relativ einfachen Mitteln einen sanft fließenden Strom (besonders großartig ausgefallen sind die beiden Stücke “Oh” und “Times Are Passing By”) aus schwermütiger Schönheit. Kurzum: Ein feines Kopfhörer-Album für den grauen Herbst und Winter!- 7 Punkte
Zwei Mal binnen knapp zwölf Monaten haben die Schweden Holmes Konzerte im MUZclub kurzfristig abgesagt – letztes Jahr kam ein Unwetter dazwischen, diesen Mai wurde der Auftritt – wie auch ein paar andere – aus persönlichen Gründen gestrichen. Kein Grund, der Band deswegen böse zu sein, denn gegen höhere Gewalt gibt es leider noch kein wirksames Mittel und manchmal gibt es eben Dinge, die wichtiger sind als Musik. Dass Nürnberg bei den Planungen für die aktuelle Tour allerdings außen vor gelassen wurde, finde ich aber trotzdem ein wenig schade, zumal sich die Band ja doch vornehmlich in südlicheren Gefilden aufhält und ein Besuch aus rein logistischer Sicht bestimmt durchaus möglich gewesen wäre.
Eine kleine Entschädigung ist immerhin die aktuelle Single “I Will Never Be Free”, die zusammen mit der B-Seite “Please” zu einem frei wählbaren Preis heruntergeladen werden kann:
Schon ab Ende dieser Woche ist Dan Willson alias Withered Hand unterwegs. Am 19. Oktober veröffentlicht der schottische Songwriter mit Verbindungen nach Island seine neue EP “Inbetweens”, von der an dieser Stelle in ein paar Tagen noch ausführlicher die Rede sein wird.
Tourdaten:
12.10.12 Berlin – Live In The Living
13.10.12 Singwitz – Kesselhaus
14.10.12 Leipzig – Lu99
15.10.12 Reutlingen – better2gether
16.10.12 (CH) Zürich – Cafe Henrici
17.10.12 (CH) Düdingen – Bad Bonn
18.10.12 (CH) Basel – Sääli
“A Warmer Climate” – von wechselhaften Sommern Geplagte wünschen sich das, Klimaforscher warnen davor, Brown and Blue aus Los Angeles nennen ihre aktuelle EP so. Das Quintett um Songschreiber Danny Nogueira vermischt darauf in kurzweiligen zwölf Minuten Americana im Stile eines Ryan Adams aus der “Gold”-Ära mit rumpelig-melodieseligem College-Rock. Das Rad lässt sich damit freilich nicht neu erfinden, aber ein feiner Begleiter für die letzten Sommertage dieses Jahres ist “A Warmer Climate” allemal.
Unten könnt Ihr Euch die vier Songs in voller Länge anhören, bei Bandcamp gibt es die EP außerdem für kleines Geld als digitalen Download.