Cold Mailman: My Recurring Dream

Cold Mailman

Die heimische Anlage wird heute zwar weitgehend von “Brennisteinn”, der sehr düster und verstörend ausgefallenen neuen Sigur Rós-Single, in Anspruch genommen, aber zur Auflockerung zwischendurch darf es dann doch auch einmal das ebenfalls recht epische “My Recurring Dream” von Cold Mailman aus Norwegen sein. Das wunderbare Video dazu stammt von André Chocron, der vor einer Weile mit “Time is of the Essence” bereits einen anderen Song der Band meisterhaft in Szene gesetzt hatte, das dazugehörige neue Album “Heavy Hearts” erscheint bei uns im Laufe der kommenden Monate.

Reingehört (2)

Talking Pets: “Asteroids”

Talking Pets

Verfrühte Weihnachtsgeschenke verteilen momentan viele Bands. “Asteroids”, die auf der Bandhomepage zum kostenlosen Download bereitstehende aktuelle EP der Talking Pets aus München, hat mit Weihnachten an und für sich aber gar nicht viel zu tun und wird deshalb (wie eigentlich alle guten Geschenke) auch lange nach den Festtagen noch interessant sein. Wir haben mal reingehört:

Asteroids
Jn: Klingt ein wenig nach den Get Up Kids, oder? Nur ohne das Düdelüü-Keyboard. Dafür mit leichten Stadionrock-Ansätzen.
Ch: Da kann ich dir nur zustimmen. Mir gefällts – der Song hat echte Hit-Qualitäten.

Circles
Ch: Ich finde, das hört sich alles sehr US-amerikanisch an. (lacht)
Jn: Stimmt. Moderner College-Rock eben – vor zehn Jahren wären die damit sicher durch die Decke gegangen.

The Sea
Ch: Der Song könnte jetzt glatt von Death Cab For Cutie sein – der Gesang und der ganze Aufbau erinnern mich schon sehr an die Herren aus Seattle.

Fazit
Ch: Schade eigentlich nur, dass die EP so schnell vorbei ist. Sonst habe ich da allerdings gar nichts auszusetzen, weil das genau meinem Geschmack entspricht.
Jn: Ich hätte da jetzt auch noch eine Weile länger zuhören können!
Ch: Mir gefällt vor allem, dass nicht versucht wird, krampfhaft einem kurzfristigen Hype hinterherzurennen – mit Dreiecken und Kreuzen im Bandnamen, einem verschwommenen Coverfoto in Pastellfarben und all so einem Quatsch. Das ist halt klassischer Indie-Pop, der vor zehn Jahren schon gut gewesen wäre und auch in zehn Jahren noch hörenswert sein wird.

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Termine:
05.01.13 München – Muffathalle (Release Party)
12.01.13 Murnau – Westtorhalle

Kritik: Benjamin Gibbard

Benjamin Gibbard – Former Lives (City Slang, 19.10.2012)

Frontmänner heißgeliebter Bands auf Solopfaden, Teil 2: Nachdem wir uns letzte Woche “Dept. of Disappearance”, das neue Album von Grandaddy-Sänger Jason Lytle, vorgenommen haben, widmen wir uns nun “Former Lives”, dem Solo-Debüt von Benjamin Gibbard, Mastermind von The Postal Service und Death Cab For Cutie. Dass die meisten Stücke auf der Platte schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben und erst jetzt entstaubt und aufgenommen wurden, merkt man zum Glück zu keinem Moment. Im Gegenteil: Wir waren ziemlich begeistert vom Album und fühlten uns beim Hören natürlich an Death Cab For Cutie, aber auch an zahllose andere feine Bands erinnert.

1) Shepherd´s Bush Lullaby
Jn: Schön, ein Album mit einem Schlaflied zu beginnen.
Ch: Normalerweise hören Platten damit auf.

2) Dream Song
Jn: Nach dem Auftakt ist es allerdings konsequent, dass es nun mit dem “Dream Song” weitergeht.
Ch: Gefällt mir recht gut, wobei es jetzt nicht ganz spektakulär ist…
Jn: …wobei ich das auch mal angenehm finde, wenn jemand nicht meint, immer etwas ganz besonderes machen zu müssen.

3) Teardrop Windows


Ch: Woran erinnert mich denn der Anfang? Ich komme nicht drauf…
Jn: Man kann da aber wirklich sofort mitsummen. Hat ein wenig was von den Weakerthans – John K. Samson könnte das auch singen.

4) Bigger Than Love
Jn: Der Song würde mir wohl besser gefallen, wenn er etwas lauter wäre. Also mit ein wenig mehr Wumms. Trotzdem gut.
Ch: Kennst du noch die Pretenders? Daran erinnert mich das ein wenig.

5) Lily
Ch: Das ist aber schön…
Jn: …und unaufgeregt. Wie der Rest der Platte.
Ch: Könnte ich mir gut in einem Film vorstellen, in dem Josh Radnor eine tragende Rolle spielt.
Jn: Kommt der Song dann in einer eher traurigen Szene vor?
Ch: Vielleicht. Auf jeden Fall ist Josh Radnor in seiner Rolle ein Literatur-Dozent an einem College, das ausschließlich aus Backsteinhäusern mit Efeubewuchs besteht.

6) Something´s Rattling (Cowpoke)


Ch: Was ist denn das da für ein Instrument? Eine Geige! So eine Mariachi-Geige, oder?
Jn: Gibts sowas?!
Ch: Bestimmt.
Jn: Das Lied hat ein wenig was von Beirut.

7) Duncan, Where Have You Gone?
Jn: Und nun ist ein Beatles-Vergleich angebracht.
Ch: Auf jeden Fall sehr abwechslungsreich bisher, das Album. Wobei mir der Song nun nicht so gut gefällt.
Jn: Etwas öde ist er.

8) Oh, Woe
Ch: Das mag ich jetzt wieder lieber. Sehr zeitlos irgendwie.
Jn: Sogar mit elektrischer Gitarre diesmal. Hui!

9) A Hard One To Know
Ch: …und nun gehts in dieser Art weiter. Finde ich gut, dass da alles so melodieselig ist.
Jn: Langsam brauchen wir echt mal ein Phrasenschwein. Wobei ich da nicht so viel reinwerfen müsste.

10) Lady Adelaide
Ch: “Lady Adelaide shows no emotion.” Sowas!
(Lady) Jn lacht

11) Broken Yolk In Western Sky
Jn: Jetzt werden die Country-Gitarren ausgepackt…
Ch: …was gleich an die Decemberists denken lässt. Zumindest an deren letztes Album.

12) I´m Building A Fire
Ch: Zum Abschluss was Akustisches. Hätte auch ein Schlaflied sein können.

Fazit
Ch: Sehr schönes Album! Ich bin prinzipiell eh ein großer Freund solcher Musik und wenn das dann auch noch so gut umgesetzt ist wie hier bei Benjamin Gibbard, kann ich das nur begrüßen und wärmstens weiterempfehlen.
Jn: Vor dem Hören empfiehlt es sich außerdem, sich fix einen Tee zu machen. Das steigert den Genuss – vor allem bei Regenwetter – noch weiter.

Beim Rolling Stone könnt Ihr Euch “Former Lives” (zumindest momentan noch) in voller Länge anhören, an folgenden Terminen ist Benjamin Gibbard außerdem live in Deutschland zu sehen:

29.11.12 Hamburg – Kulturkirche
30.11.12 Berlin – Passionskirche
01.12.12 München – on3 Festival

EP // Heart-Sick Groans

Auch wenn es angesichts grauer Tristesse momentan kaum vorstellbar ist, wird es doch irgendwann wieder einen Sommer geben. Eventuell sogar in diesem Jahr. Spätestens dann schlägt die große Stunde des unbeschwerten, hin und wieder ein wenig an Vampire Weekend erinnernden Indie-Pop auf “Look!!! Those Three Painters of Hits Have Done It Again!”. Verantwortlich für diese sensationell betitelte, sechs Songs starke EP zeichnet das schwedische Trio  Heart-Sick Groans, dessen Frontmann Johan Brännström in diesem Blog bereits mehrmals für seine folkigen Solowerke lobend erwähnt wurde.

Höhepunkt und unbedingter Anspieltipp der EP, die bei Bandcamp zu einem frei wählbaren Preis heruntergeladen werden kann, ist “Man on the Rocks” – dank des wundervollen Gesangs von Elsa Sjögren ist der Song schon jetzt ein erster kleiner Sommerhit.

Bored Man Overboard ab heute auf Tour

Schon im November 2009 beeindruckten mich Bored Man Overboard bei ihrem Gastspiel in Nürnberg als Support von Royal Bangs nachhaltig und auch das Debütalbum “Rogue” (mehr dazu bei Rote Raupe), das am Freitag bei Hazelwood Vinyl Plastics erscheint, hält den hohen Erwartungen, die ich seitdem an die sieben jungen Schweden habe, locker Stand.

Wer nur ansatzweise etwas mit Bands wie The National, den Tindersticks, Arcade Fire oder I Like Trains anfangen kann und darüberhinaus ein Freund von (ganz viel) Melancholie und (ein wenig) Pathos ist, sollte sich die anstehenden Konzerte von Bored Man Overboard, die diesmal als Headliner unterwegs sind, keinesfalls entgehen lassen…

18.01.11 Hannover – Café Glocksee
20.01.11 Hamburg – Astra Stube
21.01.11 Frankfurt – Yellowstage
22.01.11 Kassel – Karoshi
25.01.11 Erfurt – Stadtgarden
26.01.11 Nürnberg – MUZ-Club (mit King Automatic)
27.01.11 Halle – Objekt 5
28.01.11 Dresden – Ostpol
29.01.11 Magdeburg – Projekt 7

Neues | Ramesh Srivastava – “EP1″

Manchmal trügt mich mein Gefühl offenbar doch. Spätestens nach dem großartigen, selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2007 hätte ich ohne zu zögern eine größere Menge Geld darauf gesetzt, dass Voxtrot eine ähnlich steile Karriere hinlegen wie Death Cab For Cutie. Allerdings kam es ganz anders: Nach der Veröffentlichung des Albums wurde es recht schnell sehr ruhig um die Texaner, die im vergangenen April ihre endgültige Auflösung bekanntgaben.

Frontmann Ramesh Srivastava meldet sich nun aber mit ein paar neuen Songs zurück. “EP1″ kann auf seiner Homepage in voller Länge angehört werden und macht einen äußerst vielversprechenden Eindruck. “The King” ist melancholischer Indie-Pop (und damit stilistisch am nächsten an Voxtrot), “Romeo (Void)” kommt wesentlich elektronischer daher und das Instrumental “Recording Heathen Earth” gefällt mit getragenen Cello- und Klavierklängen.

Ob es demnächst auch ein komplettes Album von Ramesh Srivastava geben wird, steht momentan noch in den Sternen – mit Prognosen rund um Voxtrot bin ich ohnehin etwas vorsichtiger geworden.

(via)

Song des Tages | Peer – “Berühmter Roter Mantel”

Foto: Jessica Lennan

Vorsätze fürs Neue Jahr sind Schall und Rauch, zumal sie ja meist eh in einer überhasteten, von Torschlusspanik geprägten Aufbruchsstimmung gefasst werden und daher kaum ernst zu nehmen sind. Spätestens im Februar werden sie dann endgültig über Bord geworfen und versinken in der aufgewühlten See, die wir Alltag nennen (bah, ist das eine eklige Metapher).

Trotzdem – mein Vorsatz für 2011 lautet: “Weniger Zeit im Internet und dafür mehr Zeit im echten Leben verbringen.”

Bevor es nun also wieder rausgeht in die analoge Welt, in der echte Menschen aus Fleisch und Blut, auf Papier gedruckte Bücher und physische Tonträger warten, noch schnell der Hinweis auf das Neujahrgeschenk der exzellenten Band Peer, die den bisher unveröffentlichten Song “Berühmter Roter Mantel” zum kostenlosen Download zur Verfügung stellt…

Mp3: Peer – “Berühmter Roter Mantel”