Sleepwalker’s Station: As the Tides are Turning Again

Sleepwalker´s Station Während “Stadion-Rock” ein zwar nicht besonders positiv besetzter, aber durchaus gebräuchlicher Begriff ist, fristen  “Marktplatz-Pop” und “Balkon-Folk” eher ein Schattendasein. Dabei beschreiben die beiden letzten Bezeichnungen doch ziemlich treffend das, was uns auf “As the Tides are Turning Again”, dem neuen Album des polyglotten Bandprojekts Sleepwalker’s Station erwartet. Songschreiber Daniel del Valle und seine ständig wechselnden, aus diversen Ländern stammenden Begleiterinnen und Begleiter zeichnen sich nämlich durch eine sehr lässige und entspannte Herangehensweise aus. Die enorme Zurückgelehntheit der Band geht allerdings nie zu Lasten der musikalischen Qualität: Die Songs der Platte sind stets reichhaltig instrumentiert und spannen einen weiten Bogen von amerikanischen Einflüssen über leicht irisch angehauchte Klänge bis hin zu einem kleinen Sitar-Ausflug auf den indischen Subkontinent. Trotz dieses erfreulichen Abwechslungsreichtums schleichen sich dennoch immer wieder einmal ein paar Längen ein – allerdings ist das ein Umstand, über den durchaus hinweggesehen werden darf. Für Sommerabende auf dem Balkon* ist “As the Tides are Turning Again” nämlich allemal eine gute Wahl.- 6,5/10

* oder live in kleinen Lokalitäten:
29.03.13 Mainz – Capitol
31.03.13 Köln – Blue Shell
06.04.13 München – Südstadt
09.04.13 München – Trachtenvogl

  • “As the Tides are turning Again” von Sleepwalker’s Station erscheint am 29. März bei Timezone Records.

Auf Tour (2)

bergen; neues Album “Bärenmann” am 18.1.

Bergen

Mit die wundersamste Band im Kumpels & Friends-Universum ist wohl zweifelsohne die vielköpfige Formation bergen, die dieser Tage mit “Bärenmann” den lange erwarteten, von Ekimas (Erdmöbel) produzierten Nachfolger ihres sehr gelungenen Debütalbums “Gegenteil von Stadt” (2009) veröffentlicht. Darauf zu hören sind einmal mehr lässige Songs zwischen Pop und Folk, fein arrangiert und gespickt mit ebenso eigenwilligen wie poetischen Texten. Als kleinen Vorgeschmack aufs große Ganze gibt es schon jetzt die erste Single “Bärenmann 1″ als Video und Mp3 zum kostenlosen Download, ab kommender Woche sind bergen dann außerdem auf Tour.

Termine:
16.01.13 Dresden – Schauburg
17.01.13 Berlin – NBI Bar
18.01.13 Magdeburg – Moritzhof
19.01.13 Leipzig – Kaffee Schwarz
12.02.13 Hamburg – Astra Stube
13.02.13 Hildesheim – Kulturfabrik Löseke
14.02.13 Kassel – H***

Reingehört (3)

Villagers: “{Awayland}”

VillagersDiese Wunderkinder immer! Der Ire Conor J. O´Brien, Frontmann von Villagers, teilt sich mit Conor Oberst nicht nur den Vornamen, sondern wurde für sein Debüt “Becoming A Jackal” mindestens genauso hoch gelobt wie sein Kollege aus Omaha, der ihm auch optisch erstaunlich ähnlich sieht. Nun erscheint mit “{Awayland}” am 11. Januar bei Domino das zweite Villagers-Album, das wir uns schon einmal zu Gemüte geführt haben.

My Lighthouse
Ch: Gefällts dir denn?
Jn: Eigentlich schon, aber es ist sehr ruhig. Offenbar ist es momentan schwer im Trend, ein Album so zu beginnen.
Ch: Für mich hat der Song fast etwas Weihnachtliches, aber womöglich liegt das daran, dass ich scheinbar noch in Festtagsstimmung bin.

Earthly Pleasure
Ch: Gehört das so oder ist die CD kaputt? Ich höre nämlich manches doppelt – wahrscheinlich ist das nur einfach experimentell. Den Refrain finde ich sehr toll, aber ansonsten ist das Lied etwas seltsam.
Jn: An sich ist das super, aber da passiert viel zu viel auf einmal. Der Refrain ist tatsächlich sehr großartig, wobei der Schlagzeuger ein wenig hektisch ist.

The Waves
Jn: Mir fehlt bisher ein wenig die Balance zwischen zu viel und zu wenig. Der Song ist schon arg reduziert.
Ch: Ich warte jeden Moment darauf, dass es wirklich ganz großartig wird, aber dann wird meistens doch nichts draus. Das finde ich etwas schade.
Jn: Mir gehts da ganz genauso! Am Ende wird hier noch die Prog-Rock-Keule rausgeholt.

Judgement Call
Ch: Ich hatte eigentlich gehofft, dass die 80er-Jahre-Synthesizer endlich mal aussterben. Vielleicht ja dann 2014.
Jn: Wenn ich das irgendwo hören würde, würde es mich nicht stören, aber selbst aussuchen würde ich mir sowas sicher auch nicht.

Nothing Arrived
Jn: Der Song klingt ja mal richtig normal und unspektakulär.
Ch: Gefällt mir – wobei das jetzt nichts ganz Besonderes ist.

The Bell
Ch: Das ist jetzt so Spaghettiwestern-Musik…
Jn: …kombiniert mit Easy Listening. Könnte unser neuer Lieblingssound werden. Nicht.

{Awayland}
Ch: Geschweifte Klammern sind immer sehr hip.
Jn: Das “A” hätte man ja auch als △ schreiben können. Nice Fingerpicking übrigens!

Passing A Message
Ch: Ich höre bei ganz vielen Liedern Impro-Jazz heraus. Das bereitet mir Sorgen.
Jn: Nicht nur dir. Ich kann damit einfach nicht so viel anfangen. Obwohl der Bass stoisch seine Line fährt…

Grateful Song
Jn: Das hat jetzt was von Filmmusik – zumindest ganz am Anfang. Die Titanic läuft aus und die Passagiere winken den Leuten am Hafen zu.
Ch: Ich warte jeden Moment auf den großen Knall, der aber nicht kommen mag.
Jn: Das Ende fand ich allerdings ziemlich stark.

In A Newfound Land You Are Free
Ch: Das könnte glatt ein Songtitel von Get Well Soon sein. Perfekt für die Zugabe bei den Konzerten. Zuerst Conor O´Brien allein auf der Bühne…
Jn: …und dann kommen die anderen Bandmitglieder und hauen einen Brecher runter.

Rhythm Composer
Ch: Es gibt Balladen von Michael Jackson, die ganz ähnlich klingen.
Jn: Dieser Vergleich macht mich jetzt fertig, aber leider Gottes stimmt er.

Fazit
Ch: Ich hätte mir da ehrlich gesagt mehr erwartet. Wahrscheinlich landet die Platte in den Jahresbestenlisten 2013 oft weit vorne, aber mir gefällt sie – bis auf wenige Ausnahmen – leider nicht.
Jn: Da kann ich wieder mal nur zustimmen, wobei ich ja von Anfang an nichts großartig anderes erwartet hatte als das, was am Ende zu hören war.

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Live:
23.02.13 Köln – Gebäude 9
25.02.13 (CH) Zürich – Mascotte
26.02.13 München – Club Strom
27.02.13 Berlin – Festsaal Kreuzberg
04.03.13 Hamburg – Uebel & Gefährlich

Weihnachtliches (4)

Heute: “Sixteen Steps” von Team Me

Team Me

Gut, ein ausgesprochenes Weihnachtslied mag “Sixteen Steps” von Team Me zwar nicht unbedingt sein, aber immerhin ist das Cover von “Female Lead”, der aktuellen EP der jungen Norweger, ziemlich winterlich ausgefallen.

Deshalb: Zurücklehnen, den Schneeflocken vor dem Fenster zusehen und den Song, den es zum kostenlosen Download gibt, genießen.

Einen schönen 2. Advent Euch allen!

Zukunftsmusik (2)

Heute: Indians

Indians

Noch so einer, an dem man im nächsten Jahr wohl kaum vorbeikommen wird: Søren Løkke Juul ist zwar noch nicht allzu lange unter dem Namen Indians aktiv, teilte sich aber während dieser kurzen Zeit schon mit Größen wie Beirut, Bear In Heaven und Lower Dens die Bühne. Zuletzt begleitete der junge Herr aus Kopenhagen die wunderbaren Other Lives auf deren ausgedehnter Nordamerika-Tournee.

Klar, dass das Talent des Dänen unter solchen Umständen nicht lange verborgen bleiben würde: Das renommierte Label 4AD, Heimat unter anderem von Iron & Wine, Bon Iver und The National, nahm Søren Løkke Juul unter Vertrag und bringt Ende Januar das Debütalbum “Somewhere Else” heraus.

Das recht minimalistische, mit einem leichten Americana-Einschlag versehene “Cakelakers”, gibt es als Mp3 zum kostenlosen Download, außerdem könnt Ihr Euch unten eine vier Songs starke, oft eher in Dreampop-Gefilden wandelnde Live-Session für den Radiosender KEXP ansehen:

Songs: New, Bird, Magic Kids, I Am Haunted

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Termine:
06.02.13 Hamburg – Prinzenbar
08.02.13 Berlin – Privatclub

Verlosung: Caroline Keating

Was lange währt, wird endlich gut – eine alte, immer wieder gern hervorgezerrte Binsenweisheit, die bei Caroline Keating allerdings bestens zutrifft. Die 25 Jahre alte Kanadierin ist Eingeweihten natürlich längst ein Begriff, tourt sie doch bereits seit Jahren munter durch die halbe Welt (erfreulicherweise auch immer wieder gerne in Deutschland) und hinterlässt allerorten einen positiven Eindruck. Das einzige Manko: Außer ein paar Demos konnte man sich bislang von den schönen Konzertabenden nichts Bleibendes mit nach Hause nehmen. Ein Album wurde zwar immer wieder angekündigt, aber letzten Endes blieb es meist bei Worten, denen keine Taten folgten.

Vor ein paar Wochen hatte die in Kanada schon im April beendete, quälende Wartezeit allerdings endlich auch bei uns ein Ende und mit “Silver Heart” (Glitterhouse Records) erschien eine Platte, die die hohen Erwartungen nicht nur spielend erfüllt, sondern sogar noch übertrifft. Begleitet von Streichern, ein paar Bläsern und etwas Schlagwerk, klingen Caroline Keatings Songs nun deutlich kraft- und gehaltvoller als bei den eher intim gehaltenen, von Gesang und Piano dominierten Live-Auftritten. Klar, das was die Kanadierin da macht, weckt nicht nur von Zeit zu Zeit, sondern eigentlich ständig Erinnerungen an die große Regina Spektor, aber im direkten Vergleich zu deren aktueller LP “What we Saw from the Cheap Seats” ist “Silver Heart” das wesentlich gelungenere Stück Musik.

Tourdaten:
10.11.12 Potsdam – Reithalle A (Nachtboulevard)
22.11.12 Hamburg – Nachtasyl (Thalia Theater)
24.11.12 (AT) Graz – Autumn Leaves Festival (Orpheum)
25.11.12 Erlangen – E-Werk (Kellerbühne)
06.12.12 Offenbach – Hafen 2 (Kinosaal)
10.12.12 Münster – Pension Schmidt
12.12.12 Würzburg – Cairo
17.05.13 Beverungen – Orange Blossom Special

you sound great präsentiert das Konzert von Caroline Keating und dem britischen Songwriter-Duo Oh Othello am 25. November in der Kellerbühne des Erlanger E-Werks (Beginn: 20.30 Uhr) und verlost unter allen, die bis zum 18. November um 20 Uhr eine Mail mit dem Betreff “Silver Heart” und ihrem vollständigen Namen (wichtig für die Gästeliste – Daten werden nach Ende der Verlosung umgehend gelöscht) an yousoundgreat(at)googlemail(punkt)com schicken, 1×2 Tickets für diesen wunderbaren Abend. Viel Glück!  

Kritik: Dead Fingers

Dead Fingers – s/t
Affairs of the Heart, 26.10.2012
Für Freunde von: She & Him, Jenny and Johnny, Angus & Julia Stone

Obwohl Frau-Mann-Duos wahrlich keine Erfindung jüngeren Datums sind (man denke nur an Lee Hazlewood und Nancy Sinatra oder Sonny & Cher), scheint sich diese Art von Band in den letzten Jahren fast epidemieartig auszubreiten. Mit Dead Fingers gibt es nun endlich auch ein Boy-Girl-Duo aus dem erweiterten Saddle Creek-Umfeld – Kate Taylor ist die jüngere Schwester von Maria Taylor, ihr Ehemann Taylor Hollingsworth (dessen Stimme leicht gewöhnungsbedürftig ist und zuweilen an einen singenden Frosch denken lässt) ist vor allem als Mitglied von Conor Obersts Mystic Valley Band bekannt und zeichnete dort unter anderem für den heimlichen Hit “Air Mattress” verantwortlich.

Auf ihrem ersten gemeinsamen Album packen die beiden zwar nun nicht die ganz großen Überraschungen aus, liefern aber eine sehr stimmige Sammlung abwechslungsreicher Songs irgendwo zwischen Country, Blues, Pop und Rock´n`Roll ab. Dass sich die elf Stücke auf “Dead Fingers” ohne größere Aussetzer – vom leicht nervtötenden “Please Don´t Let Me Go” einmal abgesehen – in einem Rutsch durchhören lassen, darf dabei als größte Stärke der Platte gewertet werden, dass außer dem schwungvollen “Another Planet” allerdings kaum etwas längere Zeit im Gedächtnis haften bleibt, als größte Schwäche.- 5,5 Punkte

Kritik: Two Door Cinema Club

Two Door Cinema Club – “Beacon” (Kitsuné, 31.08.12)

Normalerweise beschäftigen wir uns hier ja meistens mit Bands, die auf kleinen Bühnen und in schummrigen Clubs zu Hause sind. Heute wagen wir allerdings einmal einen Ausflug in die Welt der großen Festivalbühnen, riesenhaften Hallen und Stadien: Die Nordiren Two Door Cinema Club, die von ihrem Debütalbum “Tourist History” mittlerweile über eine Million Exemplare (für heutige Verhältnisse eine schier unglaubliche Menge) verkauft haben, melden sich nämlich mit ihrem zweiten Langspieler “Beacon” zurück, auf dem sie gekonnt und komplett überraschungsfrei massenkompatiblen Indie-Rock mit leicht elektronischem Einschlag zelebrieren.

1) Next Year
Ch: Meinetwegen könnte der Refrain noch ein wenig mehr knallen, aber so ist das eigentlich nicht schlecht.
Jn: Passt schon.
Ch: Das Ende klingt ja fast ein wenig nach Queen.

2) Handshake
Jn: Viel anders als das erste Lied hört sich das nun auch nicht an. Nur etwas depressiver.
Ch: Außerdem kommt es fast ohne Gitarren aus – das erinnert mich verdächtig an Keane.
Jn: Da sind schon Gitarren, aber die sind total überflüssig.

3) Wake Up
Ch: Im direkten Vergleich mit “Wake Up” von Arcade Fire schmiert das hier ziemlich ab.
Jn (entsetzt): Du kannst doch die beiden Bands nicht miteinander vergleichen! Mich erinnert das eher an die schmissigen Momente von Foals – oder gleich an die Killers.
Ch: Ich habe bisher große Probleme, die einzelnen Songs auseinander zu halten.

4) Sun
Ch: Wenn die Gitarren nicht wären, wäre das ein 1a-Keane-Song!
Jn: Mir fröstelt…

5) Someday
Jn: Schon wieder wie Foals.
Ch: Mich packt das bisher alles überhaupt nicht.

6) Sleep Alone
Ch: Der Titel deutet auf eine Pianoballade hin.
Jn: Aber sowas von! Nicht.
Ch: Das ist der Hit der Platte – zumindest hab ich den vorher schon mal gehört.
Jn: Totaler 80er-Jahre-Pop irgendwie.

7) The World Is Watching
Jn: Wenn man aber mal bedenkt, wie jung die Band noch ist, klingt das schon alles sehr ausgereift. Wobei mir dieser Song jetzt überhaupt nicht gefällt.
Ch: Vor allem ist er recht langweilig. Immer, wenn das Tempo ein wenig angezogen wird, ist das Album ganz okay, aber die ruhigeren Passagen sind nicht so toll.

8) Settle
Ch: Radiotauglich ist sie ja, die Platte.
Jn: Wenn meine Mutter sowas im Radio hört, würde sie denken, dass das etwas für mich ist. Ist es aber nicht.
Ch: Allerdings gefallen mir hier die Bläser ganz gut. Beziehungsweise das Keyboard, das wie Bläser klingen soll.

9) Spring
Ch: Sowas meinte ich vorhin, als ich sage, die ruhigeren Momente wären nicht so toll. Aber bestimmt kommt da gleich auch noch ein mitreißender Refrain.
Jn: Sehr vorhersehbar. Das ist schon fast Stadionrock – damit werden die sicher großen Erfolg haben.
Ch: Stadion-Softrock.

10) Pyramid
Jn: Das hier gefällt mir ziemlich gut. Da steht mal nicht so Elektrokram im Vordergrund, sondern Gitarren. Wenn alle Songs so wären, wäre das ein tolles Album.
Ch: Mich erinnert das ein wenig an Maximo Park – also eine klare Steigerung gegenüber den Stücken, die mich an Keane erinnert haben.

11) Beacon
Ch: Zum Ende noch einmal etwas Experimentelles. Mag ich gar nicht.

Fazit
Ch: Ein paar sehr gute Songs, dazu viel Mittelmaß und eine ziemlich glattgebügelte Produktion. Auch in Zeiten, in denen eigentlich kaum jemand mehr Alben kauft, lassen sich davon sicher trotzdem jede Menge Exemplare an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen. Und die Konzerte sind eh alle ausverkauft.
Jn: Ich finde, das eignet sich auch bestens als Untermalung für die Werbeunterbrechungen bei Viva…
Ch: …was ja nicht unbedingt ein Lob ist.

Tourdaten:
19.11.12 Köln – E-Werk
20.11.12 München – Tonhalle
21.11.12 Offenbach – Capitol
23.11.12 Berlin – Astra
24.11.12 Hamburg – Große Freiheit

Kritik: Get Well Soon

Get Well Soon – “The Scarlet Beast O´Seven Heads” (City Slang, 24.08.12)

Ein neues Album von Get Well Soon ist auch insofern ein kleines Ereignis, weil es bei uns im Lande – da brauchen wir uns leider gar nichts vorzumachen – nicht allzu viele Musiker gibt, die mit einem ähnlichen Talent gesegnet sind wie Konstantin Gropper. Trotzdem waren wir nach dem Hören des neuen, mittlerweile dritten Werks “The Scarlet Beast O´Seven Heads” nicht ganz so euphorisch wie beim immer noch unerreichten Debüt “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” und dem von der Kritik leider mit gemischten Gefühlen aufgenommenen “Vexations”. Get Well Soon klingen 2012 deutlich weniger depressiv und orchestral als früher, dafür (noch) mehr nach Italo-Western und pastellfarbenen Filmen aus den Fünfzigern. Am Ende ist die Platte aber vor allem eines: Geschmackssache.

1) Prologue
Jn: Immer mehr Alben beginnen mittlerweile mit einem Prolog – damit kann ich eigentlich nicht allzu viel anfangen.
Ch: Wobei der hier ja ein vollwertiges Lied mit Gesang und einer Dauer von fast fünf Minuten ist.
Jn: Trotzdem plätschert es einfach so vor sich hin. Den Start in ein wirklich schönes Album stelle ich mir anders vor. Dabei mag ich Get Well Soon sehr gerne.

2) Let Me Check My Mayan Calendar
Jn: Großartiger Songtitel!
Ch: Aber schon nach wenigen Sekunden befürchte ich, dass mir das wieder eher nicht gefällt.
Jn: Als Prolog wäre das allerdings mit seiner Kürze eher geeignet. Und es wird doch ganz gut.
Ch: Joar – hat mir jetzt nichts gegeben.

3) The Last Days Of Rome
Ch: Was macht denn das 80er-Jahre-Discoschlagzeug da?
Jn: Klingt ganz untypisch für Get Well Soon. Mach was!
Ch: Was denn? Ich bin gerade echt ein wenig sprachlos. Live klingt der Teil mit den Trommeln sicher nicht schlecht, aber so auf Platte brauche ich das nicht.
Jn: Wenn man das öfter hört, wird das bestimmt besser. Das muss eben etwas wachsen.

4) The Kids Today
Ch: Mich enttäuscht, dass auf dem Album bisher so viele Instrumente vom Synthesizer ersetzt wurden. Schlagzeug, Klavier, Streicher – alles aus der Konserve. Da hätte ich mir echt mehr erwartet.
Jn: Bei den Streichern bin ich mir aber gar nicht sicher – die sind vielleicht wirklich echt. Trotzdem finde ich schade, wie sich die Band jetzt entwickelt hat. Zuletzt ging es ja immer mehr in Richtung Orchester und nun ist es fast schon etwas arg poppig.
Ch: Jetzt auch noch ein Fade Out am Ende…
Jn: …und gleich danach wieder ein Fade In!
Ch: War das Absicht oder hat da der Mixer am falschen Knopf gedreht?

5) Roland, I Feel You

Ch: Das klingt jetzt wieder fast so wie früher. Ist gleich besser, aber auf den anderen beiden Alben wäre mir das trotzdem nicht groß aufgefallen.
Jn: Konstantin Gropper klingt da ein wenig wie David Bowie. Mir fehlt insgesamt das Dunkle und Mystische – das hört sich eher nach Salonmusik aus den 50ern an.
Ch: Oder wie die Titelmelodie für einen neuen James-Bond-Film.

6) Disney
Jn: Wartest du auch darauf, dass etwas passiert?
Ch: Jetzt! Nee, doch nicht.
Jn: Aber der Songtitel erschließt sich doch sehr schnell. Am Ende ist es trotzdem ziemlich gut.

7) A Gallows
Jn: Das ist dann wohl der Hit der Platte.
Ch: Klingt auch wieder okay, ist aber einfach nichts Besonderes.
Jn: Gegen Ende wird es dann allerdings schon typisch Get Well Soon. Wenn wir einfach ohne die Erwartung herangegangen wären, dass sich die Platte wieder so ähnlich anhört wie die beiden vorherigen Alben, wären wir vielleicht jetzt nicht so kritisch. Es ist ja auch wirklich keine schlechte Musik.
Ch: Das nicht. Aber eben nicht unbedingt Musik, mit der ich persönlich viel anfangen kann.

8) Oh My! Good Heart
Ch: Das ist auch eine Veränderung: Die Songtitel des ersten Albums waren noch voller Ausrufezeichen und hier haben wir jetzt erst das allererste.
Jn: Ich bin mir sicher, dass die Platte nach einigen Hördurchgängen noch wesentlich besser wird.

9) Just like Henry Darger
Ch: Das Hauptwerk von Henry Darger hat 15.145 Seiten. Das reicht für einen längeren Urlaub, wobei das sicher nicht unbedingt die leichte Liegestuhl-Kost ist.
Jn: Konstantin Gropper hat das bestimmt komplett gelesen.
Ch: Das ist nun auch der erste Song, an dem ich überhaupt nichts auszusetzen habe. Gefällt mir gut.
Jn: Wirklich sehr schön ist das. Ein richtiges Get Well Soon-Lied eben – es gibt doch noch Hoffnung!

10) Dear Wendy
Ch: Ja, ist halt so ein Einschub. Mit Space-Sounds!

11) Courage, Tiger!
Ch: Mir ist das einfach zu sehr 80er Jahre. Abgesehen davon ist es aber total in Ordnung.
Jn: In ihrem Verlauf werden die Songs bisher stetig besser. Und gegen Ende ist gerade das hier richtig schön.

12) The World´s Worst Shrink
Jn: Irgendwie ist das eher ein Lückenfüller.
Ch: Schon der zweite innerhalb kürzester Zeit.

13) You Cannot Cast Out the Demons (You Might As Well Dance)


Ch: Zum Abschluss noch ein klassisches Get Well Soon-Stück. Das versöhnt mich nun doch etwas.
Jn: Sogar mit den aus “Seneca´s Silence” bekannten Jungfern im Hintergrund.

Fazit
Ch: Schwierig, da jetzt ein kurzes Fazit zu ziehen. Anfangs war ich etwas irritiert und enttäuscht, aber insgesamt muss ich sagen, dass mir das Album trotz einiger eher seltsamer Lieder doch recht gut gefällt. Zwar nicht so gut wie die beiden anderen, aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Wochen und Monaten noch.
Jn: Dem kann ich mich nur anschließen. Nach dieser Filmmusik zu “Xanadu” ist die Platte ja nur eine logische Weiterentwicklung. Noch ein paar Mal anhören, dann wird das schon.

Tourdaten:
14.09.12 Hamburg – Große Freiheit 36
17.09.12 München – Theaterfabrik
18.09.12 Leipzig – Werk 2
19.09.12 Dresden – Alter Schlachthof
20.09.12 Berlin – Astra
21.09.12 Bielefeld – Forum
04.10.12 Düsseldorf – New Fall Festival
05.10.12 Heidelberg – Enjoy Jazz Festival
06.10.12 (CH) Vevey – Rocking Chair
07.10.12 Freiburg – Jazzhaus
08.10.12 Frankfurt – Mousonturm
14.10.12 (LU) Luxembourg – Rockhal
03.11.12 (CH) Zürich – Mascotte
04.11.12 (CH) Luzern – Schüür
05.11.12 (AT) Graz – Orpheum
06.11.12 (AT) Wien – Arena
07.11.12 (AT) Salzburg – Rockhouse

Kritik: Correatown

Correatown – “Pleiades” (Highline Records. 24.08.12)

Die Songs von Angela Correa alias Correatown waren bereits in TV-Serien wie “How I Met Your Mother”, “Grey´s Anatomy”, “Ugly Betty” und “Brothers And Sisters”. Kein Wunder, denn der oft von elektronischen Spielereien angereicherte Songwriter-Pop der Kalifornierin ist bestens zur Untermalung und als Nebenbei geeignet. Genau darin liegt allerdings auch das Problem ihres an sich recht gelungenen aktuellen Albums “Pleiades”, finden wir:

1) Valparaiso
Ch: Ich mag die Pauken…
Jn: …und ich den Teil mit dem zweistimmigen Gesang.

2) Further

Ch: Der Pressetext verspricht da einen “euphorischen Refrain”. Ich bin gespannt.
Jn: Mir passiert da irgendwie viel zu wenig…
Ch: Ich hätte mir da jetzt auch etwas mehr Bumms erwartet. Aber insgesamt ist es nicht übel.

3) Isomer
Jn: Als Hintergrundmusik für TV-Serien passt das wirklich gut.
Ch: Wobei mir der Song zu kühl und zu elektronisch ist. Das mag ich nicht so gerne.
Jn: Ich auch nicht. (Pause) Wobei ichs am Ende, wenn es etwas weniger elektronisch ist, eigentlich ganz okay finde.

4) Everything All At Once
Jn: An wen erinnert mich das jetzt?
Ch: An Cat Power?
Jn: Ah, pfui!
Ch: Das ist recht schön, aber auch sehr unspektakulär.

5) Sunset & Echo
Jn: Immer, wenn etwas mehr passiert, gefällts mir ziemlich gut.
Ch: Ich finde das Album bisher insgesamt sehr angenehm, aber wie gesagt eher so als Nebenbei.

6) Play
Ch & Jn fangen gleichzeitig an zu shaken
Ch: Der Titel verrät es schon: Ein verspielter Song!
Jn: Dafür kommen jetzt aber zwei Euro ins Phrasenschwein!

7) Shine Right Through
Ch: Ich glaube, bisher ist das mein Lieblingslied.
Jn: Da bin ich mit dir – das ist mal wirklich mehr als nur so Hintergrundgedudel…
Ch: …und auch mal nicht so elektronisch.

8) The Point
Ch: Am letzten Song hat mir vor allem gefallen, dass er anders klang als der hier jetzt. Dieses Sphärische oder wie auch immer man das nennen mag, ist einfach nichts für mich.
Jn: Und wieder kann ich dir nur zustimmen.

9) La Serena
Jn: Hu-uuuuuh! Ich kenne das Lied seit einer Minute, kann aber schon mitsingen.
Ch: Vielleicht, weil vieles recht ähnlich klingt.

10) Turn On, Turn Up
Jn: Wenn die Lieder mal ein wenig lauter werden und nicht nur so dahinplätschern, sind sie echt gut.
Ch: Schade, dass das bisher nur ein paar Mal passiert ist. Das sind schon Grunge-Gitarren, oder?
Jn: Eher so ganz normale Stromgitarren. Grunge-Gitarren als solche gibts doch gar nicht, oder? So von wegen “Hier haben wir nun eine Grunge-Gitarre aus dem Jahre 1994…”?
Ch: Ich kann mich aber erinnern, dass wir bei einer anderen Besprechung schon einmal Tomte-Gitarren hatten…

11) Valparaiso (Pleiades Remix)
Ch: Klingt der Remix nun anders als das Original?
Jn: Höchstens minimal.

Fazit
Ch: Streckenweise ein ziemlich hörenswertes Album, streckenweise aber auch wieder ein wenig langweilig.
Jn: Es ist eben oft nicht wirklich viel passiert.
Ch: Wenn dann aber mal doch etwas mehr passierte, wars schon echt gut.
Jn: Frauen, die gerne Jeans-Shorts, schwarze Strumpfhosen und Haarbänder tragen, kann ich die Platte aber nur empfehlen.
Ch: Allen anderen empfehle ich eher, sich nur “Shine Right Through” und “Turn On, Turn Up” zuzulegen und sich daran zu erfreuen.