Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf

Lange angekündigt und nun endlich da: „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“, das gemeinsame Werk von Finn-Ole Heinrich und dem auf diesem Blog hochgeschätzten Spaceman Spiff. Das Ganze erscheint beim liebenswerten mairisch Verlag aus Hamburg, der im Sommer mit der Schallplatte „Bookends“ schon einmal eindrucksvoll bewiesen hat, dass manch ein deutschsprachiger Songtext durchaus auch literarisch wertvoll sein kann.

Foto: Dylan E. Thompson // http://www.mairisch.de

Während „Bookends“ allerdings ausschließlich auf Musik setzte, kombiniert „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ das gesungene mit dem gesprochenen Wort – in Form von drei Songs und zwei Erzählungen. Letztere kommen vom Hamburger Autor und Filmemacher Finn-Ole Heinrich (u.a. „Räuberhände“) und behandeln auf kunstvolle Weise scheinbar widersprüchliche Themen wie Verlust, Entfremdung und Vertrautheit.

Foto: Dylan E. Thompson // http://www.mairisch.de

Umrahmt – oder wenn man will: umarmt – werden die Erzählungen von drei Songs des Weltraummannes. Neben dem bereits vom Debütalbum „Bodenangst“ bekannten „Melancholie und ich“ handelt es sich dabei um die beiden nagelneuen Stücke „Mit Scherenhänden“ und „Photonenkanonen 1/2“. Alle Einzelteile für sich genommen sind bereits grandios, aber am Stück gehört, ist „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ noch wesentlich wertvoller als die Summe seiner Bestandteile. Beim Hören entsteht ein Sog, fast schon ein Bewusstseinsstrom, dem man sich als Hörer kaum mehr entziehen kann und der immer drängender wird – wie die Hintergrundgeräusche der titelgebenden Erzählung, die sich von einem Herzschlag zu einem bedrohlichen Rauschen steigern.

Als wäre das nicht schon genug, werfen beide Protagonisten immer wieder Sätze in den Raum, die man am liebsten auf alle verfügbaren Wände und in die Poesiealben der schönsten Mädchen schreiben möchte:

Jetzt steh ich hier wie die Axt im Wald
und wollt´doch eigentlich ein Baum sein

oder

Ich kann auf die Straße gehen und keiner sieht,
dass die letzte Nacht mich fast umgerissen hat.

sind da nur zwei von vielen Zeilen, die von diesem gradiosen Gemeinschaftsprojekt noch ganz lange nachhallen.

Finn-Ole Heinrich & Spaceman Spiff: Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf. mairisch Verlag 2010, ISBN 978-3-938539-17-0.

Eine ausgedehnte Lesereise ist für November und Dezember geplant.

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