Album // Spaceman Spiff: „…und im Fenster immer noch Wetter“

Am nächsten Freitag erscheint „…und im Fenster immer noch Wetter“, das zweite Album von Spaceman Spiff, und ich bin etwas fassungslos, weil sich der Weltraummann damit selbst übertroffen hat.

Ich erinnere mich noch, als vor etwas mehr als zwei Jahren eine selbstgebrannte Promo-CD in meinem Briefkasten lag: „Bodenangst“, eine kleine Platte mit Songs über große Zweifel und noch größere Hoffnungen, aufgenommen von einem Musiker, der gerade auf dem Sprung von Würzburg nach Hamburg war, um dort etwas auf die Beine zu stellen.

Das war schon damals ganz hervorragend, aber trotzdem kann ich es kaum glauben, wie weit Hannes Wittmer – so heißt Spaceman Spiff im echten Leben – in diesen knapp zwei Jahren gekommen ist. Schritt für Schritt, immer ein wenig besser, ohne sich dabei jemals zu verbiegen. Auf der Demo-CD, mit der er wenig später ein Label suchte und schließlich jenseits der Musikindustrie (ihr hattet eure Chance!) beim kleinen Hamburger Literatur- und Hörspielverlag mairisch eine neue künstlerische Heimat fand, gab es dann erstmals neben Stimme und Akustikgitarre ein paar andere Instrumente zu hören. Fordernder und dringlicher machte das die Lieder, aber im Vordergrund stand eben immer noch die Botschaft, das Lyrische.

Kein Wunder, dass Hannes auf der Compilation „Bookends“ einen Platz zwischen ClickClickDecker und Gisbert zu Knyphausen bekam und mit Finn-Ole Heinrich das großartige Audiobook „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“ aufnehmen durfte. Das Talent dazu hatte er ja schon immer – aber Talent allein reicht eben nicht aus, man muss auch die Chance bekommen, es zu entfalten.

Foto: Dylan E. Thompson

Spaceman Spiff hat seine Chance bekommen und er hat sie genutzt. Beziehungsweise: Er nutzt sie immer noch. „…und im Fenster immer noch Wetter“ ist ein weiterer großer Schritt in die richtige Richtung. Die Platte ist musikalisch abwechslungsreicher und aufwändiger produziert als der Vorgänger, gönnt sich eine üppigere Instrumentierung bis hin zum satten Bandsound („Straßen“) und schlägt auch schon einmal eine ganz neue Richtung ein („Elefanten“), lässt aber trotzdem nichts von den Qualitäten vermissen, die ich schon an „Bodenangst“ so sehr schätzte.

Die Süddeutsche Zeitung nannte die Songs von Spaceman Spiff jüngst lobend „Musik für NEON-Leser“. Eine Einschätzung, der ich mich beim besten Willen nicht anschließen möchte, weil ich mich dagegen wehre, alles immer nur auf ein stumpfes „die sind eben so“ zu reduzieren. Es gibt nun einmal Dinge, die einfach zu wertvoll sind, um ihnen ein billiges Generationen-Label anzupappen – The National attestiert ja schließlich auch niemand, Musik für mittelalte depressive Whiskytrinker zu machen.

Anstatt also jetzt klemmende Schubladen zu öffnen, spreche ich einfach mal die dringende Empfehlung aus, das Album selbst anzuhören und freue mich, dass es so gut geworden ist…

Live:
11.03. Hammelburg – Wasserhaus
14.03. Hannover – Sing Sing
15.03. Berlin – NBI (Kulturbrauerei)
16.03. Erfurt – Radio f.r.e.i.
17.03. Leipzig – Wärmehalle Süd
18.03. Dresden – Blaue Fabrik
22.03. Hamburg – Prinzenbar (Release Party mit Band)
24.03. Coburg – Sonderbar
25.03. Saarbrücken – Sparte 4
26.03. Köln – Aetherblissement
11.04. Hannover – Loge 13
27.04. Kiel – Prinz Willy
06.05. Helmstedt – Street Poetry Abend
13.05. Husum – Speicher (+ ClickClickDecker)

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