Tino Hanekamp: So was von da


Hat da jemand laut „Pop-Literatur“ gerufen? Auch wenn diese Genre-Schublade seit kurz nach der Jahrtausendwende so gut wie geschlossen ist, würde sich „So was von da“ gar nicht so schlecht darin machen. Aber egal, wo man Tino Hanekamps ersten Roman nun auch einordnen möchte: Äußerst lesenswert ist das Buch allemal.

Unter anderem liegt das daran, dass der ehemalige Musikjournalist (u.a. Spex und Musikexpress), Gründer der mittlerweile nicht mehr existierenden Weltbühne und heutige Mitbetreiber des Uebel & Gefährlich dankenswerterweise auf hochgestochenes Geschwurbel verzichtet, das junge deutsche Literatur oft so anstrengend macht. Statt also krampfhaft zu versuchen, die Welt aus den Angeln zu heben, erzählt Tino Hanekamp einfach eine Geschichte, die zwar nicht seine eigene ist, aber zumindest ansatzweise autobiographische Züge trägt. Protagonist von „So was von da“ ist Oskar Wrobel, den das Leben nach Hamburg verschlagen hat, wo er in einem ehemaligen Krankenhaus einen Club betreibt, der am 1.1. des neuen Jahres geschlossen werden muss, um Platz zu machen für ein schickes Bürogebäude. Bevor die Abrissbagger anrücken, die Gentrifizierung weiter vorantreiben und Oskars Zukunft ruinieren, soll aber noch einmal eine rauschende Abschiedsparty mit allerlei Hamburger Szenegrößen (genannt werden im Buch Felix Kubin, Egoexpress, Frank Spilker, Nils Koppruch und diverse andere), MDMA-Bowle und vielen anderen Annehmlichkeiten gefeiert werden.

Dumm nur, dass ausgerechnet am Nachmittag vor der Feier der gerade aus dem Gefängnis entlassene Alt-Lude Schneider Oskar wortwörtlich die Bude einrennt und 10.000 Euro fordert, was dessen ohnehin angespannte finanzielle Situation nur noch weiter zuspitzt. Aber damit nicht genug: Rocky, Oskars bester Freund und Frontmann der gehypten Band Kidd Kommander, verkündet noch auf der Bühne sein Karriereende, die Innensenatorin von Hamburg steckt stundenlang im Aufzug fest, während die Party um sie herum komplett aus dem Ruder läuft, die lebensfrohe Nina malt auf einmal alles schwarz an und ein Ex-Rockstar erleidet wegen einer zertrümmerten Gitarre einen Herzanfall. Und dann kündigt auch noch Mathilda, Oskars große Liebe, ihr Kommen an.

All diese Ereignisse führt Tino Hanekamp so gekonnt, klug, kenntnisreich, humorvoll und mitunter poetisch zusammen, dass es, je weiter die Handlung voranschreitet, unmöglich wird, das Buch aus der Hand zu legen. Die Spannung mag zwar fast unerträglich sein, aber: Krieg ist schlimmer. Lesen, bitte!

„So was von da“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, hat 302 Seiten und kostet 14,95 Euro.

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