(Konzert) Emanuel And The Fear

Foto: Sam Kolich

Wenn gleich das erste Konzert eines neuen Jahres so grandios ausfällt wie der Auftritt von Einar Stray im Neuen Museum vor gut einer Woche, ist es durchaus nicht verkehrt, wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Insofern kam das Konzert von Emanuel And The Fear gestern leider gerade recht, denn allzu große Freude bereiteten mir die sechs Musiker aus Brooklyn nicht unbedingt.

Relativ gut gefüllt war der MUZclub, was sicher auch an der etwas irreführenden Berichterstattung in der lokalen Presse lag. Von einer Band mit bis zu 200 Mitgliedern war da die Rede und sogar von der amerikanischen Antwort auf Arcade Fire – alles Humbug zwar, schien aber trotzdem auch einige Leute anzuziehen, die man sonst nicht unbedingt auf Konzerten antrifft. Zumindest fiel der Umstand, dass sich einmal mehr eine nicht unerhebliche Zahl hartnäckiger Dauerquatscher im Publikum befand, gar nicht so sehr ins Gewicht, weil mich Emanuel And The Fear eh zu kaum einem Zeitpunkt wirklich begeisterten. Einzige Ausnahme blieb das wirklich großartige „Over And Over“, der beste Song der aktuellen EP „Hands“ (erscheint am 27. Januar bei Haldern Pop Recordings). Dass diese – übrigens die erste Veröffentlichung der New Yorker, die auch bei uns erscheint – insgesamt ziemlich hörenswert ist, ließ meine Enttäuschung über das doch recht langatmige Konzert gleich noch ein wenig steigen. Emanuel Ayvas und seine Mitstreiter sind schließlich keine talentfreien Stümper, sondern verfügen zweifellos über großes Potenzial, das sie aber für meinen Geschmack in die falschen Bahnen lenken. Der breit gefächerte Stilmix führte allzu oft in die Sackgasse und mit den in rauen Mengen vorhandenen Classic-Rock-Anleihen, die Violine und Cello mehr als ein Mal komplett in den Hintergrund drängten, konnte ich erst recht nichts anfangen. Sogar an eine Querflöte hatte die Band gedacht – fehlten eigentlich nur noch eine Doppelhals-Gitarre und ein ekliges Saxophon, dann wäre das Bild komplett gewesen…

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3 Kommentare

  1. Schön, dass du so zeitnah vom Konzert berichtest. Allerdings bin ich der Meinung, du tust der Band ein wenig unrecht. Live versuchen sich Emanuel and the Fear – mehr noch als auf CD – im »Storytelling«. Und das würde zumindest etwas Fairness vom Publikum verdienen. Wenn aber, wie gestern, zum einen der Sound nur zum Brei gerät und spätestens in der vierten Zuschauerreihe jede leisere Stelle gnadenlos zugequatscht wird, dann wirkt das Ganze etwas wirr und unmotiviert.
    Ich finde, trotz kleiner Schwächen: Sehr sehenswerte Band, ordentliches Konzert.

    1. Die Texte sind ja in der Tat ziemlich gut – und teilweise sehr kritisch.

      Ich muss aber sagen, dass ich gestern praktisch kaum ein Wort davon verstanden habe, was sicher vor allem am nicht so guten Sound und den unaufmerksamen Zuschauern lag, aber eben auch an der Band selbst, die meines Erachtens zu viel auf einmal will. Gleichzeitig „laut“ und experimentell zu klingen und auf der anderen Seite eine Botschaft an den Zuhörer zu bringen – das schaffen nur wenige.

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