Vier Ohren: Holmes

Penetranz ist eine Untugend – bei Menschen ebenso wie bei Musik. Wohl genau aus diesem Grund, beziehungsweise, weil sie das genaue Gegenteil dieser unerfreulichen Eigenschaft verkörpern, sind Holmes so sympathisch. Geerdeter, unaufdringlicher und gelassener als das Sextett aus Vänersborg kann eine Band nämlich kaum sein. Seit der Gründung im Jahr 2003 gehörten zwar bereits annähernd 25 verschiedene Musiker (wobei mit Johan Björklund, Kristoffer Bolander, Axel Krantz Vesterberg, Larisa Ljungkrona, Sakari Tropp und Daniel Zackrisson mittlerweile eine feste Besetzung gefunden wurde) zu Holmes, aber an den grundlegenden Stellschrauben wurde im Laufe der Zeit nur wenig gedreht: Der zurückgenommene „Scandinavian Americana“ (Rolling Stone) der Band hat sich nie substanziell verändert, sondern wurde einfach stets weiter verfeinert, die Platten veröffentlicht nach wie vor das kleine Label Black Star Foundation aus Malmö, als Produzent fungiert seit jeher Per-Ola Eriksson und Anna Emilia Laitinen ist schon immer für das wunderbare Artwork verantwortlich.

Bei so viel Beständigkeit müsste das neue, am 13. April erschienene Album „Burning Bridges“ (hier komplett im Stream zu hören) doch ein Selbstläufer sein, möchte man meinen. Ob dem auch wirklich so ist, haben wir einmal überprüft:

1) Brothers
Ch: Akkordeon mag ich immer sehr gerne. Ein unterschätztes Instrument, das lange Zeit zu Unrecht mit seinem Musikantenstadl-Image zu kämpfen hatte.
Jn: Klingt recht traurig, der Song. Aber schön.

2) Bells
Jn: Wieder so ein Album, zu dem sich wenig sagen lässt, weil es einfach nur sehr gut gelungen ist.
Ch: Was allerdings wesentlich besser ist, als wenn sich viel darüber sagen lässt, wie gruselig das alles doch ist. Ich mochte die anderen beiden Platten von Holmes schon sehr gerne. Dementsprechend bin ich kaum überrascht, dass mir “Burning Bridges” auch wieder gut gefällt.

3) Night Bright Night
Jn: Das ist richtig tolle Musik für kalte Tage, die man mit Tee auf dem Sofa verbringt. Ich finds immer noch schade, dass das Konzert letztes Jahr in Nürnberg ausgefallen ist.
Ch: Da hatte halt der Wettergott was dagegen. Fieser Typ!

4) I Will Never Be Free
Ch: Der Song klingt jetzt ganz ungewohnt – ich kann mich nicht erinnern, sowas schon auf den älteren Platten mal gehört zu haben.
Jn: Hat was von Irish Folk…
Ch: …und ist erstaunlicherweise gar nicht übel. Vor allem, weil da im Gegensatz zu “echter” irischer Musik diese blöden Flöten fehlen.

5) All I Had In Store
Ch: Mir gefällt die Stimme nach wie vor sehr gut. So unaufgeregt und beruhigend.
Jn: Noch so ein Kandidat zum Schlaflieder singen.
Ch: Mittlerweile wirds aber recht voll im Kinderzimmer.
Jn (verwirrt): Wer redet denn von Kinderzimmer?!

6) Every Stream Of Light
Ch: Das hat jetzt aber wirklich Wiegenlied-Qualitäten. Im positiven Sinne.
Jn: Könnte auch ein Kirchenlied sein.
Ch: Unter diesen Umständen würde ich regelmäßig in die Kirche gehen.

7) Where Dreams Come From
Jn: Wenn das Akkordeon nicht wäre, würde da einiges fehlen. Das ist echt schön. An irgendwen erinnert mich die Stimme…
Ch: An den jungen Neil Young!
Jn: Ja? Den finde ich aber nicht so toll. (Pause) Obwohl, ich glaube, ich verwechsle eben Paul Young und Neil Young. Peinlich!

8) Debris

Ch: Das Lied mit dem Playmobil-Video!
Jn: Da ist beides sehr, sehr toll. Song und Video.
Ch: Und das Playmobil verleiht dem Ganzen eine fränkische Note.

9) Vinter
Ch: Passt irgendwie sehr gut zum Titel. Wie ein Wintertag in einer verschneiten Waldhütte. Und hin und wieder huscht draußen ein Reh vorbei. Oder Meister Lampe.
Jn schüttelt den Kopf und lächelt milde

10) Waiting
Ch: Hui, mal ein schnellerer Song.
Jn: Das finde ich als Abwechslung auch mal nicht schlecht. Sonst wirds ja zu ruhig.

11) Captain Weakheart
Ch: Der Song dauert über acht Minuten. Kein Wunder, dass der sich sehr langsam aufbaut. Ganz oft finden sich so ellenlange Stücke ganz am Ende eines Albums…
Jn: Wie bei Einar Stray. Und Mogwai machen ganze Alben voller letzter Lieder.

FAZIT
Ch: Eigentlich genau das, was ich vorher erwartet hatte. Schön, dass es Bands gibt, die sich immer auf einem konstant hohen Niveau bewegen und sich nicht nach ein paar Alben einbilden, alles anders machen zu müssen und am Ende dann mit Sambatrommeln oder ähnlichem Unsinn ankommen.
Jn: Ich freu mich jetzt noch ein wenig mehr auf die Konzerte. (Termine hier)

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