Live: Dan Mangan in Erlangen

Zwei Konzerte von Dan Mangan an einem Tag – das fühlte sich gestern fast an wie Geburtstag, Weihnachten und Neujahr auf einmal! Aber welch ein Glück, dass der kanadische Sympathieträger und seine im Vergleich zum Auftritt bei Folk im Park im vergangenen August von einem rothaarigen Zausel an der Trompete verstärkte Band vor ihrem abendlichen Gastspiel im E-Werk für ein kurzes Akustik-Set im Bongartz vorbeischauten. Während das reguläre Konzert nämlich über weite Strecken ein schwer verdaulicher Soundbrei* war, boten die fünf Nordamerikaner im bestens gefüllten Plattenladen eine überragende Vorstellung.

Das eröffnende „Starts With Them, Ends With Us“ bekamen Jn und ich von unseren nicht ganz optimalen Plätzen mit eingeschränkter Sicht nur akustisch mit, aber als sich die Band danach unters Publikum mischte – Dan Mangan selbst musizierte fortan auf einem orangefarbenen Plastikstuhl stehend weiter – waren wir auf einmal mittendrin im Geschehen und mehr als ein Mal hätte Gordon Grdina die arme Jn mit seiner Gitarre beinahe ausgeknockt. In den verbleibenden knapp 20 Minuten folgten das von Dan Mangans Lieblingsfilm „Stand By Me“ inspirierte „Rows Of Houses“, das grandiose „About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All“, der Mitklatsch-Gassenhauer „Sold“ und der auch in der abgespeckten Version noch fulminante „Post-War Blues“.

Danach war leider schon Schluss und die Vorfreude auf die „90-minute encore at E-Werk“ ins Unermessliche gestiegen. Allerdings wäre es gestern wohl besser gewesen, vor der Zugabe nach Hause zu gehen…

weitere Termine:
17.04.2012 (AT) Wien – Fluc
18.04.2012 München – Hansa 39
19.04.2012 Köln – Gebäude 9
21.04.2012 Reutlingen – Burning Eagle Festival
23.04.2012 (CH) Aarau – Kiff
24.04.2012 Frankfurt – Brotfabrik
25.04.2012 Trier – Exhaus
12.08.2012 Bad Windsheim – Weinturm Open Air

* Update, 19.4.: Mit ein paar Tagen Abstand und ohne die anfängliche Mischung aus Wut, Unverständnis und Enttäuschung im Bauch nun doch noch ein paar Worte zum Auftritt im E-Werk. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals so sehr auf ein Konzert gefreut habe und dann am Ende so sehr enttäuscht wurde. Es ist eine Sache, wenn sich eine Band, der man eigentlich mehr zugetraut hatte, live als doch nicht ganz so gut entpuppt oder einfach nicht so recht überzeugen kann, weil sie einen schlechten Tag erwischt hat. Das ist zwar auch ärgerlich, kommt aber nun einfach ab und an mal vor. Ganz anders verhält es sich, wenn eine Band – wie am Montag – ein wunderbares Konzert spielt, dieses aber wegen „technischer Probleme“ in einem kompletten Disaster endet. Schon nach dem fürchterlich verhunzten ersten Song („About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All“), bei dem Dan Mangans Stimme praktisch gar nicht zu hören war, hätte irgendjemand vom E-Werk eingreifen und sich um Nachbesserung bemühen müssen. Stattdessen geschah – zumindest so mein Eindruck – nichts. Die nächsten beiden Stücke fielen ebenso verheerend aus und erst nachdem Dan Mangan vor „Sold“ (immerhin schon das vierte Lied des Abends) unter Applaus des Publikums (!) selbst darum bat, seinen Gesang doch bitte etwas lauter zu drehen, verbesserte sich die Situation ein klein wenig. Wobei „verbessern“ etwas arg optimistisch ausgedrückt ist – die Tonqualität war danach nicht mehr absolut unterirdisch, sondern nur noch sehr, sehr schlecht und zwischendurch gab es dennoch immer wieder ein paar absolute Tiefpunkte (Gordon Grdinas hervorragendes Gitarrensolo, wohl das Kernstück von „Post-War Blues“, war ein einziges Scheppern und Rauschen, beim an sich wunderschönen „Basket“ war Dan Mangans Gitarre fast fünf Minuten lang ausschließlich über das Gesangsmikrofon zu hören – auch hier bemühte sich niemand offenbar auch nur ansatzweise um Schadensbegrenzung). Dass das Publikum – zumindest der Teil, der nicht schon früh enttäuscht die Segel gestrichen hatte – dennoch recht gut gelaunt war und bei „Robots“ fleißig mitsang, reichte nordbayern.de dann aus, um von einem „Sturm aus der Akustikgitarre“ zu schwärmen, ohne weiter auf die nicht zu überhörenden technischen Mängel einzugehen. Was aber wirklich drin gewesen wäre an diesem Abend, deutet der bei LAXMag erschienene Bericht vom Konzert zwei Tage später in München an. Schade, dass es im E-Werk verpasst wurde, auch nur halbwegs angemessene Rahmenbedingungen für einen ähnlich denkwürdigen Konzertabend zu schaffen: Dan Mangan und seine Band wären jedenfalls dazu bereit gewesen – ob sie allerdings in Zukunft noch einmal in Erlangen vorbeischauen, darf nach dem Reinfall vom Montag stark bezweifelt werden.

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3 Kommentare

  1. Mein Gedankengang im Plattenladen war ja letztlich der, dass wenn ich schon ausgeknockt werde, dann wenigstens von Gordon Gardina. Letztlich bin ich aber froh, dass es so glimpflich und lediglich mit einigen blauen Flecken und Schürfwunden ablief.

    1. Jetzt dramatisierst Du aber ein wenig. Wenigstens behauptest Du nicht, mit einer Gitarrensaite gewürgt worden zu sein :-D.

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