Live: Rue Royale & Kim Janssen in Bamberg und Erlangen

Als großer Freund von direkten Vergleichen freue ich mich immer über die Gelegenheit, Bands innerhalb kürzester Zeit gleich mehrmals live zu sehen und erstaunt festzustellen, wie sehr sich Konzerte an zwei aufeinanderfolgenden Abenden trotz aller Ähnlichkeiten machmal doch voneinander unterscheiden können.

Bei Rue Royale und Kim Janssen am Freitag im erfreulich gut gefüllten Morph Club litt die Atmosphäre ein klein wenig darunter, dass sich der Saal im Laufe des spät begonnenen (gegen 22.15 Uhr) Konzerts immer mehr mit feierwütigen Menschen füllte, die wegen der im Anschluss stattfindenden Indie-Schmindie-Party gekommen waren, am Geschehen auf der Bühne keinerlei Interesse zeigten und es für eine gute Idee hielten, sich ungeniert laut zu unterhalten. Zum Glück betraf dieser unschöne Umstand nur die letzten rund 20 Minuten – vorher war allerdings alles bestens: Kim Janssen, unterstützt von Black Atlantic-Kollege Simon van der Heide (mit dem er eines Tages gerne eine Hotelband gründen möchte) und gelegentlich von Rue Royale, wirkte zwar ein wenig hektisch und nervös, klang aber live deutlich druckvoller und zwingender (besonders großartig fiel „Tors“ aus) als auf seinen beiden schönen, aber manchmal sehr zurückhaltenden Alben. Rue Royale, ebenfalls hin und wieder begleitet von den „beautiful babies“ Kim und Simon, hinterließen danach einen nicht minder guten Eindruck, wobei sich – was aber vielleicht auch an meiner zwischenzeitlich ins Unermessliche gestiegenen Müdigkeit lag – ein paar kleinere Längen in das mit einigen neuen Songs und „Walls“ von der allerersten EP  bunt durchgemischte Set von Ruth und Brookln Dekker einschlichen. Trotzdem: Ein sehr feiner Abend, der am Samstag in Erlangen aber noch deutlich getoppt wurde.

Im Tanzwerk des E-Werks herrschte eine deutlich gelassenere und ruhigere Atmosphäre als tags zuvor in Bamberg: Die nicht ganz so zahlreich erschienenen, aber allesamt ausschließlich wegen des Konzerts anwesenden Zuschauer hatten es sich auf Stühlen bequem gemacht und waren von Anfang bis Ende so aufmerksam und höflich, dass Brookln Dekker gleich mehrmals lobend feststellte, das Publikum sei „very well-behaved“. Die angenehme Stimmung übertrug sich schließlich auch auf das Geschehen auf der Bühne. Das Set von Kim Janssen war zwar identisch mit dem vom Vortag, aber der Niederländer wirkte wesentlich entspannter und redseliger. Unter anderem erzählte er eine hübsche Anekdote von seinem letzten Gastspiel mit The Black Atlantic im E-Werk. Damals lernte er Eiríkur Orri Ólafsson kennen, als Trompeter von Benni Hemm Hemm ebenfalls in Erlangen zu Gast, der ihm Monate später vor einem gemeinsamen Auftritt im niederländischen Fernsehen beiläufig eröffnete, hin und wieder für eine Band namens Sigur Rós zu spielen, was den armen Kim komplett aus der Fassung brachte. Auch Rue Royale waren danach wesentlich entspannter als in Bamberg, plauderten munter von eingeschlafenen Konzertbesuchern und dem manchmal verwirrenden Touralltag, der sich nur mit Unmengen von Kaffee halbwegs meistern lässt. Längen gab es diesmal keine, dafür war ich einige Male sehr gerührt und sogar die am Freitag fehlenden Lieblingslieder „The Search And Little Else“ und „On And On“ (Brookln: „We haven´t played that song for quite a while now and I was not sure if I could bring it to a good end. That was pretty exciting…“ – Ruth: „Living on the edge!“) wurden zum Besten gegeben.

Bleibt eigentlich nur noch, der Einschätzung von Rue Royale beizustimmen:

weitere Termine:
22.04.2012 Düsseldorf – FFT
24.04.2012 Hamburg – Haus III&70
26.04.2012 Berlin – Privatclub
27.04.2012 Dresden – Ostpol
28.04.2012 Münster – Teilchen & Beschleuniger

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