Vier Ohren: Garda

Lange haben wir „A Heart Of A Pro“ (K&F Records, 27. April 2012), dem zweiten Album der Dresdner Band Garda, nun entgegengefiebert. Kein Wunder, denn „Die, Technique, Die!“, das Debüt aus dem Herbst 2008, war schon ein echtes Kleinod und bei der Veröffentlichung des Vorab-Songs „Oh Euphoria, My Dear“ brachen dann alle Dämme: „Klingt fast so, als würden Win Butler und Matt Berninger gemeinsam auf der Waldschlösschenbrücke den Boss covern, während Richard Reed Perry die Nacht mit Bengalos erleuchtet“, jubilierte ein freudetrunkener Ch damals.

Ob auch der Rest der Platte ähnliche Verzückung auslösen kann, haben wir einmal überprüft – selbstredend waren ziemlich begeistert:

1) Upper/Lower Water Course

Ch: Das könnte glatt ein Songtitel von den Weakerthans sein. Ein Lied über einen kleinen Fluss irgendwo in Manitoba.
Jn: Auch das Fingerpicking am Anfang würde passen. Und ich mag das Klavier sehr gerne.
Ch: Insgesamt sehr toll, wie sich das so langsam aufbaut. Hervorragend!
Jn: Klavier, Streicher, wunderschöne Melodie und schon bin ich glücklich.

2) Vessels
Jn: Ist das der gleiche Sänger wie eben?
Ch: Für mich ist das Matt Berninger. Ich sehe den eben auch vor meinem inneren Auge. Mit Anzug, den Händen in den Hosentaschen und einer Flasche Hochprozentigem intus. Und jetzt dann auch noch die Bläser. Qualitativ keinerlei Unterschied zu The National.

3) Oh Euphoria, My Dear
Jn: Das Gesamtpaket ist da wirklich sehr sympathisch. Super Artwork, super Musik.
Ch: Das Cover ist echt großartig. Sollte man sich allein deshalb als Vinyl kaufen und an die Wand hängen. Die Schallplatte lässt man dann einfach auf dem Plattenspieler liegen, weil ich zumindest momentan keinen Grund sehe, jemals wieder etwas anderes zu hören. Jetzt haben wir zu dem Song gar nichts gesagt. Der nächste Hit eben.
Jn: Aber hallo!

4) A Heart Of A Pro
Ch: Ich sehe gerade, dass die Platte von Doug Van Sloun in Omaha gemastert wurde. An dieser Stelle einmal die dringende Empfehlung, sich ausnahmslos alles zu kaufen, was aus dem Studio dieses Herrn kommt.

5) Gallows
Ch: Die letzten beiden Songs waren jetzt nicht so bombastisch wie die ersten drei…
Jn: …aber trotzdem sehr gut. Das ist ja gerade auch eine Stärke von einer Band: Mal mit wenig Aufwand Großes zu schaffen. So wie Dyse zum Beispiel, wobei der Vergleich hinkt.
Ch: Andererseits gibt es ja auch einen Garda-Remix vom Dyse-Jarii.

6) Hiroo Onoda
Ch: Der Titel könnte auch der Name eines aufstrebenden japanischen Bundesligaspielers sein. Angeblich kicken kommende Saison gleich zwei Japaner beim Club.
Jn: Könnte aber auch der Name eines Sushi-Restaurants sein. In Fürth gibts eines, das so ähnlich heißt.
Ch: Ziemlich experimentell ist das Stück…
Jn: …was mir aber leider irgendwie nicht ganz so gut gefällt.
Ch: Hat halt eine jazzige Note.
Jn: Genau darin sehe ich das Problem.

7) Black
Ch: Zum Glück war das eben nur ein kurzer Ausflug in experimentelle Gefilde. Jetzt ist wieder alles gut.
[es folgen abstruse Diskussionen über abwegige Doppelnamen]
Jn: Wieder sehr schön, der Song.
Ch: Ich mag das immer sehr gerne, wenn am Ende von einem ruhigen Lied noch ordentlich was passiert. Allein aus der letzten Minute könnte man eine tolle Post Rock-Platte machen. Müsste man dann halt noch etwas in die Länge ziehen…

8) People
Ch: Ein Walzer!
Jn: Dreivierteltakt!
Ch: Und insgesamt klingt alles sehr amerikanisch. Oder kanadisch.
Jn: Du denkst immer noch an die Weakerthans, oder?
Ch: Ja, schon. Was aber nichts heißt, weil ich ständig an die Weakerthans denke. Das hier erinnert mich aber auch ein wenig an Bright Eyes.

9) A Guilty Conscience Needs No Accuser
Ch: Toller Titel. Wobei der nächste fast noch besser ist.
Jn: Auch ein sehr angenehm zu hörender Song.

10) 00:00
Ch: Ob sich jetzt die Tradition fortsetzt, dass das letzte Lied immer etwas ganz Besonderes sein muss? Scheint zumindest fast so…dieses sägende Geräusch! Das klingt, als würde jemand ein Becken mit einem Bogen spielen.
Jn: Am vergangenen Montag bei Dan Mangan wurde eine Gitarre mit einem Bogen gespielt. Gleich am Anfang sogar.
Ch: Ich finde, das zieht sich jetzt ein wenig. [Pause] Wobei es mit zunehmender Dauer dann doch sehr gut wird.
Jn: Das braucht halt Zeit, um sich zu entwickeln.

Fazit
Jn: Kaufen, kaufen, kaufen – und lieb haben.
Ch: Unbedingt. Für mich das bisher mit weitem Abstand beste deutsche Album des Jahres.

Termine:
28.04.2012 Leipzig – UT Connewitz (+ A Whisper In The Noise)
04.05.2012 Hamburg – Molotow
05.05.2012 Rostock – Peter Weiß Haus
06.05.2012 Berlin – Privat Club
12.05.2012 Dresden – Festspielhaus Hellerau
28.05.2012 Dresden – Scheune (Discorporate Festival)
23.06.2012 Dresden – Elbhangfest
29.06.2012 Lärz – Fusion Festival
21.07.2012 Netzschkau – Labore Festival
28.07.2012 Niederbobritzsch – Drüben auf´m Hügel Festival
03.08.2012 Borgentreich – Freakstock
13.09.2012 Nürnberg – K4 Zentralcafé

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