Vier Ohren: Mark Berube

Am Wochenende war Kanada zwar Gastland auf dem Bardentreffen, aber abgesehen von der kanadischstämmigen Sängerin der Nürnberger Elektropopper Wrongkong bekamen wir keine Musiker aus dem Land von Ahornsirup und Eishockey zu Gesicht, was in erster Linie daran lag, dass uns das Programm und die geladenen Gäste nicht so recht ansprechen wollten. Einer, über dessen Anwesehnheit wir uns allerdings sehr gefreut hätten, ist Mark Berube aus Montreal, der in seiner Heimat bereits vier Solo-Alben, zwei EPs und zwei weitere Alben mit der Band The Fugitives veröffentlicht hat, aber erst mit dem auch schon vor einem Jahr erstmals erschienenen „June In Siberia“, auf dem neben seiner Begleitband The Patriotic Few weitere illustre Gäste wie Dan Mangan, Emily Loizeau, C.R. Avery und Hattie Webb von den Webb Sisters zu hören sind, den Weg in unsere Breiten findet.

Erscheinungstermin der Platte (Global Reords) ist der 17. August – wir haben schon einmal reingehört:

1) Hello
Jn: Das klingt gut.
Ch: Unabhängig von der Musik mag ich die Platte allein des Artworks wegen. Und der Name Mark Berube and the Patriotic Few ist auch super.

2) Tailored to Fit
Ch: Ich mag, wie das instrumentiert ist. Nicht so der Standard-Rockmusik-Quatsch, sondern etwas Raffinierteres.
Jn: Ich glaube, die würde ich gerne mal live sehen.

3) Side of the Road
Jn: Gutelaunemusik ist das aber nicht. Und da ist Dan Mangan…
Ch: …dessen Songs genauso klingen würden, wenn er nicht so bodenständig…
Jn: …sondern etwas verkopfter und trauriger wäre.
Ch: Seltsam, dass wir sowas als Lob meinen.

4) Above the Ground
Ch: Das gefällt mir auch wieder sehr gut. Ich mag hier beide Stimmen sehr gerne.
Jn: Wobei es trotz der üppigen Instrumentierung sehr ruhig klingt. Bei Get Well Soon wäre das zum Beispiel ganz anders.

5) Let Me Go
Ch: Ich war am Anfang etwas skeptisch wegen der ganzen Gastsängerinnen und -sänger, weil ich befürchtete, die Platte könnte wie ein Album von Santana klingen. Der spielt immer das gleiche Gitarrensolo und entweder Beyonce oder Chad Kroeger singt dazu. Zum Glück ist das hier qualitativ ungefähr das genaue Gegenteil. Zum ersten Mal haben wir nun einen etwas lauteren Song – mit Spoken-Word-Einlage.
Jn: Was ja auch Sinn ergibt, weil Mark Berube schon ein paar Alben mit einer Spoken-Word-Band veröffentlicht hat.

6) When We Are Old
Jn: Wir sind schon alt.

7) My Me Lady
Ch: Das ist jetzt der Irish-Folk-Song…
Jn: Näääääääg!
Ch: Das erste Lied, das mir nicht so gut gefällt.
Jn: Mir gehts da genauso. Das ist eher was für Batikkleidträgerinnen. Ich hatte nie ein Batikkleid. NIE!

8) Last Call
Jn: Das war aber sehr kurz, das Lied.
Ch: Eher ein vertontes Gedicht.

9) Hurricane / Little Quiet Scream
Ch: Nach einem kleinen Durchhänger gehts jetzt wieder steil bergauf. Akkordeon ist meiner Meinung nach immer noch ein sehr unterschätztes Instrument.
Jn: Wenn die live auftreten, haben die sich auf der Bühne sicher immer so ein kleines Wohnzimmer eingerichtet, glaube ich. Mit Teppich und Stehlampe.
Ch: Und einem Globus.

10) Siberia
Jn: Die letzten Songs waren ein wenig positiver, aber nun herrscht wieder eine sehr gedrückte Stimmung.
Ch: Sibirien ist halt nicht so positiv. Ich stelle mir das total heruntergekommen und menschenfeindlich vor. Fast wie Berlin  – nur mit besserem Wetter.
Jn: Und mit weniger Psychopathen. Also wie Neukölln in nett?

11) Gone Clear
Ch: Ich mag gezupfte Streichinstrumente, fällt mir eben auf. Auch wieder sehr schön.
Jn: Was mittlerweile gar nicht mehr extra betont werden müsste, weil bisher wirklich fast alles sehr fein war.

12) Manitoba
Ch: Bei Manitoba muss ich immer an John K. Samson denken, was mich sehr freut. Selbst bei so einem kurzen Outro.

Fazit
Ch: Seltsam, dass das das erste Album von Mark Berube ist, das bei uns offiziell veröffentlicht wird – und selbst das erst mit einem Jahr Verspätung. Seit dem Erfolg von Arcade Fire wird doch sonst auch alles, was aus Kanada kommt, ungefragt auf den Markt geschmissen. Und das hier ist doch einwandfreie Musik – kluge Songs, hervorragend instrumentiert und mit einem etwas höheren Anspruch.
Jn nickt

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