Comic: Mein Leben mit Mr. Dangerous

Vorgestern ist es ja schon kurz angeklungen: Es wird langsam, aber sicher Herbst. Um schon einmal in die richtige Stimmung dafür zu kommen, empfiehlt sich die Lektüre von Paul Hornschemeiers neuer Graphic Novel „Mein Leben mit Mr. Dangerous“. Wie alle Geschichten des Amerikaners sprüht auch dieser, in mehreren kurzen Episoden erzählte Ausschnitt aus dem Leben der 26 Jahre alten Amy nämlich nicht gerade vor Frohsinn, wobei er weit entfernt ist von der atemberaubenden Traurigkeit des tragischen „Komm zurück, Mutter“.

Amy, eine recht unscheinbare junge Frau, lebt in einer namenlosen Stadt im Mittleren Westen in einem ebenso unscheinbaren Apartment mit ihrem Kater Moritz, der neben der äußerst seltsamen TV-Serie „Mr. Dangerous“ die einzige Konstante in einem Leben ist, das längst ins Stocken geraten scheint. Von ihrem Traum, einmal einen eigenen Spielzeugladen zu besitzen, hat sich Amy schon seit einer ganzen Weile verabschiedet – stattdessen quält sie sich jeden Tag zu ihrer langweiligen Arbeit im Einkaufszentrum, trifft sich zum Essen mit ihrer Mutter, die in ihr immer noch das kleine Mädchen von einst sieht und schlittert von einer unglücklichen Beziehung in die nächste. Nur die Sehnsucht nach ihrem mittlerweile nach San Francisco umgezogenen Freund Michael hält ein wenig die Hoffnung aufrecht, dass dieses Leben vielleicht doch noch etwas Besseres zu bieten hat…

Wie alle Bücher von Paul Hornschemeier ist auch „Mein Leben mit Mr. Dangerous“ trotz des ungewohnt glücklichen Endes nicht nur sehr melancholisch und nachdenklich ausgefallen, sondern aufgeladen mit Symbolen und versteckten Hinweisen, die man – falls überhaupt – beim ersten Lesen noch nicht unbedingt versteht. Den Lesefluss stört das zwar ein klein wenig, aber der feine Humor und die wieder einmal großartigen, gleichermaßen nüchternen wie detailverliebten Zeichnungen des Amerikaners entschädigen für kleinere Längen. Da „Mein Leben mit Mr. Dangerous“ außerdem wie bereits erwähnt nicht ganz so traurig wie „Komm zurück, Mutter“ und nicht ganz so verschwurbelt  daherkommt wie das sehr philosophische „Die drei Paradoxien“, eignet sich der Band bestens als Einstieg in das faszinierende und kluge Werk des aus Ohio stammenden Comickünstlers.

„Mein Leben mit Mr. Dangerous“ von Paul Hornschemeier  ist bei Carlsen Comics erschienen, hat knapp 160 Seiten und kostet 19,90 Euro.

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