Kritik: Get Well Soon

Get Well Soon – „The Scarlet Beast O´Seven Heads“ (City Slang, 24.08.12)

Ein neues Album von Get Well Soon ist auch insofern ein kleines Ereignis, weil es bei uns im Lande – da brauchen wir uns leider gar nichts vorzumachen – nicht allzu viele Musiker gibt, die mit einem ähnlichen Talent gesegnet sind wie Konstantin Gropper. Trotzdem waren wir nach dem Hören des neuen, mittlerweile dritten Werks „The Scarlet Beast O´Seven Heads“ nicht ganz so euphorisch wie beim immer noch unerreichten Debüt „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ und dem von der Kritik leider mit gemischten Gefühlen aufgenommenen „Vexations“. Get Well Soon klingen 2012 deutlich weniger depressiv und orchestral als früher, dafür (noch) mehr nach Italo-Western und pastellfarbenen Filmen aus den Fünfzigern. Am Ende ist die Platte aber vor allem eines: Geschmackssache.

1) Prologue
Jn: Immer mehr Alben beginnen mittlerweile mit einem Prolog – damit kann ich eigentlich nicht allzu viel anfangen.
Ch: Wobei der hier ja ein vollwertiges Lied mit Gesang und einer Dauer von fast fünf Minuten ist.
Jn: Trotzdem plätschert es einfach so vor sich hin. Den Start in ein wirklich schönes Album stelle ich mir anders vor. Dabei mag ich Get Well Soon sehr gerne.

2) Let Me Check My Mayan Calendar
Jn: Großartiger Songtitel!
Ch: Aber schon nach wenigen Sekunden befürchte ich, dass mir das wieder eher nicht gefällt.
Jn: Als Prolog wäre das allerdings mit seiner Kürze eher geeignet. Und es wird doch ganz gut.
Ch: Joar – hat mir jetzt nichts gegeben.

3) The Last Days Of Rome
Ch: Was macht denn das 80er-Jahre-Discoschlagzeug da?
Jn: Klingt ganz untypisch für Get Well Soon. Mach was!
Ch: Was denn? Ich bin gerade echt ein wenig sprachlos. Live klingt der Teil mit den Trommeln sicher nicht schlecht, aber so auf Platte brauche ich das nicht.
Jn: Wenn man das öfter hört, wird das bestimmt besser. Das muss eben etwas wachsen.

4) The Kids Today
Ch: Mich enttäuscht, dass auf dem Album bisher so viele Instrumente vom Synthesizer ersetzt wurden. Schlagzeug, Klavier, Streicher – alles aus der Konserve. Da hätte ich mir echt mehr erwartet.
Jn: Bei den Streichern bin ich mir aber gar nicht sicher – die sind vielleicht wirklich echt. Trotzdem finde ich schade, wie sich die Band jetzt entwickelt hat. Zuletzt ging es ja immer mehr in Richtung Orchester und nun ist es fast schon etwas arg poppig.
Ch: Jetzt auch noch ein Fade Out am Ende…
Jn: …und gleich danach wieder ein Fade In!
Ch: War das Absicht oder hat da der Mixer am falschen Knopf gedreht?

5) Roland, I Feel You

Ch: Das klingt jetzt wieder fast so wie früher. Ist gleich besser, aber auf den anderen beiden Alben wäre mir das trotzdem nicht groß aufgefallen.
Jn: Konstantin Gropper klingt da ein wenig wie David Bowie. Mir fehlt insgesamt das Dunkle und Mystische – das hört sich eher nach Salonmusik aus den 50ern an.
Ch: Oder wie die Titelmelodie für einen neuen James-Bond-Film.

6) Disney
Jn: Wartest du auch darauf, dass etwas passiert?
Ch: Jetzt! Nee, doch nicht.
Jn: Aber der Songtitel erschließt sich doch sehr schnell. Am Ende ist es trotzdem ziemlich gut.

7) A Gallows
Jn: Das ist dann wohl der Hit der Platte.
Ch: Klingt auch wieder okay, ist aber einfach nichts Besonderes.
Jn: Gegen Ende wird es dann allerdings schon typisch Get Well Soon. Wenn wir einfach ohne die Erwartung herangegangen wären, dass sich die Platte wieder so ähnlich anhört wie die beiden vorherigen Alben, wären wir vielleicht jetzt nicht so kritisch. Es ist ja auch wirklich keine schlechte Musik.
Ch: Das nicht. Aber eben nicht unbedingt Musik, mit der ich persönlich viel anfangen kann.

8) Oh My! Good Heart
Ch: Das ist auch eine Veränderung: Die Songtitel des ersten Albums waren noch voller Ausrufezeichen und hier haben wir jetzt erst das allererste.
Jn: Ich bin mir sicher, dass die Platte nach einigen Hördurchgängen noch wesentlich besser wird.

9) Just like Henry Darger
Ch: Das Hauptwerk von Henry Darger hat 15.145 Seiten. Das reicht für einen längeren Urlaub, wobei das sicher nicht unbedingt die leichte Liegestuhl-Kost ist.
Jn: Konstantin Gropper hat das bestimmt komplett gelesen.
Ch: Das ist nun auch der erste Song, an dem ich überhaupt nichts auszusetzen habe. Gefällt mir gut.
Jn: Wirklich sehr schön ist das. Ein richtiges Get Well Soon-Lied eben – es gibt doch noch Hoffnung!

10) Dear Wendy
Ch: Ja, ist halt so ein Einschub. Mit Space-Sounds!

11) Courage, Tiger!
Ch: Mir ist das einfach zu sehr 80er Jahre. Abgesehen davon ist es aber total in Ordnung.
Jn: In ihrem Verlauf werden die Songs bisher stetig besser. Und gegen Ende ist gerade das hier richtig schön.

12) The World´s Worst Shrink
Jn: Irgendwie ist das eher ein Lückenfüller.
Ch: Schon der zweite innerhalb kürzester Zeit.

13) You Cannot Cast Out the Demons (You Might As Well Dance)


Ch: Zum Abschluss noch ein klassisches Get Well Soon-Stück. Das versöhnt mich nun doch etwas.
Jn: Sogar mit den aus “Seneca´s Silence” bekannten Jungfern im Hintergrund.

Fazit
Ch: Schwierig, da jetzt ein kurzes Fazit zu ziehen. Anfangs war ich etwas irritiert und enttäuscht, aber insgesamt muss ich sagen, dass mir das Album trotz einiger eher seltsamer Lieder doch recht gut gefällt. Zwar nicht so gut wie die beiden anderen, aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Wochen und Monaten noch.
Jn: Dem kann ich mich nur anschließen. Nach dieser Filmmusik zu “Xanadu” ist die Platte ja nur eine logische Weiterentwicklung. Noch ein paar Mal anhören, dann wird das schon.

Tourdaten:
14.09.12 Hamburg – Große Freiheit 36
17.09.12 München – Theaterfabrik
18.09.12 Leipzig – Werk 2
19.09.12 Dresden – Alter Schlachthof
20.09.12 Berlin – Astra
21.09.12 Bielefeld – Forum
04.10.12 Düsseldorf – New Fall Festival
05.10.12 Heidelberg – Enjoy Jazz Festival
06.10.12 (CH) Vevey – Rocking Chair
07.10.12 Freiburg – Jazzhaus
08.10.12 Frankfurt – Mousonturm
14.10.12 (LU) Luxembourg – Rockhal
03.11.12 (CH) Zürich – Mascotte
04.11.12 (CH) Luzern – Schüür
05.11.12 (AT) Graz – Orpheum
06.11.12 (AT) Wien – Arena
07.11.12 (AT) Salzburg – Rockhouse

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