Live: Beirut

Beirut, Joasihno – München, TonHalle (18.09.12)

Foto: Kim Erlandsen // Flickr | NRK P3 | (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein Beirut-Konzert in München habe ich mir idealerweise bisher immer als eine Art Prozession durch den Englischen Garten vorgestellt – vorne marschiert die Band, hinterher trottet das Publikum und zwischendurch werden Brezen, Bier und Obatzter gereicht. Da die Realität aber immer grauer aussieht als in den farbenprächtigen Wunschträumen, wurde für das erste Gastspiel von Zach Condon und Co. in der bayerischen Landeshauptstadt mit der TonHalle eine zweckmäßige, zwischen Tabledance-Schuppen, Spielhallen und anderen Amüsierbetrieben jenseits ihrer besten Tage angesiedelte Lokalität gefunden. Eine besonders herzliche Atmosphäre brauchte sich also niemand zu erhoffen, dafür kamen Freundinnen und Freunde (falls es diese wirklich geben sollte) stickiger Luft, bedrückender Enge und eines stetigen Hintergrundgemurmels in der restlos ausverkauften Halle voll auf ihre Kosten.

Doch von Anfang an: Den Abend eröffnete der sehr umtriebige Lokalmatador Joasihno – diesmal begleitet von einem Schlagzeuger – der in ein paar Wochen auch als Support von The Notwist im Erlanger E-Werk zu sehen sein wird. Was vom kurzen Auftritt von Cico Beck und seinem Mitmusiker neben dem beeindruckenden Arsenal an verwendeten Instrumenten und Gerätschaften vor allem in Erinnerung blieb, war die teils arg grenzwertige Lautstärke, die immer wieder die vielen kleinen Details zu erdrücken drohte. Kein Zweifel, Joasihno hat jede Menge Ideen und verfügt über großes Talent und überbordende Spielfreude. Gelingt es ihm irgendwann noch, aus all dem wirklich zwingende Songs zu machen, geht das Ganze durch die Decke. Oder zumindest ins Vorprogramm von Sigur Rós.

Beirut, als Sextett und ohne den zur Zeit mit David Byrne und St. Vincent tourenden Kelly Pratt angetreten, lieferten  im Anschluss ein schnörkelloses, stellenweise mitreißendes, aber eben auch weitgehend überraschungsarmes und manchmal fast etwas zu routiniert vorgetragenes gut anderthalbstündiges Set ab, das mit der fast schon klassischen Eröffnung (hier nachzuhören)  „Scenic World“, „The Shrew“, „Elephant Gun“, „Vagabond“ und „Postcards From Italy“ begonnen wurde und im weiteren Verlauf kaum einen Hit vermissen ließ. Unterhaltsam und ziemlich schön war das zwar immer – allein der stets wahnsinnig engagierte und glücklich wirkende Schlagzeuger Nick Petree wäre schon das Eintrittsgeld wert gewesen – doch hin und wieder fehlte eben das gewisse Etwas, das aus einem Konzertbesuch ein einmaliges Erlebnis macht. Der Herr ein paar Reihen hinter uns, der irgendwann einmal anmerkte „das klingt alles genau wie auf CD“ mag das zwar anerkennend gemeint haben, aber in gewisser Weise beschrieb er den Knackpunkt des Abends damit recht treffend.

Am Ende war es ein gutes Konzert ohne wirklich eklatante Schwächen (eine kleine Rückkopplung kann es ja immer mal geben), aber eben auch nicht mehr. Für einen Abend, der lange in Erinnerung bleibt, hätte es allerdings schon etwas mehr sein dürfen.

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2 Kommentare

  1. Beirut! ♡
    Die hab ich vor Jahren mal im Docks (?) gesehen, stand aber in der letzten Reihe. Das Konzert war okay, aber ich stimme Dir zu: open air wäre hierfür fantastisch!

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