Kritik: Jason Lytle

Jason Lytle – „Dept. of Disappearance“ (Anti-, 12.10.2012) 

2012 ist bisher ein sehr gutes Jahr für die treue Fangemeinde von Grandaddy. Immerhin verkündete die Indie-Rock-Institution aus dem kalifornischen Modesto im Frühjahr ihren Rücktritt vom 2006 beschlossenen Rücktritt und spielte im Sommer diverse gefeierte Comeback-Konzerte (leider fand keines davon in Deutschland statt). Über ein neues Grandaddy-Album kursieren momentan höchstens wilde Gerüchte, aber immerhin erfreut uns Jason Lytle mit einer weiteren Soloplatte, die die Wartezeit auf eine eventuelle LP der Band erheblich verkürzt. Wir haben uns „Dept. of Disappearance“ vorab schon einmal zu Gemüte geführt:

1) Dept. of Disappearance


Jn: Das „düdelüüü“ im Hintergrund ist typisch Grandaddy.
Ch: Und typisch 90er. Wenn ich nicht wüsste, dass das ein neues Album ist, würde ich das ungefähr auf 1997 schätzen.

2) Matterhorn
Jn: Wie hoch ist das Matterhorn? Sowas weißt du doch immer.
Ch: Arg hoch. 3700 Meter oder so. (Wikipedia sagt 4478 Meter) Oh, das hätte ich jetzt nicht gedacht. (klärt Jn daraufhin auch noch – diesmal richtig – über die Höhe des Mount Everest auf)
Jn: Wie gefällt dir eigentlich das Lied?
Ch: Nicht ganz so gut wie das erste – ein wenig langweiliger ist es.
Jn: Aber auch wieder unverkennbar Grandaddy.

3) Young Saints
Ch: Wenn sich Grandaddy schon reformiert haben, hätten sie doch auch das Album als Comeback-Platte verkaufen können…
Jn: Naaaa, sowas macht man doch nicht! Wobei ich schon das Gefühl habe, jeden Song bereits zu kennen.

4) Hangtown
Ch: Insgesamt ist das ja schon eher Musik für ältere Leute, die so etwas von früher kennen und sich freuen, dass es das heute auch noch gibt.
Jn: Du hast uns gerade als “ältere Leute” bezeichnet! Für mich sind ältere Leute eher unsere Eltern oder Großeltern.
Ch: Ja schon, aber dass Jason Lytle jetzt den typischen Teenager, der normalerweise Cro hört oder was es da heute sonst noch gibt, hinter dem Ofen hervorlockt, wage ich zu bezweifeln.

5) Get Up And Go


Jn: Jetzt kommt mal wieder etwas mehr Pepp in die Sache, wie Leute in unserem Alter sagen.

6) Last Problem of the Alps
Ch: Zuerst “Matterhorn” und nun “Last Problem of the Alps” – langsam entwickelt sich das zu einem Konzeptalbum über die Alpen. Dieser Zwischenteil könnte auch glatt von Get Well Soon kommen – eher von einer ihrer ersten beiden Platten. Insgesamt sehr schön…
Jn: …aber mit zunehmender Dauer fällt es immer schwerer, die einzelnen Lieder voneinander zu unterscheiden.

7) Willow Wand Willow Wand
Ch: Die Songtitel werden immer großartiger. Ganz früher, als ich mit 15 im Rolling Stone davon gelesen habe, dachte ich, dass es sich bei Grandaddy um eine Countryband handeln muss.
Jn: Als ich die 2003 oder 2004 zum ersten Mal live gesehen habe, sahen die auch aus wie eine Countryband. Das waren alles Schrate mit Bärten und Holzfällerhemden.
Ch: Ich trage heute ausnahmsweise mal kein Karohemd.

8) Somewhere There´s A Someone
Ch: Das ist nun die traurige Ballade des Albums. Gefällt mir ganz ausgezeichnet – allein der sehr tröstliche Titel schon.

9) Chopin Drives Truck to the Dump
Ch: Wars das schon? Höchstens 40 Sekunden waren das doch jetzt nur…

10) Your Final Setting Sun


Jn: Das ist nach “Get Up and Go” der zweite heimliche Hit des Albums.

11) Gimme Click Gimme Grid / Fazit
Jn: Und nun folgt noch der Rausschmeißer.
Ch: So viel haben wir jetzt gar nicht gesagt zu den einzelnen Songs. Vielleicht, weil sich das ganze Album irgendwie von selbst erklärt.
Jn: Wenn man Grandaddy oder Built to Spill mag, ist man mit “Dept. of Disappearance” jedenfalls auf der sicheren Seite.
Ch: Einer wie Jason Lytle muss ja auch nicht mit jeder Platte das Rad neu erfinden. Wenn er einfach immer das weiter macht, was er schon immer gemacht hat, reicht mir das vollkommen.

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