Vier Ohren

diesmal mit Jim James und Night Beds

Night Beds

Ein etwas trister Nachmittag im Februar verlangt geradezu nach einer Kanne Tee und ein paar wärmenden Klängen. Ausgerüstet mit zwei neuen Platten machten wir es uns auf dem Sofa bequem und stellten zu unserer Ernüchterung fest, dass uns „Regions of Light and Sound of God“, das andernorts in den höchsten Tönen gelobte Solo-Debüt von Jim James (bekannt als Frontmann von My Morning Jacket und Mitglied der Monsters of Folk), so gar nicht zusagt. Viel zu psychedelisch, das Ganze – fast so, als wäre Jim James mittlerweile zum Guru einer obskuren Sekte aufgestiegen, deren Anhänger den ganzen Tag zu diesen seltsam blassen, sphärischen Melodien meditieren müssen. Dementsprechend schnell wurde die LP wieder zu den Akten gelegt.

Auf deutlich mehr Begeisterung unsererseits stieß dann schließlich „Country Sleep“, das erste Album des jungen Amerikaners Winston Yellen alias Night Beds. Die Platte wurde zumindest teilweise in einem Studio im ehemaligen Haus von Johnny Cash und June Carter aufgenommen, lebt von ihrer hübsch zeitlosen Countrylastigkeit und Winston Yellens sehr beeindruckender Stimme:

Faithful Heights
Ramona
Jn: Nach dem etwas seltsamen a cappella-Beginn hätte ich nicht erwartet, dass es doch so gut wird.
Ch: Ich mag a cappella-Stücke generell nicht so gerne. Bei Konzerten flippen da die Leute immer aus, während ich beinahe einschlafe. Aber der zweite Song gefällt mir nun wirklich gut – ich mag auch die Stimme…
Jn: …die sehr angenehm und unaufdringlich ist.

Even If We Try
Ch: Insgesamt klingt das ein wenig altmodisch – allerdings im positiven Sinne. Könnte glatt irgendwann in den Fünfzigern oder Sechzigern aufgenommen worden sein.
Jn: So wie das Album von Jim James eben.
Ch: Allerdings ist das hier deutlich besser. Ich bin zuversichtlich, dass wir nun bis zum Ende durchhalten.

22
Jn: Das Lied erinnert mich ein wenig an Other Lives, nur in weniger bombastisch.
Ch: Ja, das triffts gut. Bisher ist das mein Favorit auf dem Album.

Borrowed Time
Ch: Und nun ein Country-Schunkler hinterher.
Jn: Dafür, dass es so countrylastig ist, mag ich es sehr gerne. Normalerweise gefällt mir das nämlich nicht so gut.

Cherry Blossoms
Ch: Das ist eine Platte, die man sich gut spätabends mit Kopfhörern anhören kann.
Jn: Oder, wenn man morgens mit dem Zug zur Arbeit fährt und noch ein wenig Entspannung braucht.
Ch: Oder, wenn man mit seinem Lastwagen über den einsamen Highway braust.
Jn: Sagt der Mann ohne Führerschein.

Wanted You In August
Ch: Den Song mag ich jetzt nicht ganz so gerne. Mir ist das zu psychedelisch.
Jn: Und irgendwie fehlt da auch eine klare Struktur.

Lost Spring
Ch: Aber jetzt gehts ja schon wieder aufwärts. Der Refrain ist hier bezaubernd.
Jn summt mit: Wirklich sehr schön!

Was I For You
Jn: So gut mir das bisher auch gefällt – ziemlich ähnlich klingen die meisten Lieder schon…

TENN
Ch: Das ist auch wieder sehr schön – und ziemlich ergreifend. Ich muss bei solchen Songs immer fast weinen.
Jn: Kämpfst du schon mit den Tränen?
Ch: Noch nicht. Zum Schluss wirds ja ein wenig schwungvoller, das heitert meine Stimmung wieder etwas auf.

Fazit
Jn: In den Momenten, in denen es Richtung Other Lives ging, fand ich das Album richtig toll, aber gegen Ende hin wurde es etwas schwächer. Insgesamt aber schon gut.
Ch: Mir hat die Platte eigentlich uneingeschränkt gefallen. Abgesehen von den wenigen etwas psychedelisch angehauchten Momenten. Ich bin mir sicher, dass ich mir „Country Sleep“ noch ganz oft anhören werde.

  • Jim James – „Regions of Light and Sound of God“ (Cooperative Music, 8.2.2013)
  • Night Beds – „Country Sleep“ (Dead Oceans, 8.2.2013)
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