Kritik: James Vincent McMorrow

James Vincent McMorrow: „Post Tropical“

Nach „Harlequin Dream“ von Boy & Bear kommt mit James Vincent McMorrows Zweitwerk „Post Tropical“ schon die nächste Platte mit einer fragwürdigen Covergestaltung. Immerhin stellen einige der Songs, wie das Titelstück mit seinen tänzelnden Gitarren (die Tropenkulisse!) oder „Glacier“ (der Eisbär!) eine gewisse inhaltliche Verbindung zum Artwork her. Ansonsten ist „Post Tropical“ allerdings zum Glück weniger pastellfarbig ausgefallen.

Überhaupt ist James Vincent McMorrow ja ein Künstler, bei dem wenig so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Wer mit dem Iren noch nicht vertraut ist, könnte allein von dessen Namen und dem unprätentiösen Äußeren auf einen weiteren bodenständigen Songwriter mit akustischer Gitarre und beherzter Stimme schließen. In Wirklichkeit spielt der 30-jährige mit seinem Falsettgesang und dem Hang zu orchestraler Opulenz allerdings eher in einer Liga mit melodramatischen Paradiesvögeln wie Scott Matthew oder Anthony Hegarty.

Der Nachfolger des viel gelobten, 2010 erschienenen „Early in the Morning“ beginnt mit dem leicht überkandidelten, souligen „Cavalier“, in dem der Ire seine Stimme in selbst für seine Verhältnisse ungeahnte Höhen schraubt, wenn er „I remember my first love“ quietscht, etwas gewöhnungsbedürftig. Schon auf dem folgenden „The Lakes“ allerdings wird „Post Tropical“ deutlich zurückgenommener und die charakteristischen Elemente, die sich wie ein roter Faden durchs ganze Album ziehen, treten deutlicher hervor. Fast in jedem Stück herrscht eine fast schon feierliche Grundstimmung, Synthesizerklänge dominieren das Geschenen, dazu gesellen sich stoische Percusssion, Handclaps und vielstimmige Hintergrundchöre.

Hin und wieder hat es James Vincent McMorrow mit dem Synthesizer-Einsatz ein wenig zu gut gemeint und der Falsett-Gesang wird sowieso immer Geschmackssache bleiben, aber in seinen besten Momenten – wie dem wunderbaren „Repeating“, das mit eher wenig Firlefanz auskommt, sich aber dennoch immer weiter steigert – ist „Post Tropical“ ein zauberhaftes, sehr berührendes Album geworden.

„Post Tropical“ erscheint am 17. Januar bei Believe Recordings.- James Vincent McMorrow auf Tour: 8.2.14 Dortmund – Konzerthaus, 14.2.14 München – Freiheiz, 15.2.14 Frankfurt – Brotfabrik, 17.2.14 Berlin – Heimathafen Neukölln, 18.2.14 Hamburg – Knust.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s