Finner: „The Seaside Stories“

Das Video zur aktuellen Single „Lost in the Sea“ lässt kaum einen Zweifel an der Herkunft seines Protagonisten: Der junge Herr, der da mit Seemannsmütze und Ostfriesennerz durch eine Küstenlandschaft radelt, kommt natürlich aus dem Norden der Republik – genauer gesagt aus dem Städtchen Rotenburg an der Wümme. Darüber, wie viel Zeit Thorsten Finner zuletzt zu Hause verbracht hat, kann nur spekuliert werden, aber die Vermutung liegt nahe, dass es nicht allzu viel gewesen sein dürfte, denn immerhin war er als Frontmann der Indierock-Band Everlaunch in den vergangenen Jahren ganz gut im Geschäft und dementsprechend unterwegs.

Nun folgt unter dem schlichten Namen Finner und mit dem Album „The Seaside Stories“ ein Neustart und eine Art Rückbesinnung aufs Wesentliche, was jedoch nicht bedeutet, dass die Solostücke arg minimalistisch oder – was immer man darunter verstehen möchte (Seemanns-Shantys vielleicht) – gar „norddeutsch“ ausgefallen ist. „Lost in the Sea“, der vielversprechende Auftakt des ein Dutzend Songs umfassenden Werks, klingt vielmehr nach US-Indiepop und weckt vom Gesanglichen her Erinnerungen an Nada Surf, während die sanft dosierten elektronischen Spielereien eher an Death Cab For Cutie denken lassen. Beim folgenden „Stormy Skies“ mit seinen sonnigen Gitarrenläufen und dem goldigen, von Glockenspiel versüßtem „Barricade“ lugen Maritime um die Ecke, während das liebenswert wehmütige „Oh, Wanderlust!“ und die von hervorragenden Streichern begleitete Ballade „Mr. Ferryman“ mit ein wenig mehr Ernst zur Sache gehen.

Dabei bewegt sich „The Seaside Stories“ jedoch nicht nur in bevorzugt amerikanischen Gefilden (dazu gehört auch das leicht countryfizierte, aber leider nicht ganz so grandios gelungene „Don’t Get Me Wrong“), sondert klingt zuweilen – wie im stark an Oasis erinnernden „The Bearded Man“ – sogar ein wenig britpoppig. Höchst abwechslungsreich ist es also, Finners Solo-Debüt. An sich ist das natürlich ein Vorteil, aber manchmal fehlt der Platte dadurch auch ein wenig der rote Faden. Das und der Umstand, dass einige der Songs etwas arg schablonenhaft ausgefallen sind, können der Tatsache, dass „The Seaside Stories“ ein schönes Album für den Frühling geworden ist, kaum etwas anhaben.

„The Seaside Stories“ erscheint am 14. März bei Greywood Records. Die Single „Lost in the Sea“ ist inklusive der B-Seite „Brotherly Love (acoustic)“ bereits erhältlich.

Finner auf Tour: 1.3. Rotenburg – Pestalozzi-Halle, 13.3. Hamburg – Uebel & Gefährlich (Turmzimmer), 14.3. Berlin – Privatclub, 3.4. Köln – Die Wohngemeinschaft, 4.4. Düsseldorf – Brause, 5.4. Stuttgart – Café Galao, 6.4. Darmstadt – Bedroomdisco, 7.4. Heidelberg – Actionhouse, 8.4. Leipzig – Wärmehalle Süd, 9.4. Greifswald – Brasserie Hermann, 10.4. Lübeck – Tonfink, 11.4. Trittau – Alter Bahnhof, 12.4. Bremen – Schnürschuhtheater, 10.5. Bordesholm – Albatros, 13.6. Hemslingen – Kulturhaus Brockwischenhus, 14.6. Norderney – Taschentheater.

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