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Locas In Love: Use Your Illusion 3&4

Locas In Love

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass jede ordentliche Rockband irgendwann in ihrer Karriere ein Doppelalbum veröffentlichen muss. Bei Locas In Love, der nach wie vor besten Indie-Formation des Landes, ist es nun also so weit und weil die Kölner keine halben Sachen machen, knüpft „Use Your Illusion 3&4“ zumindest vom Titel her nahtlos an jenes Werk an, mit dem Guns N‘ Roses vor beinahe einem Vierteljahrhundert endgültig in den Größenwahn abdrifteten. Ähnliches ist bei Stefanie Schrank, Björn Sonnenberg, Jan Niklas Jansen und Saskia von Klitzing selbstredend nicht zu befürchten und ausladende Pathos-Balladen im Stile von „November Rain“ finden sich auch nicht auf den beiden Alben, von denen eines instrumental gehalten ist und verschiedene Kölner Orte, Straßen und Plätze irgendwo zwischen Kraut- und Post-Rock vertont.

Herzstück von „Use Your Illusion 3&4“ ist aber natürlich die „Platte mit den Texten“. Da knüpfen Locas In Love in bewährter Manier an ihre früheren Werke an und verhandeln die großen und kleinen Fragen des Daseins (die mit einem lakonischen „wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht vielleicht“ abgehandelt werden), die Widrigkeiten der Liebe, nagende Selbstzweifel und das diffuse Gefühl, im Leben nicht so recht von der Stelle zu kommen, stets ein wenig klüger und gewitzter als die meisten anderen Bands. Ein wenig Gesellschaftskritik wie im drängenden Opener „Blackbox“ darf nicht fehlen, ebenso wenig wie allerlei popkulturelle Referenzen an Palais Schaumburg („Wir bauen eine neue Stadt“) oder die Smiths („Da ist ein Licht“), und auch der immer wieder gerne erwähnte „Martin“ hat in „Neue Sachen“ einen kleinen Gastauftritt:

Martin ist jetzt Lehrer
überhaupt sind ganz schön viele jetzt Lehrer
oder in irgendwelchen Agenturen oder Büros
und werden Eltern

Große Klasse ist das ebenso melancholische wie eingängige „Durch die Dunkelheit“, in dem es heißt:

Ich weiß, wir alle straucheln, wir alle fallen, wir alle scheitern
doch ich gewöhn‘ mich nicht daran
es wird einfach nicht leichter
wir stolpern alle durch die Dunkelheit

Dort und im ebenso grandiosen, beinahe hymnischen „Teenager“, in dem Björn Sonnenberg feststellt, seit nunmehr zwanzig Jahren nach den Denkmustern eines Teenagers zu handeln („ich warte einfach nur, bis etwas passiert / ich warte auf etwas, das mich interessiert“) wird zudem besonders deutlich, dass Locas In Love nicht nur mit ihren Texten auf der Höhe ihres Schaffens angekommen sind, sondern in musikalischer Hinsicht ebenfalls noch einmal einen ganzen Schritt nach vorne gemacht haben und dank großzügigem Streicher- und Bläsereinsatz streckenweise stark an The National erinnern. Höchste Zeit also, dass man die Band auch dafür liebt und nicht allein wegen des großen Verdiensts, dass sie einen schon so lange begleiten und das Leben ein wenig erträglicher gestalten.


Locas In Love: Use Your Illusion 3&4. Warner Music, erscheint am 20. Februar.- Konzerte: 26.2. Oberhausen — Druckluft, 27.2. Köln — Gebäude 9, 20.3. Düsseldorf — Pitcher, 21.3. Stade — Hanse Song Festival, 19.4. München — Milla, 20.4. Berlin — Monarch, 21.4. Jena — Café Wagner, 23.4. Hamburg — Thalia Theater, 24.4. Frankfurt — Das Bett, 25.4. Dortmund — Sissikingkong.

Fast wie bei Wes Anderson

Musikalisch und visuell hervorragend: Das neue Video von Michael Feuerstack

Vor einer Weile ist der Kanadier Michael Feuerstack – Vorsicht, schlechtes Wortspiel – aus seinem Schneckenhaus gekrochen und hat seinen langjährigen Künstlernamen Snailhouse abgelegt. Musikalisch verändert hat sich beim sympathischen und klugen Songschreiber, der neben seiner Solotätigkeit seine Finger noch bei unzähligen anderen Bands mit im Spiel hat, trotz dieser nominellen Neuausrichtung zum Glück nicht allzu viel und so war auch das im Frühjahr 2013 erschienene Album „Tambourine Death Bed“ wieder ein kleiner Diamant.

Ganz hervorragend ausgefallen ist nun auch das Video zu „Scorekeeper“, dem letzten Song auf „Tambourine Death Bed“, das Michael Feuerstack als leicht verbitterten ehemaligen Champion der obskuren Sportart „Wall-Ball“ zeigt. Regie führten zwar Scott Da Ros und AJ Korkidakiu, aber wer beim Ansehen unweigerlich an Wes Anderson denken muss, liegt sicher auch nicht ganz daneben.

Boho Dancer | Tour im Oktober

Foto: Patrick Bentley

Foto: Patrick Bentley

Vor gut einem Jahr waren wir ziemlich angetan von „Furry Skin“, der Debüt-EP der dänischen Band Boho Dancer. Danach habe zumindest ich das Trio um die charismatische Sängerin Ida Wenøe allerdings ein wenig aus den Augen verloren und selbst ins inzwischen erschienene Album „Gemini“ habe ich noch nicht hineingehört. Auch so eine Sache, die ich bald einmal nachholen sollte…

Live sind Boho Dancer dann im Oktober wieder bei uns zu sehen. Unter anderem am 14. Oktober im Theater Kuckucksheim im beschaulichen Heppstädt, wo die Kombination „lauschiger Veranstaltungsort + melancholische Musik + Herbst“ einen ganz besonders schönen Konzertabend verspricht.

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Alle Termine:
09.10. Berlin – Live in the Living
10.10. Leipzig – NochBesserLeben
11.10. Chemnitz – Aaltra
12.10. München – Milla
14.10. Heppstädt – Theater Kuckucksheim

Reingehört (1)

Esben Svane: „Always Travel Never Arrive“

Esben Svane

Mit Neuerscheinungen sieht es gegen Ende eines Jahres immer schlecht aus und da kommen Re-Releases wie „Always Travel Never Arrive“, die ursprünglich bereits 2011 veröffentlichte EP von Esben Svane, wie gerufen. Am 20. Dezember soll das sieben Songs starke Debüt des Dänen bei diversen Download-Plattformen neu aufgelegt werden und als kleiner Appetitanreger für den demnächst erscheinenden Nachfolger „The Sudden Stop“ (Songcrafter Music) dienen.

Momentan darf „Always Travel Never Arrive“ bei Bandcamp noch kostenlos heruntergeladen werden. Eine lohnenswerte Sache, zumal die Stücke darauf ziemlich hübsch arrangiert sind und vom Gesang her (wahrscheinlich liegt es am leicht klagenden Tonfall und dem skandinavischen Akzent) ein wenig an Friska Viljor erinnern. Dass auf „Now You Only Get Ill“ außerdem Ida Wenøe (Boho Dancer) einen Gastauftritt hat, macht die ohnehin hörenswerte EP gleich noch ein bisschen besser.- 6,5/10

Benjamin Francis Leftwich: In the Open

Benjamin Francis Leftwich spielt zur Zeit eine Bazillion Konzerte in Großbritannien und Irland, bevor er den Sprung über den großen Teich wagt und mindestens ebenso viele Auftritte in den USA und Kanada absolviert. Irgendwann mitten in diesem Marathon – nämlich am 19. November – veröffentlicht der junge Engländer außerdem seine neue EP „In the Open“ (Dirty Hit Records), deren exzellentes Titelstück Ihr Euch unten bereits anhören könnt:

Tanzboden | Belle & Sebastian DJ Set

Wann? Freitag, 25. März (22 Uhr)

Wo? Club Stereo, Nürnberg

Wer? Belle & Sebastian in Nürnberg – phantastisch! Bevor aber nun vor Freude Purzelbäume geschlagen werden, sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Glasgower Indie-Pop-Institution nicht wirklich an diesem Freitag in Nürnberg spielen wird. Auch die Aushängeschilder der Band, Stuart Murdoch und (die längst ausgestiegene) Isobel Campbell, werden nicht vor Ort sein. Aber immerhin: Keyboarder Chris Geddes kommt mit seiner Plattentasche vorbei und legt allerlei Geschmackssicheres auf. Und das ist doch auch schon was…

Album // Rue Royale: „Guide to an Escape“

Vergangenen September spielten Rue Royale in Fürth und ich war nicht da. Zur Strafe umfahren Ruth und Brookln Dekker auf ihrer derzeitigen Tour Franken großräumig und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich mit den sachten, aber nie zu weichgespülten Tönen des exzellenten aktuellen Albums „Guide to an Escape“ zu trösten.

Seit Kurzem streamt die Platte bei Bandcamp in voller Länge vor sich hin – dort darf sie auch direkt käuflich in Mp3-Form erworben werden. Etwas teurer (vor allem wegen der Portokosten – Sammelbestellung, anyone?!), aber eben auch wesentlich schöner ist allerdings die von Hand und mit viel Liebe zusammengenähte CD-Version

Live:
10.03. Hannover – Feinkost Lampe
12.03. Olbernhau – JUZ
13.03. Cottbus – Galerie Fango (Mittagsshow)
13.03. Berlin – NBI
15.03. Görlitz – Stille Post
16.03. Karlsruhe – Café Nun
19.03. Köln – Motoki Wohnzimmer

Altes | The Prayers & Tears of Arthur Digby Sellers

Besser spät auf etwas Gutes aufmerksam werden als nie: Das letzte musikalische Lebenszeichen von The Prayers and Tears of Arthur Digby Sellers ist schon ein paar Jahre her (der aktuellste Newseintrag auf der Homepage stammt aus dem September 2006) und ohne einem Hinweis auf Slowcoustic wäre die US-Band wahrscheinlich niemals in mein Blickfeld gerückt. Ein herber Verlust, denn ich finde gerade kaum Worte für die Großartigkeit des schwer zu überblickenden Americana-Kollektivs um den herausragenden Geschichtenerzähler Perry Wright, der mich an die Schnittmenge der besten Tugenden von Conor Oberst und John Darnielle erinnert.

Unbedingt empfehlenswert ist die 2006 erschienene B-Seiten- und Raritäten-EP „Redux“, die zum kostenlosen Download bereitsteht.

Mp3: TP & ToADS – „Concerning Lessons Learned From the Aliens“
Mp3: TP & ToADS – „Concerning the End of the World“
Mp3: TP & ToADS – „Lisa“

{Neues} Paper Garden Mixed Greens

Ein Frohes Fest wünsche ich und grüße aus meinem von der Welt abgeschnittenen, verschneiten Chalet!

Während Dutzende Labels, Blogs und Magazine in diesem Jahr in der Adventszeit mehr oder weniger hörenswerte Weihnachts-Mixtapes veröffentlichten, besinnt sich Paper Garden Records einfach auf sein Kerngeschäft und verschenkt eine Auswahl feiner Songs aus dem hauseigenen Katalog. Mit dabei: Alcoholic Faith Mission, Peasant, Emanuel & The Fear, Mighty Tiger und Little Tybee.

[film] „Die Frau des Leuchtturmwärters“

Manche Filme scheinen wie gemacht zu sein für sommerliche Open-Air-Kinoveranstaltungen (bei denen es normalerweise immer regnet oder zumindest eisig kalt ist). Einer von diesen Filmen ist Philippe Liorets „Die Frau des Leuchtturmwärters“ mit Sandrine Bonnaire, Philippe Torreton und Grégori Derangère.

Stimmige Bilder aus der Bretagne des Jahres 1963, liebenswert knurrige Charaktere und eine ausgewogene Mischung aus Romantik, warmherzigem Humor und Dramatik – mehr braucht es manchmal gar nicht…