Radiotipp: „John Grant’s Songs from a Dark Place“

Foto: Garoar Olafsson

Foto: Garoar Olafsson

Morgen ist der 21. Dezember und damit der kürzeste Tag des Jahres. Was liegt also näher, als dieses „Ereignis“ mit ein wenig Musik aus einer Gegend zu begehen, in der man sich auskennt mit Dunkelheit und Tristesse — Island zum Beispiel?

John Grant, selbst im Alter von 43 Jahren von den USA nach Reykjavik umgesiedelt — ein Schritt, der seiner Kreativität noch einmal einen ordentlichen Schub gegeben hat — hat für BBC 6 die einstündige Radiosendung „Songs From A Dark Place“ zusammengestellt, die der britische Sender mit sehr vielversprechenden Worten ankündigt:

„…a documentary exploring the music, magic and rise of Icelandic music and Nordic Noir and how a land deprived of sunlight has become a melting pot for creativity and music featuring Bjork, The Sugarcubes, Sigur Ros, Damon Albarn, Ben Frost and contributions from newer emerging Icelandic talent like Olof Arnalds, Asgeir and Mammut and Fufanu.“


♦ „Songs from a Dark Place“ läuft am Sonntag um 14 Uhr unserer Zeit und kann direkt im Livestream oder nach der Ausstrahlung hier angehört werden.

Gregor McEwan: Video zu „First Leg“, erste Konzerttermine für 2015


In den ersten zwei Minuten seines Anfang 2014 erschienenen aktuellen Albums „Much Ado About Loving“ ist Gregor McEwan selbst gar nicht zu hören. Stattdessen überlässt der in Berlin lebende Songschreiber seiner amerikanischen Kollegin Tess Wiley — die bereits auf dem Debüt „Houses & Homes“ einen Gastauftritt hatte — erst einmal das Feld, ehe er sich später dazugesellt. Zweifellos ist das geschickt konstruierte, sich immer weiter steigernde „First Leg“ einer der großen Höhepunkte der insgesamt sehr gelungenen Platte. Zum Jahresabschluss wurde dem Song ein „galaktisches“ Video spendiert und Anfang 2015 ist Gregor McEwan, der sich — ähnlich wie Bob Dylan — auf einer niemals endenden Tournee befindet, dann auch wieder einmal ein wenig unterwegs.


Termine: 08.01.15 Wuppertal – Utopiastadt, 11.01.15 Münster – Pension Schmidt, 16.01.15 Schrobenhausen – Herzog Filmtheater, 17.01.15 (CH) Brugg – Salzhaus, 18.01.15 (CH) Zürich – El Lokal, 19.01.15 (CH) Luzern – Gewerbehalle, 06.02.15 Kamen – Freizeitzentrum, 07.02.15 Bocholt – Küchenkonzert, 08.02.15 Mülheim an der Ruhr – House And Home Concert.

The Feather: Debütalbum „Invisible“ erscheint Ende Februar, Tour folgt im März


Einigen von Euch ist unter Umständen die belgische Band Dan San ein Begriff. Deren Sänger, Thomas Medard, zeichnet seit einem Weilchen auch für The Feather verantwortlich und widmet sich dort melancholischen Folkpop-Songs, die beinahe zu gleichen Teilen verträumt und minimalistisch wie opulent und zugänglich anmuten. Das oben zu hörende „Sighs“ stammt vom Debütalbum „Invisible“, das in Belgien bereits im Herbst 2013 veröffentlicht wurde und am 27. Februar 2015 auch bei uns erscheint (popup-records). Kurz nach dem Veröffentlichungstermin der Platte geben sich The Feather dann auch live die Ehre und spielen eine Reihe von Konzerten in unseren Gefilden.


Termine: 17.03.15 Mainz – Schon Schön, 18.03.15 Chemnitz – Aaltra, 21.03.15 Berlin – Lido (KarreraKlub), 24.03.15 München – Glockenbachwerkstatt, 25.03.15 Nürnberg – MUZclub, 26.03.15 Freiburg – Swamp, 28.03.15 Stuttgart – Café Galao.

Zwei vorweihnachtliche Geschenke

Weihnachtszeit ist Geschenke-Zeit. Deshalb heute zwei lohnenswerte neue Songs, die zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen.

1) Wer sich nach einem der besten Lemonheads-Songs überhaupt benennt, muss musikalisch schon etwas anbieten, um dem großen Namen zumindest halbwegs gerecht zu werden. The Outdoor Type, ein junger Mann aus Melbourne, bekommt das erfreulicherweise sehr ordentlich hin. „Are You Happy“ ist übrigens die erste Veröffentlichung des Australiers überhaupt, was die Sache gleich noch ein wenig bemerkenswerter macht.


2) Längst keine Newcomer mehr sind natürlich The Great Bertholinis — im Sommer veröffentlichten die Nürnberger mit dem hervorragenden „Brothers & Devils“ bereits ihr viertes Album. Nicht auf die Platte geschafft hat es — sicher nicht aus Qualitätsgründen — die zauberhafte Ballade „Sight You Dancing“, die uns das Oktett nun eben unter den Weihnachtsbaum legt. Live zu sehen sind die Great Bertholinis für Kurzentschlossene heute Abend (11. Dezember) im Schlachthof in Kassel und morgen (12. Dezember) in Wiesbaden, ebenfalls im Schlachthof.


Seafret: Give Me Something

Seafret

Gegen Ende eines Jahres wird nicht nur gerne und ausführlich zurückgeschaut, sondern auch ein Blick auf Kommendes geworfen. In der Welt der Popmusik geschieht das meist in der Weise, dass Bands ausgerufen werden, die im nächsten Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „durch die Decke gehen“. Selbstredend hört man dann von mindestens 80 Prozent der vorab über den grünen Klee Gelobten nie mehr etwas. Insofern sollte es einem also auch herzlich egal sein, dass Seafret gerade als ganz besonders heißer Newcomer gehandelt werden — vielmehr sollte man sich einfach an der Musik der beiden jungen Engländer erfreuen. Ihre erste EP „Give Me Something“ haben Jack Sedman und Harry Draper aus dem beschaulichen Bridlington im Nordosten Englands jüngst veröffentlicht, das sehr gelungene Video zum hübschen Titelstück kann unten begutachtet werden. Eine Sache, die Seafreat anderen „Neulingen“ außerdem voraus haben, ist der Umstand, dass nicht nur die Single zu überzeugen weiß, sondern auch die restlichen, ähnlich minimalistisch arrangierten Songs der EP. Gute Sache!


Zwei Empfehlungen aus Manchester

Statt hier jetzt ganz groß einen musikalischen Adventskalender aufzuziehen, der am 8. Dezember langsam an Fahrt verliert, bevor er am 15. Dezember endgültig sein Leben aushaucht, zwei kleine Empfehlungen zur neuen Woche — hinter beiden stecken zufälligerweise Künstler aus Manchester.

1) Andrew James Pegram alias Herdwhite ist noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt — zumindest mir sagte der junge Mann bisher gar nichts. Seine aktuelle EP „The Council of Foxes“ ist eben erschienen, zwei der drei Songs darauf treffen meinen Geschmack leider überhaupt nicht (zu elektronisch!), das äußerst atmosphärische Titelstück gefällt mir dafür umso mehr.


2) Über den Geheimtipp-Status sind The Slow Show mittlerweile hinaus und „White Water“, das Anfang März erscheinende Debütalbum der Engländer, dürfte sicher nicht nur von mir mit großer Spannung erwartet werden. „Dresden“, die aktuelle Single der Band, ist außerdem ohne Zweifel eines meiner Lieblingslieder des langsam zu Ende gehenden Jahres. Nun gibt es dazu auch ein sehr schönes, ziemlich berührendes Video:


Tante Doktor: „Medical Songwriting“ aus Gießen

Bild: Pascal Drubel

Bild: Pascal Drubel

Dieser Tage erreichte mich eine E-Mail aus dem Universitätsklinikum Gießen, und obwohl mich mit dieser Institution nichts verbindet — schon gar keine kürzlich zurückliegende Untersuchung welcher Art auch immer — fragte ich, der alte Hypochonder, mich unweigerlich, was denn jetzt schon wieder kaputt sein könnte. Die ebenso beruhigende wie nahe liegende Antwort: Nichts ist kaputt, alles ist in Ordnung. Um medizinische Diagnosen ging es in der Mail nämlich gar nicht, sondern vielmehr um Musik.

Die Schnittmenge zwischen den beiden Themengebieten Musik und Medizin bestand für mich bislang immer nur aus Reinhard Meys „Dr. Nahtlos, Dr. Sägeberg und Dr. Hein“, muss aber nun wohl um die Band Tante Doktor erweitert werden. Diese wurde vor einer Weile von Hans Voigtmann und ein paar befreundeten Medizinern des eingangs erwähnten Universitätsklinikums Gießen als Begleitung des Medizinerkabaretts Elephant Toilet gegründet und hat mittlerweile ein rühriges Eigenleben entwickelt. Nach der EP „Unsteril“ erschien mit „Bipolar“ (zu erwerben direkt bei der Band) jüngst das Debütalbum der Formation, die sich in ihren Liedern — oft auf pointierte, manchmal aber auch auf sehr berührende Art und Weise — mit allerlei Phänomenen aus dem Klinikalltag auseinandersetzt und dabei an eine Mischung aus Element of Crime, Moritz Krämer und den feinen Dresdnern Bergen erinnert.


Obwohl das nicht immer ganz meine musikalische Kragenweite ist — was natürlich rein gar nichts über die Qualität der Songs aussagt — kann ich trotzdem guten Gewissens empfehlen, sich einmal näher mit Tante Doktor zu beschäftigen. Vielleicht ja sogar vor Ort bei einem Konzert. Am 29. November zum Beispiel treten Tante Doktor beim Science Slam im Filmhaus in Lübeck auf.

Jake McMullen – „Always“

Jake McMullen


Die Zahl der Musiker, die jedes Jahr nach Nashville kommen, auf den großen Durchbruch hoffen und letzten Endes kläglich scheitern, dürfte nur noch übertroffen werden von der Zahl der Nachwuchsschauspieler, die es in der Hoffnung auf eine Hollywood-Karriere nach Los Angeles verschlägt. Was das Abenteuer Nashville für den lustigerweise aus Los Angeles stammenden Songschreiber Jake McMullen bereithält, kann jetzt natürlich noch nicht beurteilt werden, aber die jüngst erschienene Single „Always“ macht — nicht zuletzt dank der sehr prägnanten Gesangsstimme — schon einmal einen sehr guten Eindruck.



Der Song ist ein erster Vorbote eines noch namenlosen Albums, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Bei Gefallen gibt es „Always“ zum kostenlosen Download für alle, die sich auf Jake McMullens Homepage in den Newsletter eintragen, oder zusammen mit zwei älteren (und deutlich weniger ausgefeilten Stücken) bei Noisetrade.

Gregory Alan Isakov – „The Stable Song“ (für Hauskonzerte)


Remember when our songs were just like prayers.
Like gospel hymns that you called in the air.
Come down come down sweet reverence,
Unto my simple house and ring…
And ring.


Vor einem Weilchen gab der in Südafrika geborene, aber bereits seit vielen Jahren in Colorado lebende Gregory Alan Isakov eine Reihe von Konzerten in Europa, darunter auch eines in München. Kurz vorher traf sich der talentierte Songschreiber mit den ebenso talentierten und zudem sehr engagierten Menschen von den Hauskonzerten und spielte für sie „The Stable Song“ ein. Das Lied ist quasi ein Klassiker, stammt es doch von Gregory Alan Isakovs 2007 erschienenen Debütalbum „That Sea, The Gambler“, das ebenso empfehlenswert ist wie die späteren Werke „The Empty Northern Hemisphere“ (2009) und „The Weatherman“ (2013).

Sophie Jamieson – „Take“


Huch, schon mehr als ein Monat ohne Beitrag hier und nun auch nur ein paar knappe Worte zu „Take“, der aktuellen Single von Sophie Jamieson. An sich ist der Vorbote auf die Anfang 2015 erscheinende neue EP der jungen Engländerin ja recht spartanisch und unspektakulär, bei mehrmaligem Hören entwickelt sich dann aber doch ein Sog, dem man sich – vor allem, wenn man Karo oder Daughter mag – nur schwer entziehen kann…