City Slang

Dan Mangan + Blacksmith: Club Meds

Dan Mangan

Mit seinen beiden ersten Alben, dem hierzulande nie offiziell veröffentlichten „Postcards & Daydreaming“ und dem vier Jahre später erschienenen „Nice, Nice, Very Nice“, hat sich Dan Mangan den Ruf eines exzellenten Songschreibers erspielt, dem es mit vergleichsweise einfachen Mitteln gelang, zwischen mitsingtauglichen Wohlfühl-Liedern (allen voran natürlich „Robots“) und todtraurigen, ernsthaften Stücken („Basket“) ein breites Spektrum an Emotionen abzubilden. Auf dem 2011 veröffentlichten „Oh Fortune“ machte der Kanadier dann allerdings einen ersten Schritt weg von seinem Image als sympathischer Mann mit Gitarre, was wohl auch am Einfluss seiner Begleitband lag, die sich aus exzellenten, eher dem Jazz und Experimentellem verschriebenen Musikern zusammensetzte. Der Pfad, der damals mit Songs wie „Post War Blues“ beschritten wurde, wird nun auf „Club Meds“ konsequent weiterverfolgt — davon zeugt unter anderem bereits der Entschluss, der Band als „Blacksmith“ nun auch einen Platz auf dem Albumcover zu geben. Abgesehen davon ist die Platte deutlich sperriger und längst nicht so zugänglich ausgefallen wie ihre Vorgänger. Althergebrachte Songstrukturen spielen kaum eine Rolle und auch Mitsingbares findet sich weit und breit nicht, dafür gibt es viel Komplexität und Vertracktheit.

Ein Album zum nebenbei Weghören ist „Club Meds“ also nicht, sondern eher ein Werk, in das man sich in vielen Hördurchgängen reinfuchsen muss. Manches — wie etwa das zornige „Mouthpiece“, das getragene „XVI“ oder das wuchtige „Forgetery“ — geht vergleichsweise schnell ins Ohr, andere Songs bleiben auch nach mehrmaligem Hören ein Rätsel. Mit „Club Meds“ läutet Dan Mangan ohne Zweifel eine neue Phase seines Schaffens ein — die Frage, ob einem das musikalisch äußerst anspruchsvolle und versierte „Club Meds“ über die Zeit aber ebenso sehr ans Herz wachsen wird wie einst „Nice, Nice, Very Nice“, muss jede Hörerin und jeder Hörer für sich selbst entscheiden. {3,5/5}


Dan Mangan + Blacksmith: Club Meds; City Slang, erscheint am 9. Januar.


Tourdaten:
09.04.15 Köln — Gebäude 9
14.04.15 München — Strøm
15.04.15 Dresden — Beatpol
16.04.15 Berlin — Postbahnhof
17.04.15 Hamburg — Uebel & Gefährlich
18.04.15 Bremen — Nordlicht Festival
19.04.15 Heidelberg — Querbeet Festival

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Dear Reader: We Followed Every Sound

Jetzt auch orchestral: Cherylin MacNeil (Foto: Ravi Panchia).

Jetzt auch orchestral: Cherilyn MacNeil (Foto: Ravi Panchia).

In der Weihnachtszeit zeichnen sich die Plattenfirmen gerne durch die Verröffentlichung von Best-of-Zusammenstellungen, Live-Mitschnitten, Box-Sets und aufwändigen Neuauflagen aus. Also vor allem mit Dingen, die an sich kein Mensch braucht, die sich aber gut als Geschenk machen. Auch City Slang beteiligt sich mit zwei Konzertmitschnitten am diesjährigen Weihnachtsgeschäft, wobei neben „Spiritoso“ von Calexico (erscheint am 29. November) vor allem „We Followed Every Sound“ von Dear Reader ziemlich hervorragend und keineswegs verzichtbar ausgefallen ist.

Aufgenommen wurden die zwölf Songs (ein ausgewogener Querschnitt durch alle drei bisherigen Dear Reader-Alben) im April bei einem Konzert mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Während Orchester-Versionen oft zwar recht pompös daherkommen, den ursprünglichen Stücken aber nicht allzu viel Neues hinzufügen, gewinnen die Kompositionen der in Berlin lebenden Südafrikanerin Cherilyn MacNeil hier deutlich an Eleganz, Dramatik und Wucht. Großartig gelungen sind das mitreißende „Took Them Away“, die sich langsam steigernden „Whale (Bohoo)“ und „Great White Bear“, der Beinahe-Klassiker „Dearheart“ und das sehr feierliche „Back From the Dead“.

Kurz gesagt: Es ist eine große Freude, diese Platte anzuhören!

„We Followed Every Sound“ erscheint am 6. Dezember bei City Slang.

Tourdaten:
21.11.13 Köln – At the B-Sides ABGESAGT
22.11.13 Oberhausen – Pressure Air Festival ABGESAGT
24.11.13 Bielefeld – Falkendom
25.11.13 Kassel – K19
27.11.13 (CH) Will – Gare de Lion
28.11.13 (CH) Bern – ISC Club
29.11.13 (A) Innsbruck – Treibhaus
30.11.13 (A) Göfis – Vereinshaus
01.12.13 (A) Wien – Chelsea
02.12.13 Jena – Rosenkeller
03.12.13 Gießen – MuK
01.01.14 Berlin – Volksbuehne
15.01.14 Nürnberg – MUZclub
16.01.14 Stuttgart – PopFreaks
17.01.14 Regensburg – Alte Mälzerei
18.01.14 Mannheim – Alte Feuerwache
19.01.14 Frankfurt – Brotfabrik
21.01.14 Aachen – Musikbunker
22.01.14 Bochum – Bahnhof Langendreer
23.01.14 Halle – Objekt 5
24.01.14 Bremen – Tower
25.01.14 Osnabrück – Kleine Freiheit

Kritik: Benjamin Gibbard

Benjamin Gibbard – Former Lives (City Slang, 19.10.2012)

Frontmänner heißgeliebter Bands auf Solopfaden, Teil 2: Nachdem wir uns letzte Woche „Dept. of Disappearance“, das neue Album von Grandaddy-Sänger Jason Lytle, vorgenommen haben, widmen wir uns nun „Former Lives“, dem Solo-Debüt von Benjamin Gibbard, Mastermind von The Postal Service und Death Cab For Cutie. Dass die meisten Stücke auf der Platte schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben und erst jetzt entstaubt und aufgenommen wurden, merkt man zum Glück zu keinem Moment. Im Gegenteil: Wir waren ziemlich begeistert vom Album und fühlten uns beim Hören natürlich an Death Cab For Cutie, aber auch an zahllose andere feine Bands erinnert.

1) Shepherd´s Bush Lullaby
Jn: Schön, ein Album mit einem Schlaflied zu beginnen.
Ch: Normalerweise hören Platten damit auf.

2) Dream Song
Jn: Nach dem Auftakt ist es allerdings konsequent, dass es nun mit dem “Dream Song” weitergeht.
Ch: Gefällt mir recht gut, wobei es jetzt nicht ganz spektakulär ist…
Jn: …wobei ich das auch mal angenehm finde, wenn jemand nicht meint, immer etwas ganz besonderes machen zu müssen.

3) Teardrop Windows


Ch: Woran erinnert mich denn der Anfang? Ich komme nicht drauf…
Jn: Man kann da aber wirklich sofort mitsummen. Hat ein wenig was von den Weakerthans – John K. Samson könnte das auch singen.

4) Bigger Than Love
Jn: Der Song würde mir wohl besser gefallen, wenn er etwas lauter wäre. Also mit ein wenig mehr Wumms. Trotzdem gut.
Ch: Kennst du noch die Pretenders? Daran erinnert mich das ein wenig.

5) Lily
Ch: Das ist aber schön…
Jn: …und unaufgeregt. Wie der Rest der Platte.
Ch: Könnte ich mir gut in einem Film vorstellen, in dem Josh Radnor eine tragende Rolle spielt.
Jn: Kommt der Song dann in einer eher traurigen Szene vor?
Ch: Vielleicht. Auf jeden Fall ist Josh Radnor in seiner Rolle ein Literatur-Dozent an einem College, das ausschließlich aus Backsteinhäusern mit Efeubewuchs besteht.

6) Something´s Rattling (Cowpoke)


Ch: Was ist denn das da für ein Instrument? Eine Geige! So eine Mariachi-Geige, oder?
Jn: Gibts sowas?!
Ch: Bestimmt.
Jn: Das Lied hat ein wenig was von Beirut.

7) Duncan, Where Have You Gone?
Jn: Und nun ist ein Beatles-Vergleich angebracht.
Ch: Auf jeden Fall sehr abwechslungsreich bisher, das Album. Wobei mir der Song nun nicht so gut gefällt.
Jn: Etwas öde ist er.

8) Oh, Woe
Ch: Das mag ich jetzt wieder lieber. Sehr zeitlos irgendwie.
Jn: Sogar mit elektrischer Gitarre diesmal. Hui!

9) A Hard One To Know
Ch: …und nun gehts in dieser Art weiter. Finde ich gut, dass da alles so melodieselig ist.
Jn: Langsam brauchen wir echt mal ein Phrasenschwein. Wobei ich da nicht so viel reinwerfen müsste.

10) Lady Adelaide
Ch: “Lady Adelaide shows no emotion.” Sowas!
(Lady) Jn lacht

11) Broken Yolk In Western Sky
Jn: Jetzt werden die Country-Gitarren ausgepackt…
Ch: …was gleich an die Decemberists denken lässt. Zumindest an deren letztes Album.

12) I´m Building A Fire
Ch: Zum Abschluss was Akustisches. Hätte auch ein Schlaflied sein können.

Fazit
Ch: Sehr schönes Album! Ich bin prinzipiell eh ein großer Freund solcher Musik und wenn das dann auch noch so gut umgesetzt ist wie hier bei Benjamin Gibbard, kann ich das nur begrüßen und wärmstens weiterempfehlen.
Jn: Vor dem Hören empfiehlt es sich außerdem, sich fix einen Tee zu machen. Das steigert den Genuss – vor allem bei Regenwetter – noch weiter.

Beim Rolling Stone könnt Ihr Euch „Former Lives“ (zumindest momentan noch) in voller Länge anhören, an folgenden Terminen ist Benjamin Gibbard außerdem live in Deutschland zu sehen:

29.11.12 Hamburg – Kulturkirche
30.11.12 Berlin – Passionskirche
01.12.12 München – on3 Festival

Benjamin Gibbard: Former Lives

Benjamin Gibbard, Herz und Seele von The Postal Service und Death Cab For Cutie, veröffentlicht am 12. Oktober via City Slang sein erstes, „Former Lives“ betiteltes Solo-Album. Die zwölf Songs darauf wurden während der vergangenen acht Jahre geschrieben und nun im Studio von Aaron Espinoza aufgenommen. Erste Höreindrücke, weitere Informationen und die Termine der im Spätherbst geplanten Tournee sollen dann in den kommenden Wochen folgen – wir sind gespannt wie die Flitzebögen!

Dan Mangan: Im Dezember für drei Konzerte in Deutschland

Das war ja ein kleines Hickhack um „Oh Fortune“! City Slang, Dan Mangans neues europäisches Label, setzte den Erscheinungstermin des dritten Longplayers des Kanadiers auf den 25. November – allerdings gab es das Album im Online-Shop von City Slang und auch im Plattenladen um die Ecke bereits ab Ende September (und damit wenige Tage nach der Nordamerika-Veröffentlichung auf Arts&Crafts) käuflich zu erwerben. Aber egal: „Oh Fortune“ ist nun also ganz offiziell erhältlich und – wie nach dem grandiosen Vorgänger „Nice, Nice, Very Nice“ auch nicht anders zu erwarten war – wieder ein echtes Glanzstück geworden, das bei Rote Raupe völlig verdient den Titel „Album der Woche“ einheimste.

Im Dezember weilt Dan Mangan bereits zum dritten Mal in diesem Jahr in Europa und schaut dabei auch für drei Konzerte in Deutschland vorbei. Wer kann, der gehe hin!

Termine:
3. Dezember: Münster – Gleis 22
4. Dezember: Dresden – Beatpol
5. Dezember: Berlin – Lido (City Slang Christmas Ball)

Nada Surf // Neues Album & Tour

Als die New Yorker Helden Nada Surf vor gut zwei Wochen die Termine ihrer Europatournee im kommenden Februar bekannt gaben, geisterten nur ein paar vage Gerüchte über ein im Winter erscheinendes neues Album herum. Mittlerweile sind erfreulicherweise allerdings Nägel mit Köpfen gemacht: „The Stars Are Indifferent to Astronomy“, der von Chris Shaw produzierte sechste Longplayer von Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliot, erscheint am 27. Januar 2012 bei City Slang.

Ob die Platte vergangenen Großtaten der Band das Wasser reichen kann, steht zwar noch in den Sternen, aber das bereits jetzt zum kostenlosen Download bereitstehende „When I Was Young“ schürt schon einmal positive Hoffnungen.

Termine:
12. November: Weissenhäuser Strand – Rolling Stone Weekender
16. November: (AT) Graz – Forum Stadtpark (Matthew Caws solo)
17. November: (AT) Innsbruck – Weekender Club (Matthew Caws solo)
19. November: (AT) Krems – Cinezone (Matthew Caws solo)
5. Dezember: Berlin – Lido (City Slang Christmas Ball, Matthew Caws solo)
25. Februar: München – Backstage Halle
26. Februar: Berlin – Huxley´s
27. Februar: Hamburg – Markthalle
28. Februar: Köln – Live Music Hall

WATERS: „Out In The Light“

WATERS: „Out In The Light“ (City Slang, 9. September 2011)

Irgendwie war uns Van Pierszalowski nach dem ebenso absehbaren wie traurigen Ende von Port O´Brien noch etwas schuldig. Schließlich macht man sich nach zwei großartigen Alben wie dem wahnwitzigen „All We Could Do Was Sing“ und dem deutlich stilleren „Threadbare“ sowie zahllosen mitreißenden Konzerten (man erinnere sich nur einmal an das stets überwältigende „I Woke Up Today“) nicht einfach so aus dem Staub.

Das noch einzulösende Versprechen des Amerikaners hört nun auf den Namen WATERS (in Großbuchstaben, bitte) und verquirlt auf dem Debüt „Out In The Light“ äußerst geschickt die Tugenden der rustikalen Hafenspelunken-Folker Port O´Brien mit US-Indierock der älteren Schule. Allein der wunderbar ungestüm lospolternde Opener „For The One“ greift ganz tief ins Referenzkästchen: Hüsker Dü, die ganz frühen Weezer, Pavement, Dinosaur Jr. – all das klingt da zumindest unterschwellig mit an. Doch nicht nur wuchtigere Nummern wie „O Holy Break Of Day“ und „Back To You“ verleihen „Out In The Light“ einen liebenswerten Charme, sondern gerade auch die ruhigeren Stücke, in denen Van Pierszalowski gerne einmal – wie in „Mickey Mantle“, in dem es heißt „I ain´t too old to give a shit, I ain´t too young to regret“ – über seine bewegte Vergangenheit und seine gegenwärtige Siutation sinniert.

Seinen Höhepunkt erreicht „Out In The Light“ dann im hymnischen „Take Me Out To The Coast“, das beinahe so klingt, als träfen Port O´Brien auf die Thermals. Spätestens da ist bombensicher, dass Van Pierszalowskis bandgewordener Befreiungsschlag bestens gelungen ist. Dass er dabei mit „Out In The Light“ auch gleich noch eines der besten Alben dieses Jahres veröffentlichen würde, dürfte er bei der Gründung von WATERS allerdings selbst in seinen kühnsten Träumen nicht geahnt haben…

WATERS: „O Holy Break Of Day“ (Free Mp3)

Live:
9. September: Berlin – Berlin Festival
11. September: Rees-Haldern – Haldern Pop Bar
15. September: Stuttgart – Goldmarks

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