Montreal

Michael Feuerstack: The Forgettable Truth

Michael Feuerstack

Bei manchen äußerst populären Kunstschaffenden stellt man sich unweigerlich die Frage, worin eigentlich der Ursprung ihres Ruhms begründet liegt. Bei Michael Feuerstack verhält es sich dagegen genau umgekehrt. Seit mehr als 20 Jahren ist der Kanadier aus der Musikszene seiner Wahlheimat Montreal nicht mehr wegzudenken und hat unter seinem langjährigen Bühnennamen Snailhouse, als Mitglied von Bands wie den Wooden Stars, dem Belle Orchestre und den Luyas sowie als Kollaborateur unzähliger weiterer Künstler sowohl in Sachen Quantität als auch Quantität Beachtliches geleistet. Ein großer Star ist der Mann mit dem schütteren Haar dennoch nicht, aber das scheint ihm auch ganz recht zu sein, hat er es sich in seiner Nische doch äußerst bequem gemacht.

„The Forgettable Truth“, das zweite Solo-Album, das Michael Feuerstack unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, knüpft dementsprechend auch an Bewährtes und Liebgewonnenes an. Die Stimme so schmeichelnd wie eh und je, die Songs irgendwo zwischen entspanntem, manchmal fast zeitlupenhaften Songwritertum und verspultem Indie-Rock — so lässt sich „The Forgettable Truth“ in wenigen Worten zusammenfassen. Sehr schön ausgefallen sind dabei vor allem die Stücke, bei denen der Violinist Sebastian Chow Schützenhilfe leistet, besonders das gemächlich-melancholische „Clackity Clack“ und der berührende „Talking Blues“.


Michael Feuerstack: The Forgettable Truth. Forward Music Group, erschienen am 6. Februar.- Konzerte: 21.2. Köln — Weltempfänger, 22.2. Offenbach — Hafen 2, 23.2. Leipzig — Handstand und Moral, 24.2. Kassel — Nordstadt Palast, 25.2. Hamburg — Astra Stube, 26.2. Berlin — Schokoladen, 28.2. Hannover — Oberdeck.

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Folly & The Hunter im Mai auf Tour

Zum zweiten Mal für ein paar Konzerte in Deutschland: Folly & the Hunter. (Foto: "Le Petit Russe")

Zum zweiten Mal für ein paar Konzerte in Deutschland: Folly & the Hunter. (Foto: „Le Petit Russe“)

„Tragic Care“, das hervorragende zweite Album der Kanadier Folly & The Hunter wurde bei seiner Nordamerika-Veröffentlichung vor ziemlich genau einem Jahr hier schon einmal über den grünen Klee gelobt. Seit Freitag gibt es die Platte – erweitert um einen Bonus-Song – via Outside Music auch ganz offiziell bei uns käuflich zu erwerben und wie sich das so gehört, wenn ein „neues“ Album erschienen ist, gehen Folly & The Hunter im Mai auf Europatournee.

Folgende Termine in Deutschland stehen bereits fest: 10. Mai – Köln, Die Wohngemeinschaft / 20. Mai – Chemnitz, Dachboden / 21. Mai – Nürnberg, MUZclub / 23. Mai – München, Theatron Festival.

Verlosung: Caroline Keating

Was lange währt, wird endlich gut – eine alte, immer wieder gern hervorgezerrte Binsenweisheit, die bei Caroline Keating allerdings bestens zutrifft. Die 25 Jahre alte Kanadierin ist Eingeweihten natürlich längst ein Begriff, tourt sie doch bereits seit Jahren munter durch die halbe Welt (erfreulicherweise auch immer wieder gerne in Deutschland) und hinterlässt allerorten einen positiven Eindruck. Das einzige Manko: Außer ein paar Demos konnte man sich bislang von den schönen Konzertabenden nichts Bleibendes mit nach Hause nehmen. Ein Album wurde zwar immer wieder angekündigt, aber letzten Endes blieb es meist bei Worten, denen keine Taten folgten.

Vor ein paar Wochen hatte die in Kanada schon im April beendete, quälende Wartezeit allerdings endlich auch bei uns ein Ende und mit „Silver Heart“ (Glitterhouse Records) erschien eine Platte, die die hohen Erwartungen nicht nur spielend erfüllt, sondern sogar noch übertrifft. Begleitet von Streichern, ein paar Bläsern und etwas Schlagwerk, klingen Caroline Keatings Songs nun deutlich kraft- und gehaltvoller als bei den eher intim gehaltenen, von Gesang und Piano dominierten Live-Auftritten. Klar, das was die Kanadierin da macht, weckt nicht nur von Zeit zu Zeit, sondern eigentlich ständig Erinnerungen an die große Regina Spektor, aber im direkten Vergleich zu deren aktueller LP „What we Saw from the Cheap Seats“ ist „Silver Heart“ das wesentlich gelungenere Stück Musik.

Tourdaten:
10.11.12 Potsdam – Reithalle A (Nachtboulevard)
22.11.12 Hamburg – Nachtasyl (Thalia Theater)
24.11.12 (AT) Graz – Autumn Leaves Festival (Orpheum)
25.11.12 Erlangen – E-Werk (Kellerbühne)
06.12.12 Offenbach – Hafen 2 (Kinosaal)
10.12.12 Münster – Pension Schmidt
12.12.12 Würzburg – Cairo
17.05.13 Beverungen – Orange Blossom Special

you sound great präsentiert das Konzert von Caroline Keating und dem britischen Songwriter-Duo Oh Othello am 25. November in der Kellerbühne des Erlanger E-Werks (Beginn: 20.30 Uhr) und verlost unter allen, die bis zum 18. November um 20 Uhr eine Mail mit dem Betreff „Silver Heart“ und ihrem vollständigen Namen (wichtig für die Gästeliste – Daten werden nach Ende der Verlosung umgehend gelöscht) an yousoundgreat(at)googlemail(punkt)com schicken, 1×2 Tickets für diesen wunderbaren Abend. Viel Glück!  

Vier Ohren: Mark Berube

Am Wochenende war Kanada zwar Gastland auf dem Bardentreffen, aber abgesehen von der kanadischstämmigen Sängerin der Nürnberger Elektropopper Wrongkong bekamen wir keine Musiker aus dem Land von Ahornsirup und Eishockey zu Gesicht, was in erster Linie daran lag, dass uns das Programm und die geladenen Gäste nicht so recht ansprechen wollten. Einer, über dessen Anwesehnheit wir uns allerdings sehr gefreut hätten, ist Mark Berube aus Montreal, der in seiner Heimat bereits vier Solo-Alben, zwei EPs und zwei weitere Alben mit der Band The Fugitives veröffentlicht hat, aber erst mit dem auch schon vor einem Jahr erstmals erschienenen „June In Siberia“, auf dem neben seiner Begleitband The Patriotic Few weitere illustre Gäste wie Dan Mangan, Emily Loizeau, C.R. Avery und Hattie Webb von den Webb Sisters zu hören sind, den Weg in unsere Breiten findet.

Erscheinungstermin der Platte (Global Reords) ist der 17. August – wir haben schon einmal reingehört:

1) Hello
Jn: Das klingt gut.
Ch: Unabhängig von der Musik mag ich die Platte allein des Artworks wegen. Und der Name Mark Berube and the Patriotic Few ist auch super.

2) Tailored to Fit
Ch: Ich mag, wie das instrumentiert ist. Nicht so der Standard-Rockmusik-Quatsch, sondern etwas Raffinierteres.
Jn: Ich glaube, die würde ich gerne mal live sehen.

3) Side of the Road
Jn: Gutelaunemusik ist das aber nicht. Und da ist Dan Mangan…
Ch: …dessen Songs genauso klingen würden, wenn er nicht so bodenständig…
Jn: …sondern etwas verkopfter und trauriger wäre.
Ch: Seltsam, dass wir sowas als Lob meinen.

4) Above the Ground
Ch: Das gefällt mir auch wieder sehr gut. Ich mag hier beide Stimmen sehr gerne.
Jn: Wobei es trotz der üppigen Instrumentierung sehr ruhig klingt. Bei Get Well Soon wäre das zum Beispiel ganz anders.

5) Let Me Go
Ch: Ich war am Anfang etwas skeptisch wegen der ganzen Gastsängerinnen und -sänger, weil ich befürchtete, die Platte könnte wie ein Album von Santana klingen. Der spielt immer das gleiche Gitarrensolo und entweder Beyonce oder Chad Kroeger singt dazu. Zum Glück ist das hier qualitativ ungefähr das genaue Gegenteil. Zum ersten Mal haben wir nun einen etwas lauteren Song – mit Spoken-Word-Einlage.
Jn: Was ja auch Sinn ergibt, weil Mark Berube schon ein paar Alben mit einer Spoken-Word-Band veröffentlicht hat.

6) When We Are Old
Jn: Wir sind schon alt.

7) My Me Lady
Ch: Das ist jetzt der Irish-Folk-Song…
Jn: Näääääääg!
Ch: Das erste Lied, das mir nicht so gut gefällt.
Jn: Mir gehts da genauso. Das ist eher was für Batikkleidträgerinnen. Ich hatte nie ein Batikkleid. NIE!

8) Last Call
Jn: Das war aber sehr kurz, das Lied.
Ch: Eher ein vertontes Gedicht.

9) Hurricane / Little Quiet Scream
Ch: Nach einem kleinen Durchhänger gehts jetzt wieder steil bergauf. Akkordeon ist meiner Meinung nach immer noch ein sehr unterschätztes Instrument.
Jn: Wenn die live auftreten, haben die sich auf der Bühne sicher immer so ein kleines Wohnzimmer eingerichtet, glaube ich. Mit Teppich und Stehlampe.
Ch: Und einem Globus.

10) Siberia
Jn: Die letzten Songs waren ein wenig positiver, aber nun herrscht wieder eine sehr gedrückte Stimmung.
Ch: Sibirien ist halt nicht so positiv. Ich stelle mir das total heruntergekommen und menschenfeindlich vor. Fast wie Berlin  – nur mit besserem Wetter.
Jn: Und mit weniger Psychopathen. Also wie Neukölln in nett?

11) Gone Clear
Ch: Ich mag gezupfte Streichinstrumente, fällt mir eben auf. Auch wieder sehr schön.
Jn: Was mittlerweile gar nicht mehr extra betont werden müsste, weil bisher wirklich fast alles sehr fein war.

12) Manitoba
Ch: Bei Manitoba muss ich immer an John K. Samson denken, was mich sehr freut. Selbst bei so einem kurzen Outro.

Fazit
Ch: Seltsam, dass das das erste Album von Mark Berube ist, das bei uns offiziell veröffentlicht wird – und selbst das erst mit einem Jahr Verspätung. Seit dem Erfolg von Arcade Fire wird doch sonst auch alles, was aus Kanada kommt, ungefragt auf den Markt geschmissen. Und das hier ist doch einwandfreie Musik – kluge Songs, hervorragend instrumentiert und mit einem etwas höheren Anspruch.
Jn nickt

Neue Bands (I): Folly & The Hunter

Foto: Annah MacKay

Herkunft: Montreal, Quebec

Line-Up: Nick Vallee, Laurie-Anne Torres, Christopher Fox und diverse befreundete Musiker der lokalen Independent-Szene.

So klingt das: Obwohl es im Refrain des exzellenten „Revolution Drums“ etwas vollmundig „and we´ll take this town / banging on our revolution drums“ heißt, dominieren auf „Residents“, dem jüngst erschienenen, phantastischen Debütalbum des kanadischen Trios, die leiseren Töne. Folly & The Hunter stehen für üppig instrumentierten und liebevoll arrangierten Indie-Folk, der nicht auf Knalleffekte setzt, sondern sich langsam einschmeichelt und dafür umso länger nachwirkt. Mehrstimmige Gesangsharmonien, angeführt von Nick Vallees sanfter Stimme, gedämpftes Schlagzeug, Banjo, Piano und Cello liefern das Grundgerüst der Stücke, die zwischen großer Melancholie und etwas forscheren Klängen oszillieren.

Beste Songs: Eigentlich alle. Aber „Old Friend“, „Traffic“ und „Folly“ sind absolut herausragend.

Das sagen andere: „Folly and the Hunter’s debut LP, Residents, sounds like a Fairy Tale.“ – Jeff McAllister, Grayowl Point.

Steht im Plattenregal neben: The Black Atlantic, Sufjan Stevens´ „Seven Swans“, Evening Hymns, The New Pornographers, Bon Iver.

Anhören:

„Traffic“

„Revolution Drums“