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Small Houses: Staggers and Rise

Small Houses

Ein neues Musikjahr bringt nicht nur neue Platten und Konzerte mit sich, sondern (manchmal) eben auch neue Labels. Eines davon ist I am old fashioned aus Bremen, das erst gerade erst die Bildfläche betreten hat und aus einem ebenso pragmatischen wie sympathischen Zweck ins Leben gerufen wurde: „Es wurde gegründet um das zu supporten was wir lieben: Großartige Musik!“

Was die oder der Einzelne unter großartiger Musik versteht, ist natürlich subjektiv, aber mit ihrer ersten Veröffentlichung haben die Bremer aus meiner Sicht schon einmal ins Schwarze getroffen, handelt es sich doch um „Staggers and Rise“, die neue Single des aus Michigan stammenden Jeremy Quentin alias Small Houses, der in seiner Heimat bereits seit einem Weilchen für Furore sorgt. Schön, dass er nun also auch bei uns angekommen ist — „Still Talk; Second City“, das neue Album des Amerikaners, soll dann demnächst erscheinen.


♦ Bei Gefallen gibt es „Staggers and Rise“ hier zum freien Download.

Radical Face: The Mute

Ben Cooper alias Radical Face versteht es immer wieder aufs Neue, mit relativ einfachen Mitteln Beeindruckendes zu schaffen. Musikalisch gelingen dem Amerikaner seit jeher mit spärlicher Instrumentierung und stets nur minimaler Variation sehr berührende Lieder, aber auch visuell spielt Radical Face dank kluger Einfälle und der Hilfe einiger talentierter Freunde längst in der Oberliga.

Jüngstes Beispiel ist das hervorragende Video zum Song „The Mute“, der sich nicht nur auf dem letzten Radical Face-Album „The Family Tree: The Branches“ findet, sondern auch auf dem Soundtrack des neuen Zach Braff-Films „Wish I Was Here“ (Kinostart in Deutschland am 9. Oktober) einen prominenten Platz einnimmt.

Radical Face live: 03.11. Berlin – Paradiso.

Hingehen: I Used to be Darker

Wer? Die Amerikanerin Kim Taylor kann auf ein ereignisreiches Jahr 2013 zurückblicken: Zum einen veröffentlichte die Songwriterin mit „Love’s A Dog“ ein neues Album, zum anderen gab sie in „I Used to be Darker“ ihr Schauspieldebüt. Film und Platte präsentiert sie nun auf einer kleinen Tournee.

Warum? Zumindest dem Trailer nach zu urteilen macht der u.a. beim Sundance Festival und auf der Berlinale viel gelobte Streifen einen ziemlich sehenswerten Eindruck. In Kombination mit einem anschließenden Konzert dürfte da ein netter Abend draus werden.

Wann und wo? Am Samstag, 18. Januar 2014 zeigt das Kommkino in Nürnberg um 19 Uhr zunächst den Film „I Used to be Darker“, um 21 Uhr gibt Kim Taylor dann im Zentralcafé ein Konzert. Kombitickets kosten 8 Euro, Tickets nur fürs Konzert 7 Euro.

Wo noch? „I Used to be Darker“ läuft ab dem 9. Januar bundesweit in den Kinos, Kim Taylor ist außerdem hier zu sehen: 7.1.14 Berlin – Unknown Pleasures Festival, 9.1.14 Berlin – FSK Kino, 10.1.14 (A) Wien – Stadtkino, 11.1.14 (A) Linz – Moviemento, 20.1.14 Berlin – Sweet Home 36.

Hingehen: Geoff Farina

- Foto: PR.

Geoff Farina.- Foto: PR

Wer? Geoff Farina ist einer der Mitbegründer der jazzaffinen Indierock-Band Karate. Seit deren Auflösung im Jahr 2005 wandelt der Amerikaner, der momentan auch Musikgeschichte an der DePaul University in Chicago lehrt, zusammen mit Chris Brokaw oder seiner Band Glorytellers (zuletzt erschien mit „Current Resident“ im April 2013 ein neues Album) vornehmlich auf den Spuren des traditionellen Folk und Blues.

Warum? Zu Beginn eines neuen Jahres darf es gerne ein wenig ruhig und lauschig zugehen. Dass mit Geoff Farina ein Meister seines Fachs für die passende Untermalung einiger kalter Januarabende sorgt, ist natürlich ein besonderer Glücksgriff.

Wann und wo? Mittwoch, 8. Januar 2014 im MUZclub in Nürnberg; Beginn 20.30 Uhr, Abendkasse 5 Euro.

Wo noch? 9.1.14 Fulda – Kreuz, 10.1.14 Offenbach – Weinstube, 11.1.14 Gießen – Alte Kupferschmiede, 13.1.14 Berlin – Hauskonzert, 14.1.14 Leipzig – Conne Island, 15.1.14 Oberhausen – Drucklufthaus, 16.1.14 Frankfurt – Plank.

Band of Horses: Neighbor [Stream]

Die Band of Horses hat bereits die Herzen der Musikfreunde und die großen Arenen erobert und nun folgt der nächste logische Schritt: Mit „Acoustic at the Ryman“ veröffentlichen die Herren um Sänger Ben Bridwell am 14. Februar 2014 eine Art Best-of-Zusammenstellung im akustischen Gewand, die im vergangenen April während zweier Konzerte im Ryman Auditorium in Nashville aufgenommen wurden.

Es erwarten uns: Mehrstimmiger Harmoniegesang von Männern auf Barhockern, frenetischer Szenenapplaus und ein Wiedersehen mit Klassikern wie „The Funeral“ oder „Detlef Schrempf“. Insgesamt also das wohl allergrößte Live-Album seit – nun ja – „Hell Freezes Over“ von den Eagles.

Als kleiner Vorgeschmack darf die natürlich ebenfalls auf dem Album enthaltene Akustikversion von „Neighbor“ bereits jetzt angehört werden:

The Head and the Heart: Let’s Be Still

Bislang kannte die Karriere von The Head and the Heart nur eine Richtung, nämlich steil bergauf. Im Jahr 2009 von den damals frisch nach Seattle gezogenen Jonathan Russell und Josiah Johnson gegründet, wuchs die Band dank Tyler Williams, Kenny Hensley, Charity Rose Thielen und Chris Zasche schnell zu einem Sextett heran, das in Windeseile ein hervorragendes Album aufnahm und im Selbstvertrieb 10.000 Mal verkaufte. Wiederum wenig später nahm das Renommierlabel SubPop die Band unter Vertrag, veröffentlichte das Debüt in einer leicht veränderten Version neu, woraufhin The Head and the Heart allein in den USA weitere 280.000 Platten verkauften und auf allen wichtigen Festivals spielten.

The Head and the Heart, damals beim letzten Abendmahl (Foto: PR).

The Head and the Heart, damals beim letzten Abendmahl (Foto: PR).

Dass der Aufwärtstrend der Amerikaner, die längst zur ersten Liga des US-Folkrocks zählen, in absehbarer Zeit abflaut, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Immerhin ist „Let’s Be Still“, das zweite Album der Band, ein weiterer Schritt nach vorne. Die 13 neuen Songs sind zwar etwas aufwändiger produziert und mit ein paar eher verzichtbaren elektronischen Spielereien (ohne die es seit der letzten Bon Iver-Platte wohl nicht mehr geht) verziert, aber im großen und ganzen setzen The Head and the Heart nach wie vor auf die Erfolgsformel des Debütalbums. Will heißen: Zentrale Elemente des zwischen zupackend und melancholisch pendelnden Folks sind wieder einmal die gesangliche Harmonie von Jonathan Russell, Josiah Johnson und Charity Rose Thielen, um die herum je nach Bedarf federleichte Akustikgitarren, Fiedel, satte Percussion und Pianoläufe gruppiert werden. Letzten Endes sind es allerdings vor allem die ruhigen Stücke, die aus dem sehr guten Gesamten herausragen – das sanft hoffnungsvolle „Another Story“ zum Beispiel, das bereits vor einer ganzen Weile veröffentlichte „Josh McBride“ (in dem in Anlehnung an Bob Dylan „boots of spanish leather“ geschnürt werden) oder das furiose, sechseinhalbminütige Finale „Gone“.

Dringende Kaufempfehlung!

„Let’s Be Still“ erscheint am 25. Oktober.

Lily & Madeleine | Devil We Know

Foto: Allister Ann

Foto: Allister Ann

Folk-Schwestern im Teenager-Alter, die alle ausflippen lassen: Das hatten wir doch vor nicht allzu langer Zeit bei First Aid Kit schon einmal. Die beiden Schwedinnen sind natürlich längst etabliert und musizieren unter anderem gemeinsam mit Patti Smith und Conor Oberst. Deshalb muss nun eben die nächste Sensation her, die diesmal nicht aus Skandinavien, sondern aus Indianapolis kommt. Lily und Madeleine Jurkiewicz sind 16 und 18 Jahre alt, nennen sich aus Gründen der Einfachheit schlicht Lily & Madeleine, haben schon die New York Times nachhaltig begeistert und klingen tatsächlich ähnlich hervorragend wie die eingangs erwähnten Söderberg-Schwestern.

Am 1. November veröffentlichen Lily & Madeleine auf dem Sufjan Stevens-Label Asthmatic Kitty Records ihr Debütalbum, vorab gibts die feine Single „Devil We Know“ zu hören:

Im Schützengraben

Das zweite Album der Civil Wars könnte auch das letzte sein

Foto: Tec Petaja

Foto: Tec Petaja

Ausgerechnet auf dem Zenit ihrer Karriere hat es The Civil Wars aus der Kurve geworfen: Spätestens nach den beiden überraschenden Grammy-Auszeichnungen für ihr Debütalbum „Barton Hollow“ galten Joy Williams und John Paul White als große Hoffnungsträger des Country jenseits vom Gedudel der einschlägigen Provinzradiosender. Knapp anderthalb Jahre später allerdings liegt die Band in Trümmern, die beiden Protagonisten sind nicht erst seit gestern (unter anderem musste eine Europatournee im vergangenen Herbst abgebrochen werden) heillos zerstritten und es ist durchaus fraglich, ob sich daran in Zukunft etwas ändern wird.

„The Civil Wars“, das zweite Album des Duos, das nach seiner Veröffentlichung in den USA sofort auf Platz 1 der Billboard-Charts stürmte, dürfte also wohl auch das letzte gemeinsame Werk der Amerikaner sein.„This album chronicles loss and regret and anger and victory and sweetness and loyalty […]. And we created it together — we just happened to be in a bit of a civil war ourselves“, sagt Joy Williams über die Platte und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Natürlich kann man in jeden der zwölf Songs die bandinternen Streitigkeiten hineininterpretieren (vor allem in Zeilen wie „I want to leave you / I want to lose us / I wanna give up“), man kann es aber auch sein lassen und das Album als allgemeingültigere Auseinandersetzung mit den Tücken und Fallstricken von Beziehungen hören. Aber egal wie: „The Civil Wars“ hat mit dem bluesigen „I Had Me A Girl“, dem bittersüßen „Same Old Same Old“, dem beschwingteren „From This Valley“ und dem sehr anrührenden Smashing Pumpkins-Cover „Disarm“ ein paar exzellente Aushängeschilder zu bieten und ist damit ein würdiger (vielleicht ja doch nur vorübergehender) Abschiedsgruß.

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  • „The Civil Wars“ erscheint am 23. August bei Columbia, digital ist das Album bereits seit Anfang des Monats erhältlich. 

Zukunftsmusik (4)

Heute: Josh Ritter

Josh Ritter

Josh Ritter, Songwriter aus Idaho und zeitweise in Irland zu Hause, gehört seit jeher zu den Favoriten von you sound great – vor allem wegen seines 2006 erschienenen Albums „The Animal Years“. Umso erfreulicher kommt da natürlich die Nachricht, dass der Amerikaner im März mit „The Beast In Its Tracks“ eine neue LP veröffentlicht.

Nicht ganz so erfreulich sind allerdings die Umstände, unter denen die neuen Songs zustande gekommen sind:

I wrote and recorded this record in the 18 months after my marriage had fallen apart. All heartbreak is awful – my broken heart wasn’t unique. But writing these songs was helping me get through the night and I didn’t have the strength to care or question.

Trotzdem scheint „The Beast In Its Tracks“ kein allzu trauriges Album zu werden – zumindest das bereits jetzt zu hörende „Joy To You Baby“ schlägt nämlich durchaus versöhnliche Töne an:

Kritik: Dead Fingers

Dead Fingers – s/t
Affairs of the Heart, 26.10.2012
Für Freunde von: She & Him, Jenny and Johnny, Angus & Julia Stone

Obwohl Frau-Mann-Duos wahrlich keine Erfindung jüngeren Datums sind (man denke nur an Lee Hazlewood und Nancy Sinatra oder Sonny & Cher), scheint sich diese Art von Band in den letzten Jahren fast epidemieartig auszubreiten. Mit Dead Fingers gibt es nun endlich auch ein Boy-Girl-Duo aus dem erweiterten Saddle Creek-Umfeld – Kate Taylor ist die jüngere Schwester von Maria Taylor, ihr Ehemann Taylor Hollingsworth (dessen Stimme leicht gewöhnungsbedürftig ist und zuweilen an einen singenden Frosch denken lässt) ist vor allem als Mitglied von Conor Obersts Mystic Valley Band bekannt und zeichnete dort unter anderem für den heimlichen Hit „Air Mattress“ verantwortlich.

Auf ihrem ersten gemeinsamen Album packen die beiden zwar nun nicht die ganz großen Überraschungen aus, liefern aber eine sehr stimmige Sammlung abwechslungsreicher Songs irgendwo zwischen Country, Blues, Pop und Rock´n`Roll ab. Dass sich die elf Stücke auf „Dead Fingers“ ohne größere Aussetzer – vom leicht nervtötenden „Please Don´t Let Me Go“ einmal abgesehen – in einem Rutsch durchhören lassen, darf dabei als größte Stärke der Platte gewertet werden, dass außer dem schwungvollen „Another Planet“ allerdings kaum etwas längere Zeit im Gedächtnis haften bleibt, als größte Schwäche.- 5,5 Punkte